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Besuch bei der Heinz Walz GmbH
Wie Effeltricher Technik weltweit Klimawandel sichtbar macht
Kleine Apparate, große Wirkung: Die Heinz Walz GmbH aus Effeltrich gilt als Marktführer in der Entwicklung und Fertigung von elektronischen Messgeräten für Photosynthese-Untersuchungen an Pflanzen. Ein wahrer Hidden Champion.
Kleine Apparate, große Wirkung: Die Heinz Walz GmbH aus Effeltrich gilt als Marktführer in der Entwicklung und Fertigung von elektronischen Messgeräten für Photosynthese-Untersuchungen an Pflanzen. Ein wahrer Hidden Champion. // Foto: Stephan Großmann
Effeltrich – Hightech aus Effeltrich macht Stress bei Pflanzen sichtbar – in den Tiefen der Ozeane, in Wäldern und Feldern weltweit und sogar im All. Die Geschichte eines ganz besonderen Familienunternehmens.

Ein kurzer blauer Lichtblitz. Jutta Zimmermann nickt zufrieden. Sie zieht das grüne Blatt der Topfpflanze wieder aus der Blattklammer und stellt den Topf zur Seite. Ein Lichtblitz, das sogenannte PAM-Chlorophyll-Fluorometer hat soeben die Fotosynthese-Aktivität nachgewiesen. Ein weiterer Test war erfolgreich, stellt Zimmermann fest, alle Leiterplatten und Stecker sind richtig installiert, die Kollegen können nun die Endfertigung des kleinen Wunderapparates übernehmen. Und der trägt ein kleines bisschen dazu bei, die Welt zu retten.

Noch nie zuvor waren die Herausforderungen des Klimawandels derart sichtbar wie in diesen Jahren, noch nie zuvor derart im Fokus der Weltöffentlichkeit. Tausende Forscherinnen und Forscher weltweit widmen sich in ihren Studien den Gründen und Auswirkungen der sich immer rascher verändernden klimatischen Bedingungen. Häufig wichtige Helfer: Produkte aus dem Hause der Heinz Walz GmbH.

Biologin: „Fotosynthese wichtigster Prozess der Welt“

Bereits in der dritten Generation entwickelt und produziert der Hidden Champion aus dem beschaulichen Effeltrich hochtechnologisierte Geräte zur Messung von Fotosynthese. Je nach genauer Anwendung können die Apparate variieren, aber im Kern geht es in aller Regel darum, die Aktivität der Fotosynthese in Pflanzen, Algen und einigen Bakterien messen zu können.

Warum das wichtig ist, erklärt eine der Biologinnen, die in Effeltrich die sensiblen Geräte mitentwickeln und Forscherteams aus der ganzen Welt in die Handhabung einweisen. „Vereinfacht gesagt produziert eine Pflanze bei der Fotosynthese aus Kohlendioxid und Wasser mithilfe der Lichtenergie Traubenzucker und das ‚Abfallprodukt‘ Sauerstoff“, sagt die promovierte Biologin Petra Meyerhoff. „Fotosynthese ist der wichtigste Prozess der Welt“, meint sie. Daher sei es für die Menschheit so wichtig, diesen gut zu verstehen.

Petra Meyerhoff ist eine von fünf Biologinnen der Heinz Walz GmbH: „Erkennen, ob Pflanzen unter Stress leiden"
Petra Meyerhoff ist eine von fünf Biologinnen der Heinz Walz GmbH: „Erkennen, ob Pflanzen unter Stress leiden" // Foto: Mike Meyer/Heinz Walz GmbH

Sensible Messgeräte liefern wichtige Informationen über Pflanzengesundheit

Mit dem tragbaren Standard-Chlorophyll-Fluorometer können Wissenschaftler beispielsweise relativ einfach und schnell erkennen, dass eine Pflanze unter Stress leidet und gegebenenfalls Gegenmaßnahmen einleiten. So lässt sich anhand der Veränderung der Fotosynthese-Aktivität beispielsweise ein Borkenkäfer-Befall frühzeitig erahnen, genauso Probleme mit der Nährstoffaufnahme aus dem Boden oder dem Wasserhaushalt. „Wir liefern mit unseren Geräten die Daten“, sagt Meyerhoff.

Die nutzen vorrangig Behörden und Forschungseinrichtungen. Privatanwender wie etwa Ostgartenbesitzer stehen derzeit nicht auf der Kundenliste der Firma. „Wir liefern zu 90 Prozent ins Ausland, und zwar an Forschungseinrichtungen und Universitäten in mehr als 20 Ländern“, erklärt Julia Walz, Geschäftsführerin und Enkelin des Firmengründers Heinz Walz. Die 37-Jährige teilt sich den Chefposten mit Steffen Walz, einem der beiden Söhne von Heinz Walz, sowie dessen Sohn Andre Walz.

Geschäftsführungstrio in Familienhand: Julia Walz, Steffen Walz und André Walz
Geschäftsführungstrio in Familienhand: Julia Walz, Steffen Walz und André Walz // Foto: Stephan Großmann

Heinz Walz GmbH: Hightech-Familienbetrieb in dritter Generation

„Wir sind ein wahrer Familienbetrieb“, sagen alle drei unisono. Am 1. Juli 1972 hatte der Siemens-Ingenieur Heinz Walz die Firma in Eltersdorf (Stadtteil von Erlangen) gegründet, zog aber später „wegen günstiger Grundstückspreise“ nach Effeltrich. 1984 holte er seinen Sohn Harald in die Firma (mittlerweile in Rente), fünf Jahre später den jüngeren Bruder Steffen. Nach ihrem BWL-Studium stößt Harald Walz‘ Tochter Julia 2018 ins Unternehmen, 2020 dann noch Steffen Walz‘ Sohn Andre (nachdem er in der Firma Elektroniker gelernt und später studiert hatte).

