Das Potenzial ist da. Forchheims Innenstadt kann ein Magnet sein für Touristen, Anwohner, Hungrige und Geschäftsleute. Diesen Befund teilen viele. Aber kann Forchheim auch Einkaufsstadt? Wer sich bei den Menschen umhört, erntet weniger Zuspruch für diese These. Erlangen, Nürnberg, Bamberg – zu groß ist die Handels-Konkurrenz in der Region für die einen, zu mager die Vielfalt des hiesigen Angebots für die anderen. Was also tun?
Diesen Befund wollen die Entscheidungsträger der Königsstadt nicht auf sich sitzen lassen, seit Jahren suchen und ringen sie nach einvernehmlichen Lösungen. Ein Beispiel: das Einführen eines Citymanagements im April 2018. Die Ausgestaltung der Stelle blieb Gegenstand langer Diskussionen und öffentlicher Kritik vor allem von Seiten der politischen Opposition im Stadtrat. Im vorigen Herbst kündigte Elena Büttner (nicht auf Grund der Kritik, wie alle Seiten beteuern). Seither ist die Stelle unbesetzt.
Die sechs wichtigsten Aufgabenfelder
Wann mit einer Neubesetzung des Citymanagements zu rechnen ist, bleibt im Moment noch offen. Dabei wäre der Aufgabenblock der oder des Büttner-Nachfolgers seit geraumer Zeit prall gefüllt.
Der FT hat die drängendesten Problemstellungen in Forchheims Innenstadt zusammengestellt, mit denen sich das Citymanagement künftig befassen wird.
1. Leerstandsmanagement
Alleine in der direkten Innenstadt stehen 20 Objekte derzeit leer. Die Gründe sind unterschiedlich, das Ergebnis ähnlich: Das Image leidet, eine Kettenreaktion könnte in Gang kommen, weitere Geschäfte gehen. Vorhandene Lücken zu schließen und kommende zu verhindern, wird eine der zentralen Aufgaben des künftigen Citymanagements sein.
2. Einheitliche Öffnungszeiten
Verbraucher würden sie begrüßen, in einer Stadt wie Forchheim mit seinen kleinen, inhabergeführten Geschäften sind sie für die Händler kaum umsetzbar: einheitliche Öffnungszeiten. Es bestünden unterschiedliche Kundenkreise mit eigenen Bedürfnissen, sagt Petra Dietzel, Sprecherin der Forchheimer Händlervereinigung Heimforteil. „Jeder Laden ist anders.“
Und doch bräuchte es ein gemeinsames Konzept, etwa eine Kernöffnungszeit. Bernd Ohlmann vom Bayerischen Handelsverband drückt es so aus: „Die Menschen brauchen eine Art Stundenplan und die Gewissheit, dass zu einer gewissen Uhrzeit alle Geschäfte offen haben. Ein bisschen wie bei einem Einkaufszentrum.“ Forchheims künftiger Citymanager wird dieses Problem wohl nicht (alleine) lösen können. Aber es wird auf seinem Schreibtisch landen.
3. Branchenmix
In Forchheim dominieren wie in vergleichbaren Städten kleinere Fachgeschäfte und inhabergeführte Unternehmen. Was fehlt, sind sogenannte Leitbetriebe, wie große Modeketten oder Kaufhäuser. „Filialisten erhöhen die Attraktivität einer Innenstadt“, sagt Ohlmann. Sie strahlten auf andere Geschäfte aus und erhöhen im Mix mit Läden unterschiedlicher Branchen, Cafés und Institutionen die Verweildauer in der Stadt.
4. Vernetzung aller Akteure
Die Experten sind sich einig: Alle Akteure der Forchheimer Innenstadt müssen an einem Strang ziehen. Hierin sehen viele eine der Hauptaufgaben des Citymanagements: als Kommunikator und Koordinator die verschiedenen Positionen vereinen und die Händler, Gastronomen, Vermieter, Touristiker und Dienstleister zu vernetzen.
Die Innenstadt solle eine Art „Marktplatz der Region“ werden, sagt Roland Wölfel von der Beratungsgesellschaft CIMA. Dazu gehört es, die von Elena Büttner fokussierte digitale Sichtbarkeit der Angebote zu erweitern und zu verbessern. Und dazu gehört es, wie es die Kritiker in der Vergangenheit oft bemängelten, die Gewerbetreibenden an einen Tisch zu holen. Dies wird nicht nur zeitlich eine echte Mammutaufgabe werden.
5. Erreichbarkeit der Innenstadt
Die Krux: Während Geschäfte laut Ohlmann vom Handelsverband grundsätzlich eher von „fahrenden Kunden“ profitieren, sollen moderne Innenstädte bestenfalls so verkehrsberuhigt wie möglich gestaltet sein. Mögliche Lösungen klingen nicht sonderlich neu: mehr und kürzer getaktete Angebote des Öffentlichen Personennahverkehrs, bessere Radwege.
Dennoch scheint sich das noch immer nicht aus dem alten Hut zaubern zu lassen. Ein Teilerfolg könnte sein, immerhin die Forchheimer selbst (Experte Wölfel spricht von der Nahmobilität) auf ihr Auto verzichten zu lassen. Dies würde die Situationen in der Innenstadt schon ein gutes Stück entspannen.
Auch hier gilt: Dies mag nicht die originäre Aufgabenbeschreibung eines Citymanagers sein. Aber als Hüter des großen Ganzen gehöre dieser Punkt auf die Agenda. Als Schnittstelle zwischen Verwaltung und Innenstadtakteuren wird er zwangsläufig auch Ansprechpartner für Fragen rund um den Verkehr sein.
6. Attraktivität der Innenstadt
Wie der aktuelle CIMA-Monitor 2021 zeigt, gehörten Einkaufsmöglichkeiten nur noch für 56 Prozent der Menschen zu einer attraktiven Innenstadt (2015 waren es noch 76 Prozent).
Eine moderne Innenstadt muss also mehr bieten, um zu einem belebten und beliebten Aufenthaltsort zu werden. Grünflächen, Sitzmöglichkeiten, konsumfreie Räume, Gastronomie, die (Wieder)belebung von Wochen- und Themenmärkten; alle Einzelpunkte müssen zu einem übergreifenden Konzept verwoben werden.
Ob dieses am Ende die Verwaltungsbeamten oder der Citymanager schreiben, bleibt gleich. Wichtigen Input dafür sollte Letzterer mindestens liefern.
„Städte müssen mutig sein“, erklärt Roland Wölfel.„Es geht um die Inszenierung des öffentlichen Raums. Forchheim könnte mehr machen. Potenzial ist da.“
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