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Militärgerät, OP-Roboter & Co
Forchheimer Firma stellt Kampfdrohnen auf den Prüfstand
Die Antenne ist ausgerichtet, der Prüfling könnte kommen: Mit-Geschäftsführer Andreas Abach erklärt bei einem Besuch in den heiligen Hallen der Firma EMCC Dr. Rašek, warum sie für die internationale Sicherheit unverzichtbar ist.
Die Antenne ist ausgerichtet, der Prüfling könnte kommen: Mit-Geschäftsführer Andreas Abach erklärt bei einem Besuch in den heiligen Hallen der Firma EMCC Dr. Rašek, warum sie für die internationale Sicherheit unverzichtbar ist. // Foto: Stephan Großmann
Unterleinleiter – In der Fränkischen Schweiz prüft EMCC Dr. Rašek Militärdrohnen, Balkonkraftwerke und OP-Roboter auf Herz und Nieren. Wie das funktioniert und was die Weltfirma trotz einiger Hürden in der Region hält.

Elektromagnetische Störungen.

Blitzeinschläge.

Wetterumschwünge.

Kurzschlüsse.

All dies darf einer Drohne nichts anhaben beziehungsweise davor muss sie geschützt sein. Das gilt gleichermaßen, wenn das unbemannte Fluggerät von Bundeswehrsoldaten mit Waffen ausgestattet über Kampfgebiete gelenkt wird und wenn Hobbyfotografen mit Miniaturausgaben davon Landschaftsaufnahmen während ihres Sommerurlaubs anfertigen. Die Hersteller stecken daher viel Geld und Know-how in die Entwicklung und Herstellung dieser Geräte. Und, weit bevor die Drohnen das erste Mal abheben, müssen sie ausgiebig auf Funktionalität und Sicherheit geprüft werden.

EMCC Dr. Rašek: Internationaler Hidden Champion in der Fränkischen Schweiz

Militärdrohnen in Israel, Smartphones, Airbus-Flugzeuge, Automobilelektronik, Medizintechnik – kaum eine dieser und vieler weiterer Produktgruppen ist im Umlauf, ohne vorher durch die heiligen Hallen des unabhängigen Prüf- und Kalibrierungslabors EMCC Dr. Rašek gelaufen zu sein. Das Besondere: Diese Firma ist nicht etwa in den großen Ballungszentren der Republik angesiedelt, sondern in der beschaulichen Fränkischen Schweiz.

Unterleinleiter, am Störnhofer Berg, ein wechselhafter Septembertag. Nathalia Rašek-Abach steigt die Stufen der ehemaligen Kinderklinik hinab. Dort, wo vor dem Umbau Mitte der 2000er-Jahre ein Schwimmbecken war, will die Geschäftsführerin des mittelständischen Unternehmens mit Hauptsitz in Moggast heute eines der Herzstücke ihrer Firma zeigen. Sie betritt einen hallengroßen Raum, der sich absolut dicht abschließen lässt und an dessen Wänden spitz zulaufende, pyramidenförmige Absorber angebracht sind (die sollen elektromagnetische Wellen absorbieren). Im Raum verteilt stehen verschiedene auf Rollen angebrachte Antennen sowie weitere Messgeräte.

Fahrzeuge, Balkonkraftwerke, Smartphones - und Kampfdrohnen: Im Prüflabor können die Experten von EMCC Dr. Rašek jegliche Geräte testen.
Fahrzeuge, Balkonkraftwerke, Smartphones - und Kampfdrohnen: Im Prüflabor können die Experten von EMCC Dr. Rašek jegliche Geräte testen. // Foto: EMCC Dr. Rašek

Prüflabor für elektrische Geräte – zivil und militärisch

Andreas Abach betritt die Halle schnellen Schrittes. Der promovierte Maschinenbauingenieur teilt sich die Geschäftsführung des Unternehmens mit seiner Frau Nathalia Rašek-Abach. „In unseren Absorberhallen prüfen wir die elektromagnetische Verträglichkeit von elektrischen Geräten, kurz EMV“, sagt Andreas Abach. Denn elektrische Geräte könnten sich gegenseitig beeinflussen, was diese beeinträchtigen oder gar schädigen kann beziehungsweise für Menschen und Umwelt gefährlich werden kann, erklärt er.

In dieser unterirdischen Halle sowie in vielen weiteren Abschirmräumen prüft EMCC Dr. Rašek die Produkte ihrer Kunden auf Konformität mit entsprechenden Normen zur EMV. Die regeln einerseits den zulässigen Einfluss eines Gerätes auf seine Umgebung (Störaussendung) und zum anderen den Einfluss der Umgebung auf ihr Gerät (Störfestigkeit). Beispielsweise, ab wann der Betrieb des Balkonkraftwerks die Funktion des Smartphones beeinträchtigt, oder ob die Bordelektronik eines Flugzeugs beziehungsweise einer Kampfdrohne sicher genug vor äußeren Störeinflüssen ist.

Doch ist dies nur ein Beispiel, was hinter den Kulissen der beiden Standorte Moggast und Unterleinleiter sowie während der zahlreichen Prüfeinsätze vor Ort geschieht. Für alle Eventualitäten haben Nathalia Rašek-Abach und ihr Mann Andreas Abach die passenden Messgeräte und die entsprechende Laborausrüstung; sowohl vor Ort in der Fränkischen Schweiz als auch in mobilen Laboren für den Einsatz weltweit.

