Zum 15. März schließt in der Kirchehrenbacher Hauptstraße 70 „Renates Lädchen“ und somit auch die Kirchehrenbacher Postfiliale. Nach dem Ende des Nahkauf-Marktes Lochner ist dies in Kircherenbach die zweite Geschäftsaufgabe innerhalb weniger Wochen. Ab Montag, 16. Januar, beginnt in „Renates Lädchen“ der Totalräumungsverkauf wegen der Geschäftsaufgabe.
Auf alle Artikel gibt es dann einen Preisnachlass zwischen 25 bis 50 Prozent. Bürgermeisterin Anja Gebhardt (SPD), die die Neuigkeit zur Geschäftsaufgabe erst vor kurzem erfahren hatte, sagt, dass es sehr schade sei, das Renate Och ihr Geschäft für Büro-, Schul- und Bastelbedarf sowie für Geschenkartikel aufgibt. „So stirbt ein Laden nach dem anderen weg“, bedauert Gebhardt, die aber Verständnis für die Geschäftsaufgabe hat. „Es findet sich eben oft keine Nachfolgerin oder Nachfolger“, sagt die Bürgermeisterin, die im Gespräch mit dem FT nachschiebt, dass man im Rathaus die damit verbundene Schließung der Poststelle noch gar nicht auf dem Schirm hatte.
Wo ist Platz für eine Postfiliale?
Gebhardt wüsste aus dem Stegreif auch nicht, in welchem anderen noch bestehenden Laden in Kirchehrenbach man die Postfiliale unterbringen könnte. „Dafür reicht meist der Platz nicht aus.“ Mit der Schließung des Nahkauf-Marktes ist auch die Lottoannahmestelle in Kirchehrenbach verschwunden. Für einen Tourismusort ist das nicht schön, und für ältere Bürger auch nicht.
Renate Och sagt, dass sie sich „bei meinen Stammkunden, die uns 26 Jahre lang die Treue gehalten haben, ganz herzlich bedanke. Und ein ganz großer Dank gilt meiner Kollegin Gudrun Gebhard, die mir seit 25 Jahren treu zur Seite steht.“
Keine privaten Feiern mehr
Dass sie ihr Geschäft aufgeben muss, das für viele in Kirchehrenbach Anlaufstelle war, bedauere sie sehr. Dafür gebe es mehrere Gründe. „Corona hat mich sehr schwer getroffen, da ich vom Schulgeschäft lebe“, erklärt Renate Och. Als die Schulen wegen den Corona-Maßnahmen geschlossen wurden und auch keine privaten Feiern mehr stattfinden durften, sei ihr Geschäft massiv eingebrochen, da sie nicht nur Schulsachen verkauft, sondern auch Gruß- und Glückwunschkarten und Geschenkartikel.
Bis vor drei Jahren hatte sie ihr Geschäft noch ganztags geöffnet. „Als das mit Corona losging, war ich gezwungen, vormittags zuzumachen und mir eine Teilzeitstelle zu suchen“, berichtet die Ladeninhaberin. Renate Och ist eigentlich eine fröhliche Frau, strahlt Freude und Optimismus aus. Ihre Teilzeitstelle will sie nun etwas „aufstocken“, allerdings auch nicht mehr allzu lange. Denn sie sei ja nun schon in einem Alter, in dem man an den Ruhestand denke.
„Ich denke, ich bin auch nicht die Einzige, die bald ihr Geschäft zumachen wird“, meint Och. Es sei aber nicht nur Corona, was sie bewegt habe, ihren Laden endgültig zu schließen: „Die Großen werden immer größer und die Kleinen müssen deshalb schließen.“ Damit meint Renate Och, dass es heute in jedem Supermarkt fast ihr ganzes Sortiment gebe, und auch in den Billigmärkten, die aus dem Boden geschossen sind.
Konkurrenz im Internet
Ein weiteres Problem für so kleine Läden ist das Internet. Von zu Hause kann man heute alles bestellen, und schon am nächsten Tag wird es geliefert. „Das Internet ist ein ganz großes Thema“, erläutert die spezialisierte Einzelhändlerin.
Und dann sind auch noch die Papierpreise in jüngster Zeit fast bis ins Unermessliche gestiegen. Diese Kosten könne sie nicht an ihre Kunden weitergeben, weil dann keiner mehr was kaufe. „Ich verstehe auch die Leute, die mehrere schulpflichtige Kinder haben“, sagt Och. Jetzt, wo alles teurer geworden ist, müssten sie aufs Geld schauen. Für Renate Och waren die letzten 26 Jahre eine sehr schöne Zeit mit ihren vielen Kunden. Angefangen hatte alles vor 27 Jahren, als ihr Sohn fünf Jahre alt war.
Wegen jedem Heft nach Forchheim
„Viele Mütter haben damals gesagt, dass sie wegen jedem Schulheft nach Forchheim fahren müssen.“ Das war die Initialzündung zur Gründung eines Schreibwarenladens, zuerst noch in der Bahnhofstraße, wo Renate Och ganz klein mit Schulbedarf angefangen hat. „Im Oktober war die Idee geboren und im Februar hatte ich das Geschäft auch schon eröffnet“, blickt Och zurück.
Die Postfiliale kam dann vor 19 Jahren hinzu. Bei der Post AG hat sie auch schon gekündigt. Von dort kam bisher keine Rückmeldung, ob es woanders in Kirchehrenbach weitergeht. Die nächste Post- und Lottoannahmestelle ist dann im Edeka-Markt in Weilersbach.
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