Wer will, darf sein Geschäft täglich von 6 bis 20 Uhr öffnen. Außer sonntags, bis auf wenige Ausnahmen. So erlaubt es das bayerische Ladenschlussgesetz. Während Einzelhändler in Innenstadtmetropolen wie München und manch Supermarktbetreiber vor Ort grundsätzlich abends gerne länger verkaufen würden, gilt bei den Geschäften in Fußgängerzonen wie in Forchheim eher das Gegenteil.
Wer die Öffnungszeitenaushänge der Läden in der Innenstadt scannt, findet vor allem samstags nur sehr selten Uhrzeiten, die bis in den Abend reichen. Nun war es wieder einmal so weit, der „Lange Samstag“ sollte viele Forchheimer zum Shoppen und Stauen über Kleinkunst in die Innenstadt locken. Geladen hatten die Stadt Forchheim und die Händlervereinigung Heimforteil.
Ausreichend Werbung: Fehlanzeige?
„Wie, langer Samstag, davon wusste ich gar nichts?“, sagen die einen. „Den Clown und den Stelzenläufer mussten wir erstmal ewig suchen“, sagen die anderen. Das sind nur einige der Reaktionen nach dem langen Samstag in der Forchheimer Innenstadt.
„Langer Samstag“: Resonanz wohl ernüchternd
Die Resonanz ist ernüchternd. Auch auf der Facebook-Seite „Fränkischer Tag Forchheim“ ist die Veranstaltung am Wochenende Gesprächsthema Nummer eins. „Warum zieht man nicht zusammen an einem Strang? Die einen schließen vorzeitig, die anderen lassen auf. Das ist für die Kundschaft nicht attraktiv. Und große Werbung für so ein Event konnte ich auch nicht finden. Mal alle mit ins Boot nehmen bei frühzeitigen Planungen wäre von Vorteil“, schreibt Gerhard H.
Und tatsächlich. Man stand am Samstag teilweise auch vor verschlossenen Ladentüren, da sich nicht alle Geschäfte an den langen Öffnungszeiten bis 18 Uhr beteiligt hatten. Woran hat es gehapert?
Annett Kist von Bonita: „Keiner Bescheid gegeben“
„Uns hat im Vorfeld leider niemand Bescheid gesagt“, sagt Annett Kist vom Modegeschäft Bonita in der Hauptstraße. Die Filialleiterin habe es zufällig erfahren, konnte aber auf die Schnelle nicht mehr umplanen. Auch etwas mehr Werbung hätte es vorab sein können.
„Ich finde es schade. Die Leute kommen für solche Events eher nach Forchheim, wenn alle Geschäfte mitmachen und gleich lang geöffnet haben.“ Ob sie bei rechtzeitiger Information teilgenommen hätte? „Na klar.“
Heimforteil zieht positive Bilanz
So wie ihr gehe es einigen innerstädtischen Inhabern. Ganz anders lautet die Erfahrungswelt Petra Dietzels, Vorsitzende der Vereinigung Heimforteil. Sie erlebte den Samstag als gut, ähnliches sei ihr von anderen Ladenbetreibern in der Innenstadt – ebenfalls Mitglieder im Heimforteil – gespiegelt worden.
Zwar sagt auch Dietzel: „Es ist schade, dass nicht alle Geschäfte mitmachen. Nur kann man ja niemanden zwingen.“ Aber ihre Prämisse lautet anders, jeder habe Bescheid gewusst, sei informiert gewesen, wolle oder könne nicht mitmachen.
Baustelle: Citymanagement Forchheim
Diesen Widerspruch aufzulösen, fällt schwer. Fest im organisatorischen Boot des Langen Samstags sitzt das städtische Citymanagement, nach dem Weggang Elena Büttners jedoch offiziell noch immer nicht besetzt. Zwar kümmerte sich die Stadtverwaltung um die Organisation des Rahmenprogramms und wohl auch um die Information betroffener Innenstadt-Händler, sich anzuschließen. Aber scheinbar gab es hierbei Lücken.
„Das geht aber schon seit Jahren so, dass wir außen vor bleiben“, berichtet Bonita-Chefin Annett Kist. Einen Schuldigen will sie nicht nennen. Bedauern tut sie es schon. Was aber könnte die Lehre daraus sein? Etwa eine Art Kern-Öffnungszeit, die sich an Samstagen bis in den Abend erstreckt? Davon wollen die meisten Händler in der Innenstadt nichts wissen.
Kern-Öffnungszeiten als Lösung
Annett Kist etwa öffnet ihre Filiale der Modekette samstags seit ein paar Jahren nur noch bis 14 Uhr. Anfangs hatte sie bis 16 Uhr geöffnet, aber Samstag sei immer ein schwacher Tag gewesen. Klar würde es mehr Menschen in die Stadt ziehen, wenn alle Händler plötzlich vereint bis abends öffnen würden, sagt sie. Damit sei aber nicht gesagt, dass sich das betriebswirtschaftlich lohne.
„Samstage nicht für alle Branchen stark“
Ähnlich sieht das Petra Dietzel, die „La Boutique“ in der Wiesentstraße betreibt. „Klar wäre eine Kern-Öffnungszeit schön. Aber in einer Stadt wie Forchheim ist das schwierig, dann wirken für viele die Corona-Probleme nach, andere finden nicht ausreichend Personal.“ Gerade kleinere inhabergeführte Läden, wie Dietzels etwa, könnten gar nicht durchgehend öffnen. Und: Samstage seien nicht für alle Branchen gleichermaßen starke Tage.
Seitens der Stadt kümmert sich aktuell Oberbürgermeister Uwe Kirschstein höchstselbst um die Belebung des Innenstadthandels. Angesichts anderer großer Aufgaben und Baustellen wird es aber wohl erst die Neubesetzung des Citymanagements brauchen, um schlagkräftige Impulse erwarten zu können. Der nächste Einkaufssamstag kommt bestimmt.
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