Wer sich dieser Tage trotz des Schmuddelwetters zum Einkaufen in die Forchheimer Innenstadt traut, findet jede Menge Geschäfte vor. Zwischen den bunten Auslagen lugen aber immer wieder leere Schaufenster empor. Mahnenden Zeigefingern gleich, welche auf den schweren Stand des stationären Einzelhandels im Zentrum einer Kreisstadt wie Forchheim hinzudeuten versuchen. Wer kommt, was bleibt leer, wer kommt: Ein Rundgang über die Einkaufsmeile.
Moon Repair zieht wieder in Hauptstraße
Aber zuerst gibt es gute Nachrichten. In einigen der aktuell leerstehenden Ladenflächen wird schon bald wieder Leben einziehen. Voran geht es etwa in der Hauptstraße 12, wo das Geschäft für Smartphone-Reparaturen Moon Repair nach Sanierung des Hauses wieder einziehen wird. Voraussichtlich schon im Sommer. Derzeit sind sie in der Hornschuchallee 31 zu finden. Ob sie dort ebenfalls bleiben oder wie es danach mit dieser Fläche weitergeht, ist derzeit noch nicht spruchreif.
Belzer-Areal auf Zielgeraden
Auch befinden sich die seit Jahren andauernden Bauarbeiten in der ehemaligen Metzgerei Belzer in der Hauptstraße 61 und 63 auf der Zielgeraden. Der Extra Fashion von Susanne Jerundow wird dort ebenso einziehen wie eine Art Nachfolger des Schuhbidoo (beide waren in der Nürnberger Straße zu finden).
Letzteres wird jedoch einen neuen Namen erhalten: Andows. Wann es genau losgeht, ist noch nicht ganz sicher. „Aber wir hoffen auf den 1. Juni“, sagt Neu-Ladenbesitzer André Jerundow, der bis dahin seinen Pop Up-Store in der Fußgängerzone weiter betreibt.
Belzer-Areal: Auf der Zielgeraden
Archäologische Grabungen, statische Ertüchtigungen, Corona: Das Belzer-Areal, in dem neben den Ladenflächen auch Wohnungen entstehen, hatte sich zeitlich ziemlich verzögert, erklärt Alexander Maier, Geschäftsführer der Raum und Werte Verwaltungs GmbH.
„Früher gab es oft inhabergeführte Geschäfte, mit der Wohnung im ersten Stock. Diese ist aber nicht immer separat erreichbar.“ Das sei oft der Grund, so Maier, dass Gewerbeflächen in der Innenstadt länger leer stünden. Wolle man diese heute getrennt vermieten, seien in der Regel bauliche Änderungen nötig. Oft sei auch die Substanz sanierungsbedürftig.
Lederwaren Dorsch: Umzug steht wohl heuer an
„Innenstädte ändern sich, auch Forchheim ändert sich“, sagt Axel Dorsch, Inhaber von Dorsch Lederwaren am Paradeplatz. Er sei vollblütiger Stationärhändler, mit der Innenstadt aber habe er abgeschlossen. Schon länger habe er vor, in den Forchheimer Süden zu ziehen. „Corona hat die Pläne bisher torpediert. Aber dieses Jahr soll es so weit sein“, sagt er. Außerdem sei es nicht leicht, aktuell einen Nachmieter für sein Objekt direkt neben der Großbaustelle zu finden.
FT-Recherchen haben alleine im engsten Innenstadt-Gürtel mindestens 14 Leerstände offenbart.
Etwa das ehemalige Café GuDiess, das ehemalige Modegeschäft Outless (beide Hauptstraße) oder der frühere O2-Shop in der Hornschuchallee. Ebenfalls leer stehen im Moment das ehemalige Blumenatelier RosenStil am Marktplatz sowie das ehemalige Modehaus Schick, gleich nebenan. Bei den meisten davon scheint die Nachnutzung noch offen.
IHK: Innenstädte in Oberfranken unter Druck
Corona sowie die Folgen aktueller Veränderungsprozesse setzten Gewerbetreibende unter Druck, erklärt Thomas Zapf von der IHK Oberfranken auf FT-Anfrage. "Auch in Oberfranken sind die spür- und sichtbaren Konsequenzen sinkende Frequenzen, steigender Leerstand und geringere Aufenthaltsqualität. Die Attraktivität leidet."
Um wieder Attraktivität zu gewinnen, müssen die Zentren laut Zapf "künftig noch stärkere, sich ergänzende Nutzungsmischungen aufweisen und für Bewohner und Besucher einen attraktiven Mix aus Einkaufen, Kultur- und Kreativwirtschaft, Freizeit, Entspannung sowie Raum für Austausch und Begegnung bieten".
Auch komme dem Citymanagement eine wachsende Bedeutung zu, sagt der IHK-Experte für Standortpolitik. "Ohne eine Zusammenarbeit aller Beteiligten und einem City Manager als Koordinator werden zukünftig Innenstädte kaum eine Chance haben, sich den schnell ändernden Bedürfnissen und Erwartungen der Menschen anzupassen."
Was macht die Stadt gegen das Problem?
Die offizielle Leerstandsliste der Stadt Forchheim führt 20 leerstehende Objekte „im Bereich der Innenstadt“. Woran liegt’s? Forchheims Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) hat sich des Themas Leerstandsmanagement seit dem Weggang von Citymanagerin Elena Büttner selbst annehmen müssen.
Das Fehlen großer Filialisten sehe er nicht als ausschlaggebenden Grund dafür, dass sich mitunter lange keine neuen Mieter finden lassen. „Selbstverständlich ist am Ende der Preis ein entscheidender Faktor“, sagt er. „Es ist leider auch jetzt immer noch so, dass gerade im Innenstadtbereich immer wieder Mieten aufgerufen werden, die problemlos mit größeren Metropolen mithalten können.“ Zudem würden bestimmte Branchen von manchen Vermietern kategorisch ausgeschlossen. Hier gebe es Potenziale, so Kirschstein.
Wie geht’s weiter im ehemaligen C&A?
Auch was städtische Immobilien betrifft, gibt es noch Fragezeichen. So ist die Nachnutzung beispielsweise des ehemaligen C&A-Gebäudes in der Wallstraße sowie des Streits- und Frechshauses am Rathausplatz noch nicht geklärt. Für diese und weitere Gebäude gebe es ein „gesamtstädtisches Nutzungskonzept“, sagt Kirschstein. Der im Januar beendete öffentliche Ideenwettbewerb sei nun ausgewertet und werd in die Planungen dieses Konzeptes integriert. Der OB rechnet mit einer Vorstellung im Fachausschuss noch vor der Sommerpause.
Und wie wolle man in Forchheim den Leerständen entgegnen? Die Stadt bleibe weiterhin Ansprechpartnerin für Interessenten, sagt Kirschstein. Künftig solle es eine digitale Plattform geben, die das Leerstandsmanagement unterstützt und sichtbar macht. Eine Art Online-Börse. Darüber hinaus werde angestrebt, länger leerstehende Objekte durch Pop Up-Stores zumindest kurzzeitig zu beleben. Auch an einer Nachbesetzung des Citymanagements sei man dran.
Eine positive Nachricht vermeldet Kirschstein für den ehemaligen Rewe: „Die Stadt Forchheim steht konkret mit drei Unternehmen in Verhandlung, die alle einen Nahversorger realisieren möchten.“
Lesen Sie auch:


