Es kommen nicht nur Großgeräte auf den elektromagnetischen Prüfstand: Hier bereitet ein Mitarbeiter einen Prüfling gerade für eine Vibrationsprüfung vor.
Es kommen nicht nur Großgeräte auf den elektromagnetischen Prüfstand: Hier bereitet ein Mitarbeiter einen Prüfling gerade für eine Vibrationsprüfung vor. // Foto: Stephan Großmann

Prüfen auf Blitzschlagsicherheit und Kalibrierung von Geräten

EMCC Dr. Rašek hat sich in den vergangenen Jahrzehnten beispielsweise einen Namen bei der Kalibrierung elektrischer, thermodynamischer, hochfrequenter und mechanischer Messgrößen gemacht. Des Weiteren lassen namhafte Kunden aus aller Welt ihre Produkte auf die Verträglichkeit von Umwelteinflüssen prüfen: extreme Temperaturen, Feuchtigkeit, Sonnenlicht und Stöße zum Beispiel. Ebenfalls können sie etwa im Auftrag von Flugzeugbauern Flugzeugreifen einer Blitzschlagprüfung unterziehen. Darüber hinaus gibt es in Unterleinleiter Freifeldmessplätze mit einer Messdistanz bis zu 300 Meter.

Eine wichtige, und seit Monaten weiter wachsende, Rolle spielt die Arbeit der Firma EMCC Dr. Rašek für die Rüstungsindustrie. „Leider genossen Produkte aus diesem Sektor lange Zeit kein gutes Image“, sagt Nathalia Rašek-Abach. Das ändere sich zwar im Moment etwas, auch weil viele bislang rein zivil produzierende Industrieunternehmen allmählich umschwenken müssten, wie sie sagt. Doch ganz abschütteln lässt es sich nicht.

Kommt die Rüstungsindustrie aus der „Schmuddelecke“?

„Ich sehe das anders. Wenn wir aktuell in die Welt blicken, sehen wir, wie wichtig Verteidigungsindustrien sind“, sagt die quirlige Geschäftsführerin. Und tritt damit in die Fußstapfen ihres Vaters Werner Rašek. Der ebenfalls promovierte Ingenieur gründete die Firma im Jahr 1977.

Zunächst war Rašek als selbstständiger, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger im Bereich der elektromagnetischen Verträglichkeit (EMV) aktiv. Ebenfalls bereits mit Kunden aus dem Militärumfeld. Über die Jahre formte sich so das heute bekannte Prüf- und Kalibrierlabor, das in den beiden, leicht versteckten Standorten Moggast und Unterleinleiter insgesamt immerhin 61 Mitarbeitende zählt.

Die beiden Geschäftsführer von EMCC Dr. Rasek: Andreas Abach und Nathalia Rašek-Abach
Die beiden Geschäftsführer von EMCC Dr. Rasek: Andreas Abach und Nathalia Rašek-Abach // Foto: Stephan Großmann

EMCC Dr. Rašek: Blick in Geschichte seit 1977

Von Kindesbeinen an dabei ist Nathalia Rašek-Abach. Bereits als Sechsjährige habe sie während ihrer Ferien Marken auf Briefe geklebt, sagt sie. Nach ihrem BWL-Studium und ersten Erfahrungen in der Pharmaindustrie steigt sie dann vor 25 Jahren wieder im Unternehmen ein. Nach einigen Jahren als Assistentin übergibt ihr der Vater 2008 schließlich die Geschäftsführung des Familienunternehmens und zieht sich zurück. Drei Jahre danach tritt Rašeks Ehemann Andreas Abach an ihre berufliche Seite.

„Wir fühlen uns wohl hier“, sagt die Geschäftsführerin. Wegen der Schönheit der Fränkischen Schweiz und der treuen Mitarbeitenden. Allerdings trotz der infrastrukturellen Baustellen, wie sie sagt. Internetausfälle beispielsweise seien seit Jahren immer wieder ein großes Ärgernis. Wegziehen wolle sie mit ihrer Firma aber nicht, sagt sie. Auch wenn es ständig Angebote aus aller Welt gebe, das Prüflabor doch ins Ausland verlegen zu wollen.

Neue Investitionen in Luftfahrt und Verteidigung geplant

Vor Kurzem gab Rašek-Abach bekannt, dass sie weiter vor allem in den Bereichen Luftfahrt und Verteidigung investieren wollten. „Wir sehen enormes Potenzial, gerade in Ländern mit sehr guter digitaler Infrastruktur, wettbewerbsfähigen Energiekosten, geringer Bürokratie und effizientem Akkreditierungswesen“, wie sie im Magazin der IHK für Oberfranken Bayreuth zitiert wird. „Wir wollen international wachsen, werden aber gleichzeitig unsere Wurzeln in der Fränkischen Schweiz pflegen“, heißt es dort von ihr weiter.

Vorerst werden sie und ihr Team also weiterhin von Moggast und Unterleinleiter aus dafür sorgen, dass Flugzeuge, Militärdrohnen und Balkonkraftwerke sicher sind. Vor elektromagnetischen Störungen, Blitzeinschlägen, Wetterumschwüngen und Kurzschlüssen.

 

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