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Weichen auf Zukunft gestellt
Krise ade? So geht es nach Stellenabbau bei Vierling weiter
Im Januar hatte der Geschäftsführer der Ebermannstadter Traditionsfirma Vierling Production GmbH Martina Vierling einen großen Stellenabbau angekündigt. Wie es dem Unternehmen und seinen Beschäftigten seither ergangen ist und wie es nun weitergeht.
Im Januar hatte der Geschäftsführer der Ebermannstadter Traditionsfirma Vierling Production GmbH Martin Vierling einen großen Stellenabbau angekündigt. Wie es dem Unternehmen und seinen Beschäftigten seither ergangen ist und wie es nun weitergeht. // Foto: Stephan Großmann
Ebermannstadt – Die Hiobsbotschaft ist vor einigen Monaten hart im Landkreis Forchheim eingeschlagen: Stellenabbau bei Vierling in Ebermannstadt. Nun meldet sich erneut der Chef zu Wort – mit guten Nachrichten.

Straffen Schrittes führt Martin Vierling durch die heiligen Hallen. Seine Mitarbeitenden grüßt der 42-Jährige kumpelhaft, während er mit strahlenden Augen erklärt, was seine Vierling Production GmbH tut und was sie von Ebermannstadt aus so interessant für die gesamte Welt macht. Und: Wie es nach dem größten Stellenabbau in der Geschichte des Traditionsunternehmens weitergehen soll.

„Fast 60 Menschen verlieren ihren Job“, titelte der Fränkische Tag im Januar. Dann nämlich wurde bekannt, dass sich Martin Vierling von beinahe der Hälfte seiner Belegschaft trennen muss. Von 125 Mitarbeitenden sollten nur noch 65 übrig bleiben. Der Grund: Kein geringerer, als den „Fortbestand der Firma“ sichern zu müssen, wie Vierling damals sagte.

Noch hängen Wolken über dem Traditionsbetrieb in Ebermannstadt. Doch es gehe wieder aufwärts, heißt es aus der Vierling Production GmbH.
Noch hängen Wolken über dem Traditionsbetrieb in Ebermannstadt. Doch es gehe wieder aufwärts, heißt es aus der Vierling Production GmbH. // Foto: Stephan Großmann

Vierling Ebermannstadt: Traditionsfirma seit mehr als 80 Jahren

1941 gründete Vierlings Großvater Professor Oskar Vierling die Firma als technisches Laboratorium auf Burg Feuerstein. Nach dem Zweiten Weltkrieg lieferte Vierling Mess- und Prüftechnik, später unter anderem für die Telekom. In den 1990er-Jahren wandelte sich Vierling zum Anbieter von Fertigungs- und Entwicklungsdienstleistungen für Elektronik (EMS-Dienstleistungen).

Martin Vierling lenkt den Familienbetrieb seit 2016 bereits in der dritten Generation. Heute entwickelt die Firma elektronische Baugruppen und Systeme für mittelständische Kunden aus Branchen wie Energie, Industrie, Luftfahrt, Medizintechnik und Umwelttechnik.

Martin Vierling, seit 2016 Inhaber in der dritten Generation: „In den vergangenen Jahren habe ich einige Krisen meistern müssen. Diese ist natürlich die schlimmste.“
Martin Vierling, seit 2016 Inhaber in der dritten Generation: „In den vergangenen Jahren habe ich einige Krisen meistern müssen. Diese ist natürlich die schlimmste.“ // Foto: Vierling/pepperarts.de

Hiobsbotschaft Anfang des Jahres: Jobabbau bei Vierling

Weniger Aufträge aufgrund globaler Multikrisen führte Vierling als Auslöser für die schwersten Jahre seiner Ära an. Nach einigen Wachstumsjahren bis 2023 machte sich die Unsicherheit der Weltwirtschaft schließlich auch in den Auftragsbüchern Vierlings bemerkbar. Entleeren von Gleitzeitkonten und Kurzarbeit halfen nichts, Vierling musste vor einigen Monaten einen drastischen Schritt gehen. Jobabbau.

„Die vergangenen Monate waren für alle Beteiligten sehr herausfordernd“, sagt der 42-jährige Geschäftsführer, der sein gesamtes Leben schon im Familienbetrieb verbracht hat. Den viele seiner Beschäftigten noch als Kind kennen. Viele traurige Gespräche musste er in den vergangenen Monaten führen, zum Teil tränenreiche Gespräche. Solche, die im Gedächtnis bleiben, wie er sagt.

Waren es im Jahr 2024 sogar noch etwas mehr als 140 Mitarbeitende, sind es Ende 2025 schon nur noch 125. Im kommenden Sommer, wenn die Maßnahmen abgeschlossen sein sollen, werden wohl nur noch 75 übrig sein. Auch ausgebildet werde heuer dann im zweiten Jahr in Folge nicht, so Vierling. Mit dem Betriebsrat habe Vierling laut eigenen Angaben aber eng zusammengearbeitet, um das Jobabbau-Programm so sozialverträglich wie möglich zu gestalten.

Das sagt der Betriebsrat zum Transformationsprozess

Betriebsratsvorsitzender Benjamin Kirsch ist erleichtert über den geringeren Stellenabbau. Und:  „Die aktive Einbindung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Umsetzungsphase hat maßgeblich dazu beigetragen, die Maßnahmen schnell und effizient umzusetzen“, schreibt er auf Anfrage.