Heute teilen sich die drei die Firmenleitung, wobei die Aufgaben klar verteilt. Während sich Julia Walz um das Betriebswirtschaftliche kümmert, verantwortet Steffen Walz (61) den Vertrieb und sein Sohn Andre Walz (34) alles rund um die Entwicklung. Doch auch die meisten der 35 Mitarbeitenden gehörten quasi zur Familie, sagt Julia Walz. Elektroniker, Mechaniker, Bürokräfte, Lageristen; manche seien schon fast von Beginn an dabei. Für die Geschicke einer derart spezialisierten Firma, die einen „Nischenmarkt innerhalb eines Nischenmarkt“ (Julia Walz) bedient, sei die enge Verbundenheit mit seiner Belegschaft von großem Vorteil, meint sie.

35 Mitarbeitende beschäftigt die Heinz Walz GmbH in Effeltrich.
35 Mitarbeitende beschäftigt die Heinz Walz GmbH in Effeltrich. // Foto: Mike Meyer/Heinz Walz GmbH

Zumal die Heinz Walz GmbH alle Geräte in Effeltrich fertigt. Ihre Zulieferfirmen versuchen sie regional zu halten, ansonsten setzen sie auf weitgehende Autarkie. In dem unscheinbaren Firmengebäude am Eichenring, in einem schicken Einfamilienhausviertel im Südosten Effeltrichs, schrauben die Leute nicht nur angelieferte Bauteile zu einem Hightech-Apparat zusammen. In der hauseigenen Werkstatt werden viele Bauteile selbst hergestellt und Prototypen mittels 3D-Drucker erzeugt.

Wie Effeltricher Hightech-Produkte weltweit Anwendung finden

War es zu Beginn der Firmengeschichte noch schrankgroße Labortechnik, die den Stempel „Walz“ trug, haben sich die Geräte mit der Zeit technisch weiterentwickelt, sind kleiner, mobiler und genauer geworden. „Unsere Messtechnik wird in gigantischen Gewächshäusern eingesetzt, um den Ertrag der Pflanzen zu maximieren und gleichzeitig Kosten und Aufwand zu reduzieren“, erzählt Andre Walz.

Gleichzeitig nutzen Forschende die Technik, um die Ursachen der Korallenbleiche zu erforschen, Wasserqualität zum Beispiel an Badegewässern zu ermitteln, Fassadenfarben zu evaluieren oder Lagerbedingungen von Äpfeln zu optimieren. Die Analyse der Fotosynthese-Aktivität von Algen und Pflanzen könne in den verschiedensten Bereichen wichtige Information liefern. „Sogar auf der Internationalen Raumstation ISS wurde schon mit unserer Technik geforscht“, sagt das Walz-Trio stolz.

Ob unter Wasser oder weit oben im All: Die Walz'schen Messgeräte sind überall einsetzbar.
Ob unter Wasser oder weit oben im All: Die Walz'schen Messgeräte sind überall einsetzbar. // Foto: Walz/privat

Fachkräftemangel auch bei Hidden Champion spürbar

Laut eigenen Angaben hat die unscheinbare Effeltricher Firma im Jahr 2023 etwa 7,3 Millionen Euro Umsatz generiert. Und das ohne Massenproduktion. „Pro Tag verlässt ungefähr ein Gerät unsere Fertigung“, verrät Julia Walz. Wobei die Kostenspanne der hochsensiblen Produkte zwischen 3000 und 80.000 Euro liegt. Und sie fühlen sich noch nicht am Ende; was neue Märkte und neue Innovationen betrifft.

Um das bewerkstelligen zu können, brauche sie aber „trotz der niedrigen Fluktuation weiterhin gut qualifizierte Fachkräfte“, sagt Julia Walz. Das jedoch gestalte sich immer schwieriger. Beispiel Ausbildung: Schon immer gibt es Elektroniker-Azubis in Effeltrich, aktuell sei die Azubi-Stelle aber noch unbesetzt. „Wir hoffen natürlich, dass wir die schnell besetzen können“, sagt sie.

Bei Walz in Effeltrich wird noch viel per Hand gearbeitet. „Gut so", sagt das Geschäftsführungs-Team.
Bei Walz in Effeltrich wird noch viel per Hand gearbeitet. „Gut so", sagt das Geschäftsführungs-Team. // Foto: Stephan Großmann

Denn ohne Fachkräfte geht es nicht in Effeltrich. Genauso wenig wie Jutta Zimmermann an ihrem Arbeitsplatz auf ihre Topfpflanze verzichten kann und genauso wenig wie die Menschheit aufhören darf, Zusammenhänge der Grundlage unseres Planeten verstehen zu wollen: der Fotosynthese. Familie Walz jedenfalls sieht sich gut gerüstet; ob unter Wasser an den Korallenriffen, in gigantischen asiatischen Gewächshäusern, im Weltall oder bei der Apfelernte nebenan. 

 

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