Die Pracht ist kaum zu übersehen. Vor allem in den tieferen Lagen der Fränkischen Schweiz tauchen die blühenden Kirschbäume die Landschaft schon in ein weiß-rosa farbenes Blütenmeer. Aber die süße Steinfrucht bedeutet für die Region mehr als nur einen Hingucker für Bustouristen; Jahr für Jahr landen Tausende Tonnen Süßkirschen in den Mägen der Verbraucher. Nur: Was haben wir in diesem Jahr zu erwarten?
Kirschblüten der Fränkischen Schweiz: „2022 stabil“
„Die Blüte kommt heuer etwas früher, das Wetter ist gut“, sagt Elias Schmitt. Der Gartenbautechniker ist Betriebsleiter des Obstinformationszentrums Fränkische Schweiz und blickt beim Gang durch die unzähligen Reihen verschiedener Kirschbäume in der Hiltpoltsteiner Versuchsanlage optimistisch drein. „Die Blüten sind stabil, die Insekten aktiv und es gab bisher wenig Niederschläge“, sagt er. Das alles seien gute Vorboten.
Eine Prognose, wie die Kirschenernte in diesem Jahr aussehen wird, kann und will er hingegen nicht geben. „Wenn es in den Nächten noch einmal ganz viel Frost geben wird, könnte das den Kirschen schon noch schaden.“
Aber von Panik keine Spur, die Struktur des größten geschlossenen Süßkirschenanbaugebietes Deutschlands gewährleiste, dass es auf jeden Fall Kirschen geben werde. „Es gibt unterschiedliche Höhenlagen und verschiedene Sorten. Das heißt, es blühen nicht alle gleichzeitig.“ Demnach könnten im Fall der Fälle auch nicht alle gleichzeitig kaputt gehen.
Nicht mit Frost zu rechnen
Meteorologen wie der Herzogenauracher Wetterexperte Wetterochs rechnen bis Ende April zumindest nicht mehr mit Frost, für den Mai gebe es noch keine genauen Auskünfte. Aber wenn das Wetter weiterhin gut mitspielt, könnten Kirschliebhaber ab Juni mit dem Naschen beginnen.
Nach zwei durchwachsenen Jahren hoffen auch die Erzeuger aus der Fränkischen Schweiz wieder einmal auf ein gutes Jahr. „Bisher haben wir noch keine Schäden an den Bäumen festgestellt“, sagt Manuel Rauch, Geschäftsführer des Obstgroßmarktes Fränkische Schweiz in Pretzfeld. Zwar sei die Kirsche für den größten Teil der lokalen Bauern nur ein Nebenerwerb, aber oft ein mit Leidenschaft betriebener.
„Wie gut oder schlecht die Ernte ausfallen wird, können wir jetzt noch nicht sagen, für erste Prognosen müssen wir die Blütezeit abwarten“, sagt Rauch. Er hoffe, dass späte Fröste heuer ausblieben und die Temperaturen noch etwas steigen. Aber auch er zeigt sich optimistisch.
Kirschernte in Bayern
In ganz Bayern sind laut Statistischem Landesamt im vorigen Jahr nur etwa 3300 Tonnen Kirschen geerntet worden. Traditionell stammt ein großer Teil davon aus der Fränkischen Schweiz. Laut Tobias Vogel, Kreisfachberater für Obstbau, würden gar 20 bis 25 Prozent aller deutschen Süßkirschen im hiesigen Anbaugebiet erzeugt.
Die meisten Früchte landen frisch in den Auslagen der Einzelhändler und Hofläden vor Ort. „Vor allem große Kirschen“, erklärt Rauch. Kleinere Früchte fänden als sogenannte Industrieware zum Beispiel den Weg in bekannte Marmeladenmarken oder in Glaskonserven im Supermarkt.
Problem: billige Kirschen aus dem Ausland
Zum Problem der hiesigen Erzeuger werden immer mehr die Kirschen-Großproduzenten aus dem Ausland. Beim Handel sind deren Produkte gerne gesehen; sind sie doch über einen längeren Zeitraum verfügbar und in der Regel erheblich billiger als einheimische Früchte. Zwar schätzten Verbraucher einer aktuellen Statista-Erhebung gemäß Regionalität etwas wichtiger ein als niedrige Preise. In der Realität aber nehmen lokale Kirschbauern das nicht immer so wahr.
Ware aus Franken für regionale Wertschöpfung
„Dabei ist es wichtig, hiesige Ware zu kaufen, um die Versorgung langfristig sicherzustellen“, sagt Tina Weishaupt. Sie führt die Geschäfte der Franken Obst GmbH, zu der sich 2007 die Obstbauvereinigungen aus Pretzfeld, Igensdorf und Mittelehrenbach zusammengeschlossen hatten. Alleine dort seien aktuell etwa 800 Obstbauern aktiv und bewirtschaften eine Fläche von circa 650 Hektar (einschließlich Streuobstbestände sogar rund 1250 Hektar).
Lässt sich der Kirschpreis schon abschätzen?
Wie viel ein Kilo fränkische Kirschen kosten wird, können sowohl Tina Weishaupt als auch Manuel Rauch noch nicht abschätzen. Zu viel hänge von der Ernte ab und von den Vorstellungen der Wettbewerber. Nur so viel: „Die Preise gibt der Einzelhandel vor“, sagt Rauch. Auch gilt: Je größer die Kirsche, desto höhere Preise könnten verlangt werden.
Die Erzeuger stünden wegen des Preiskampfes zunehmend unter Druck; zu stark gestiegen seien Betriebsausgaben und Lohnkosten. Manuel Rauch: „Höhere Preise wären auf jeden Fall wünschenswert. Einheimische Ware sollte konkurrenzfähig sein. Aber das entscheiden der Handel – und die Käufer.“
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