Doch insbesondere in der Fertigung bestünden Bedenken, die Arbeit noch stemmen zu können. Aus Sicht des Betriebsrats sei es entscheidend, den Transformationsprozess weiterhin transparent und gemeinsam mit der Belegschaft zu gestalten. Man werde die Situation genau beobachten, so Kirsch.

Die gute Nachricht: Weniger Stellen als gedacht fallen weg

Immerhin: Es sollen weniger Stellen wegfallen, als anfangs gedacht. Das Gros des Abbaus fand und findet in der Verwaltung und im Kundenmanagement statt; diese Bereiche halbieren sich personell. In der Produktion müsste hingegen „nur“ ein Drittel der Stellen wegfallen, sagt Vierling.

In der Produktion fallen weniger Stellen als gedacht. Harte Einschnitte gibt es vor allem in der Verwaltung und dem Kundenmanagement.
In der Produktion fallen weniger Stellen als gedacht weg. Harte Einschnitte gibt es vor allem in der Verwaltung und dem Kundenmanagement. // Foto: Vierling Production GmbH

Trotz dieser guten, oder zumindest im Vergleich zum Januar verbesserten, Nachricht klafft die emotionale Wunde tief. In Ebermannstadt und der Region gilt Vierling seit Jahrzehnten als verlässlicher Arbeitgeber. Wenn Dutzende Menschen plötzlich gehen müssen, hinterlässt das Spuren. Bei den Gegangenen. Bei den Bleibenden. Bei Vierling selbst.

Vierling zieht positive Zwischenbilanz – und rüstet sich für die Zukunft

Umso froher ist der 42-jährige Geschäftsführer, dass sich die Strapazen langfristig wohl lohnen werden. So zumindest liest sich die erste Zwischenbilanz, die Vierling selbst zieht. Zwar bleibe die wirtschaftliche Lage herausfordernd. Das spüren Firmenchefetagen – vor allem jene von Mittelständlern – landauf, landab. „Internationale Konflikte, geopolitische Spannungen und weltwirtschaftliche Unsicherheiten beeinflussen weiterhin Investitionen und Lieferketten“, sagt Vierling.

Dennoch sieht er das Unternehmen einen guten Weg einschlagen. Denn bei aller Emotionalität rund um den Jobabbau sei dieser unausweichlich gewesen, wiederholt er. Er und viele andere Chefs strauchelnder Unternehmen trügen schließlich die Verantwortung für die gesamte Firma. In einem „Hochlohnland wie Deutschland“ schließe das in schwierigen Zeiten schwierige Entscheidungen ein.

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Was wir tun, ist gut. Wir werden gebraucht am Markt. Aber wir sind noch nicht durch.

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Martin Vierling, Geschäftsführer Vierling Production GmbH Ebermannstadt Martin Vierling Geschäftsführer Vierling Production GmbH

Fokus auf Kernkompetenzen, mehr Automatisierung und Digitalisierung 

In den vergangenen Monaten habe er mit seinem nun deutlich geschrumpften Team konsequent an der Neuausrichtung der Firma gearbeitet. „Was wir tun, ist gut. Wir werden gebraucht am Markt“, sagt Vierling. Und meint die Produkte und Dienstleistungen, die er seinen knapp 40 aktiven Kunden verteilt über die gesamte Welt anbieten kann. Nur das „Wie“ habe nicht mehr in die aktuell unsicheren Zeiten gepasst.

Darum steht im Fokus: Stärkung der Kernkompetenzen, Verschlankung von Abläufen sowie Automatisierung und Digitalisierung interner Prozesse. Erste positive Effekte würden sich bereits zeigen, sagt er. So stabilisiere sich der Auftragsbestand, wichtige Kunden hätten ihre Zusammenarbeit bestätigt oder gar ausgeweitet. Parallel versuche die Vierling Production GmbH, neue Projekte und Märkte zu erschließen.

Ab jetzt soll die Firma wieder bestenfalls nur noch eine Richtung nehmen: aufwärts.
Ab jetzt soll die Firma wieder bestenfalls nur noch eine Richtung nehmen: aufwärts. // Foto: Stephan Großmann

Gesundkur noch nicht abgeschlossen, aber „auf gutem Weg“

Für dieses Jahr rechnet Vierling mit einem Umsatz von zwölf Millionen Euro. Ab 2027 sollen es sogar wieder bis zu 15 Millionen Euro sein. Immer noch weit entfernt vom Hoch früherer Tage (der Geschäftsbericht von 2023 weist fast 24 Millionen Euro auf). „Wir sind noch nicht durch“, sagt Vierling. Was nichts anderes heißt, als dass seine Traditionsfirma noch nicht wieder vollends so stabil wie früher aufgestellt sei.

Aber wenn sie den eingeschlagenen Kurs fortsetzte, könnte sie das wieder sein. So lautet das hoffnungsvolle neue Unternehmens-Credo. „Es gibt noch viel zu tun“, so Vierling. 

Darum können und wollen sich weder Vierling noch der übrig gebliebene Rumpf seiner Mannschaft auf den zarten Knospen der Entspannung ausruhen. Sie müssen weiterhin straffen Schrittes durch ihre heiligen Hallen gehen.

 

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