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Traditionsfirma Weber & Ott
Wie Forchheims großer Modekonzern der Textilkrise trotzt
Sie hat die Hosen an (ihrem Platz): Modenäherin Cornelia Hübschmann arbeitet täglich an neuen Prototypen bei Forchheims letztem Modekonzern Weber & Ott. Auch wenn die Massenproduktion nicht mehr in Forchheim stattfindet, hat die Firma nach wie vor Gewicht in der Stadt.
Sie hat die Hosen an (ihrem Platz): Modenäherin Cornelia Hübschmann arbeitet täglich an neuen Prototypen bei Forchheims letztem Modekonzern Weber & Ott. Auch wenn die Massenproduktion nicht mehr in Forchheim stattfindet, hat die Firma nach wie vor Gewicht in der Stadt. // Foto: Stephan Großmann
Forchheim – Mode made in Forchheim: Einer der letzten großen Textilhersteller der Region trotzt den wachsenden Herausforderungen der Textilindustrie. Was Weber & Ott dafür tun muss – und wie das gelingen soll.

Gleichmäßig surrend sticht die Nadel in den Stoff ein. Was martialisch klingen mag, ist Präzisionsarbeit. Cornelia Hübschmann rutscht sich ihre Brille zurecht, überprüft die gesetzte Naht. Die Forchheimer Modenäherin nickt zufrieden. Sie kommt gut voran, bald ist die Hose fertig. Und zwar nicht irgendeine, sondern der Prototyp für eine der kommenden Kollektionen des Forchheimer Modekonzerns Weber & Ott AG.

Weber & Ott Forchheim: Besser bekannt als Toni, Rosner und Desoto

Modebewussten werden eher die Namen Toni, Relaxed, Rosner und Desoto in den Sinn kommen. All diese Marken gehören zu dem Forchheimer Traditionsunternehmen, das hier seinen Stammsitz hat. Die markanten Backsteingebäude unweit des Bahnhofs sind kaum zu übersehen. Dass sich auf dem immerhin noch 25.000 Quadratmeter großen Areal ein international erfolgreicher Modekonzern verbirgt, lässt sich hingegen kaum erahnen. 

Weithin sichtbar und doch versteckt: der Traditions-Textilkonzern Weber & Ott AG mitten in Forchheim.
Weithin sichtbar und doch versteckt: der Traditions-Textilkonzern Weber & Ott AG mitten in Forchheim. // Foto: Stephan Großmann

Was 1834 mit der Gründung durch Konrad Ott im fränkischen Fürth begann, zählt heute zu den ältesten Bekleidungsunternehmen Deutschlands. Seit 1934 hat das Unternehmen seinen Sitz in Forchheim. Etwa 230 Menschen arbeiten heute für die Weber & Ott AG in der Königsstadt. Zwar wird heute nicht mehr in Forchheim produziert – in den 1980er-Jahren standen noch etwa 4000 Menschen an den Webstühlen –, sondern hauptsächlich in Ländern Europas und Nordafrikas.

Aber das Herz und die Niere des Unternehmens sind noch hier. Konzeption, Design, Logistik. Und sollen es trotz der anhaltenden Krise in der Textilwirtschaft bleiben. 

Wie sich der Modekonzern trotz Textilkrise behaupten will

Davon ist Oliver Dück überzeugt. Der 58-Jährige ist Vorstand der Aktiengesellschaft, er arbeitet bereits seit mehr als 30 Jahren im Unternehmen. Zwar kämpfen auch er und sein Team wie die gesamte Branche mit denselben Herausforderungen: Lieferkettenprobleme, Dominanz der Fast-Fashion-Kultur, Digitalisierungsdruck und die Shopping-Unlust der Kundschaft. 

Zwei Millionen Meter Stoff gehen allein im Firmensitz der Weber & Ott AG in Forchheim durch das Haus – obwohl die eigentliche Produktion gar nicht mehr in Forchheim stattfindet.
Zwei Millionen Meter Stoff gehen allein im Firmensitz der Weber & Ott AG in Forchheim durch das Haus – obwohl die eigentliche Produktion gar nicht mehr in Forchheim stattfindet. // Foto: Stephan Großmann

Aber Dück spricht zufrieden von den Bilanzzahlen der vergangenen Jahre. Die Corona-Delle habe man überwunden, und auch wenn es nach dem Umsatz-Hoch von 2023 (70,6 Millionen Euro) zuletzt wieder leicht nach unten gegangen sei, spricht Dück von „zwei guten letzten Geschäftsjahren“ (Umsatz 2024: 67,9 Millionen Euro, 2025: 67 Millionen Euro). Und das in einer Branche, die in den vergangenen Jahren einige Hiobsbotschaften verkraften musste. Darunter etwa die Insolvenzen prominenter Namen wie Esprit, Galeria, Peek & Cloppenburg, Hallhuber, Sympatex, Gerry Weber und vielen weitere.

Entlassungen und Insolvenzen: kein Thema in Forchheim

Davon könne in Forchheim keine Rede sein, sagt Dück. Weder stünden Entlassungen in Aussicht noch sei der Fortbestand der Firma gefährdet. Stattdessen präsentiert sich die Weber & Ott AG als stabiler Mittelständler in einem Umfeld, das viele Wettbewerber bereits aus dem Markt gedrängt hat. Das lässt sich zu einem kleinen Teil auf das feste Standbein der mehr als 190 Jahre alten Firmengeschichte zurückführen. Zu einem größeren Teil aber auf die breite Aufstellung des Traditionskonzerns.

Warum die Forchheimer mit Temu und Shein gar nicht mithalten wollen

Das Geschäft setzt auf verschiedene Marken und Vertriebskanäle. Und es versucht gar nicht erst, im Preiskampf mit den stark wachsenden Fast-Fashion-Plattformen wie Temu oder Shein mitzuhalten. „Unser USP, also was uns auszeichnet, ist unsere Qualität und der Fokus auf die Passform“, sagt Dück. 

Die Idee in Kürze: Wer einmal „seine“ Toni-Hose in der richtigen Passform und Größe gefunden hat, soll neue Modelle künftig blind kaufen können. „Weil ich schon vorher weiß, dass sie passt“, so Dück. Daran arbeiten in der Forchheimer Firmenzentrale Schneiderinnen, Designerinnen und CAD-Programmiererinnen täglich. Allein für die Toni-Linien erscheinen vier neue Kollektionen pro Jahr.

Immer auf der Suche nach dem neuesten Modetrend: Vorstand Oliver Dück und Designerin Juliane Wirth.
Immer auf der Suche nach dem neuesten Modetrend: Vorstand Oliver Dück und Designerin Juliane Wirth. // Foto: Stephan Großmann

Modekonzern setzt hauptsächlich auf B2B, Onlineshops und Outlets

Ein weiterer Grund, warum die anhaltende Flaute im stationären Modeeinzelhandel Weber & Ott etwas langsamer trifft als andere Hersteller, könnte das sogenannte B2B-Geschäft sein, mit dem der Konzern mehr als die Hälfte seines Umsatzes erzeugt. Dabei ordern Warenhäuser, Händler, Boutiquen und bekannte Onlineplattformen ihre Ware saisonal im Voraus. Das gibt dem Unternehmen eine gewisse Planungssicherheit. 

Den Eigenverkauf managt Weber & Ott hauptsächlich über die Onlineshops seiner Marken Toni (mit Relaxed), Desoto und Rosner sowie in elf Outlet-Stores verteilt über Deutschland. Einer davon befindet sich in Forchheim auf dem Firmengelände in der Konrad-Ott-Straße.

Video: Blick hinter die Kulissen der Weber & Ott AG

Einblicke in die heiligen Hallen der Firmenzentrale der Weber & Ott AG in Forchheim. Dort wird designt, geschneidert, verpackt, versendet - und noch viel mehr. Video: Weber & Ott AG

Weber & Ott setzt weiterhin auf Ausbildung

Dass Weber & Ott einmal mit mehr als 4000 Beschäftigten der größte Arbeitgeber in Forchheim war, steht heute in den Geschichtsbüchern. Doch mit 230 Beschäftigten zählt die AG auch heute noch zu den Top 6 der Industriebetriebe in der Stadt. Und das wolle man, sagt Dück, trotz der anhaltend schwierigen Rahmenbedingungen auch bleiben. 

So sei zwar in absehbarer Zeit keine große Einstellungsoffensive zu erwarten. Aber das Unternehmen setzt – im Gegensatz zu vielen anderen Mittelständlern unter Druck – weiterhin stark auf Ausbildung, etwa in kaufmännischen Berufen sowie der bundesweit immer seltener angebotenen Handwerkslehre zur Textil- und Modenäherin beziehungsweise Textil- und Modeschneiderin.

Herausforderungen bleiben – und der Wille, die zu bestehen

Billigshirts aus Asien, der Trend zur Secondhand-Mode, steigende Kosten für Rohstoffe und Löhne, Lieferkettenprobleme durch geopolitische Krisen – Oliver Dück wird auch künftig alle Hände voll zu tun haben, um Forchheims Traditionsunternehmen im hart umkämpften Modemarkt zu behaupten. Daran, dass ihm dies gelingt, glaubt Dück. 

Oliver Dück, Vorstand der Weber & Ott AG
Oliver Dück, Vorstand der Weber & Ott AG // Foto: Stephan Großmann

Denn er und sein Team tun viel dafür: Sie begreifen den Onlinehandel mehr als Chance denn als Bedrohung, unter anderem mithilfe Künstlicher Intelligenz verschlanken sie ihre digitalen Prozesse und bleiben ihrem Credo treu: Man müsse nicht immer der Trendsetter sein, sagt Dück. „Aber abhängen lassen darf man sich nicht.“

Ein Blick in die heiligen Hallen in der Forchheimer Konrad-Ott-Straße zeigt mitnichten einen abgehängten Mode-Dinosaurier. Designerinnen am Zahn der Zeit, umtriebige Vertriebler, eine geschäftige Chefetage und das gleichmäßige Surren der Nähmaschinen in der Prototypen-Abteilung zeigen, dass Textilwirtschaft in Forchheim noch immer eine Heimat hat.

 

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