Glücklich schätzen können sich Betriebe, die auch beruflich auf die Familien zurückgreifen können. Einer davon ist Marco Pawlik aus Dormitz. Seit über 20 Jahren hat er einen eigenen Partyservice, seit zehn Jahren den Schlachthof im Industriegebiet in Neunkirchen am Brand. Wobei sich dahinter keiner der Großschlachthöfe verbirgt.
Marco Pawliks Söhne kennen den Beruf in seiner Vielfalt durch ihren Vater. Dieser entschloss sich ohnehin, den Betrieb zu erweitern.
Warum nicht alles an einem Standort – Schlachthaus, Produktion und Metzgerei – überlegte Pawlik, baute im August vergangenen Jahres das Produktionshaus und im April den Verkaufsladen. Das war noch vor der Energiekrise. Supermarktpreise wird er nicht bieten können.
Familie auch beim Verkauf
Denn regional, Tierschutz und schonende Behandlung, all dies hat seinen Preis. Auch im Ladenverkauf geht es familiär weiter, zumindest mit der Freundin seines Sohnes, die bedient.
Auch ein Verkäufer unterstützt im Geschäft. Dort werden die Theke aus Edelstahl und die „Warme Theke“ gerade eingebaut. Die Handwerker sind eifrig am Bohren und Schrauben.
Eröffnung am 16. September
Eröffnet wird der Familienbetrieb am Freitag, 16. September, und am Samstag, 17. September, jeweils ab zehn Uhr.
Bei der Metzgerei Pawlik befindet sich nicht nur das Geschäft im Eigentum. Auch der Betrieb der Metzgerei Pawlik ist fest in Familienhand. Denn Pawliks beide Söhne entschieden sich, bei ihrem Vater einzusteigen.
„Alle Metzgereien rufen, weil sie keine Metzger bekommen“
Der ältere Sohn Tobias als Geselle, der jüngere Sohn Leon fängt nun mit seiner Ausbildung im väterlichen Betrieb in der Weyhausenstraße gegenüber der NAF an. „Warum soll er woanders anfangen, wenn er zu Hause gebraucht wird“, begründet Pawlik die Entscheidung.
Ein Gewinn für sich selbst, denn „alle Metzgereien rufen, weil sie keine Metzger bekommen“, fügt Pawlik an.
Ein Gewinn für die Gemeinde
Ein Gewinn für die Gemeinde. „Es gehört Mut dazu, auszubauen“, sagt Bürgermeister Martin Walz (CSU). Metzgereien sind etwas Besonderes im Markt und für den Bürger gibt es mehr Auswahl.
Bekannt sind Pawliks Wurst- und Fleischspezialitäten seit langem, durch seinen Partyservice mit kalten und warmen Platten und durch die Essenslieferungen für Vereinsfeste und Kirchweihen.
Obermeister der Fleischerinnung spricht Klartext
Während es bei der Metzgerei Pawlik also kein Problem mit dem Nachwuchs gibt, haben andere Probleme: „Das will niemand machen. Dabei ist der Beruf so vielseitig und anspruchsvoll und bei der Bezahlung kein großer Unterschied mehr zur Industrie“, betont Hans Derbfuß, Obermeister der Fleischerinnung Forchheim.
Nicht selten locken die Betriebe mit Zuschuss zum Führerschein oder einem nagelneuen Smartphone, wenn sich ein Jugendlicher entschließt, den Beruf zu erlernen.
Der Beruf ist vielschichtig
Der Beruf hat ein negatives Bild, weiß Derbfuß. Aber er weiß auch aus Erfahrung, dass sich das ändert, wenn sich jemand für ein Schnupperpraktikum entscheidet.
Der Beruf ist vielschichtig und der Ernährungsberater fast schon inbegriffen, denn es gebe heute schon allein bis zu 70 Wurstsorten.
Verärgert über die Politik
„Wir müssen auf den Kunden eingehen“, sagt Derbfuß. Verärgert ist er über die Politik, die zwar immer rufe, das Handwerk müsse unterstützt werden und mehr Wertschätzung erhalten, dann aber Beschlüsse getroffen werden, dass das Bafög erhöht werde.
Es helfe den Studenten, nicht den Metzgern, den Heizungsbauern und anderen Handwerkern.
Der Stellenwert des Fleischerhandwerks lässt sich in Zahlen ausdrücken. „Vor 20 Jahren wurden 160 Auszubildende freigesprochen, heute sind es noch 35 bis 40 Auszubildende“, sagt Derbfuß. Er ist seit 20 Jahren Obermeister und hält diese „Freisprechungen“.
Lesen Sie dazu auch:













