Solarpaneele auf den Dächern, Windräder in der Landschaft, E-Autos auf den Straßen – all diese Dinge machen die Energiewende sichtbar. Doch auch die sonst eher unsichtbaren Strukturen im Hintergrund müssen mit der Veränderung im Energiebereich mithalten. Wenn Strom in Zukunft bei der Mobilität oder beim Heizen eine größere Rolle spielt, steigt damit der Bedarf. Auch die Art und Weise, wie Strom erzeugt wird, verändert sich. Darauf muss die dazugehörige Infrastruktur ausgelegt sein.
Ein Schritt, um auf diese Entwicklungen vorbereitet zu sein, ist das neu geplante Umspannwerk West in Forchheim. Das soll an der westlichen Gemarkungsgrenze von Burk, rund 500 Meter westlich des „Hausener Kreisels“ entstehen. Bisher gebe es nur ein Umspannwerk, an dem ganz Forchheim hänge, erklärt Michael Wokusch von den Stadtwerken Forchheim. Doch die Anlage in der Paul-Keith-Straße werde in Zukunft nicht mehr ausreichend sein.
Was macht ein Umspannwerk?
Umspannwerke sind eine wichtige Schnittstelle bei der Stromversorgung. Michael Wokusch erklärt, warum. Grundsätzlich sei es so, dass der Strom über die Hochspannungsleitungen von Bayernwerk ankomme und im Umspannwerk in Mittelspannung umgewandelt werde. Von da fließe der Strom weiter zu einer der rund 100 Ortsnetzstationen der Stadtwerke im Stadtgebiet. In diesen kleinen Häuschen oder Kästen wird der Strom erneut umgewandelt – diesmal von Mittel- auf Niedrigspannung – ehe er als 230 Volt Strom in den Haushalten aus der Steckdose kommt.
„Je weiter ich die Leistung transportieren will, desto höher die Spannung“, erklärt Wokusch. Die Hochspannung liege bei 110 Kilovolt (kV), Mittelspannung bei 20 kV. Grob könne man jeweils die gleiche Zahl dafür ansetzen, über wie viele Kilometer man den Strom so transportieren könne.
Im aktuellen Umspannwerk hätten die Stadtwerke zwei Transformatoren, weitere solcher Umspanner gehörten zu Bayernwerk für die Versorgung des Landkreises. Im neuen Umspannwerk gebe es einen Transformator, für einen zweiten werde alles vorbereitet.
Strombedarf für Forchheim der Zukunft
Das Projekt sei schon seit rund vier Jahren in der Vorbereitung, erklärt Mathias Seitz, ebenfalls Elektroingenieur bei den Stadtwerken. In der Vorbereitung habe man sich zum einen die Entwicklung der Stadt angeschaut, zum anderen spiele das Thema „Sektorenkopplung“ eine entscheidende Rolle. Das bedeute, Bereiche wie Wärme, Verkehr oder Kommunikation würden elektrifiziert.
Als Beispiel nennt Seitz die E-Mobilität. Der Bund wolle bis 2030 eine Million neue Ladesäulen schaffen. Das habe man heruntergerechnet, wie viele das für Forchheim wären. Mit dem Ergebnis: 1000 Ladepunkte würden in Forchheim bis 2030 entstehen. Davon wären rund fünf Prozent öffentlich, 25 Prozent am Arbeitsplatz, also bei Unternehmen, und 70 Prozent bei privaten Haushalten.
In einer Modellrechnung wurden die extremsten Grenzen dieses Szenarios betrachtet: Was würde passieren, wenn all diese Ladesäulen gleichzeitig laden würden? Laut Seitz wäre dafür nach den Berechnungen rund ein Drittel des aktuellen Stromverbrauchs der Stadt nötig.
Mehr Strom für Heizen und Gewerbe
Auch beim Thema Heizen wird Strom wichtiger. Seit dem Beginn des Krieges in der Ukraine sei Gas in der Diskussion. Die Wärmepumpe setze sich immer mehr durch, vor allem im Neubau.
Nicht nur in Privathaushalten, auch bei den Unternehmen verändere sich der Strombedarf, erklärt Wokusch. Bei den großen Gewerbebetrieben im Süden von Forchheim wachse der Bedarf. Auch Anfragen wegen Schnellladestation für LKW gebe es schon.
Stromerzeugung keine Einbahnstraße mehr
Doch nicht nur beim Stromverbrauch stehen Veränderungen an. Auch die Seite der Stromerzeugung ist im Wandel. „Wir haben zusammen mit der OTH Regensburg ermittelt, was wäre, wenn jedes Dach in Forchheim eine PV-Anlage hätte“, erklärt Seitz. Dabei sei nachrangig gewesen, ob die Lage, zum Beispiel wegen der Nordseite, dafür geeignet sei. „Wir würden viermal so viel Strom zurückschicken, wie wir jetzt brauchen“, fasst Seitz das Ergebnis der Untersuchung mit der Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg zusammen.
Dabei handelt es sich natürlich um ein Extremszenario. Trotzdem könne es laut Wokusch irgendwann so weit sein, dass durch genügend PV-Anlagen auch Strom in die Hochspannung zurückgeschickt werden könne. Darauf müsse man vorbereitet sein. Bisher sei die Stromversorgung eine „Einbahnstraße“ gewesen, sagt Seitz – vom großen Kraftwerk Schritt für Schritt zu den Haushalten. Jetzt laufe das ganze auch in die andere Richtung.
Durch das neue Umspannwerk soll Forchheim für diese Entwicklungen gewappnet sein. Gebaut wird die Anlage von Bayernwerk, die auch den Hochspannungsteil des Netzes betreiben. Das erklärt Christian Martens, Pressesprecher der Bayernwerk Netz GmbH. Die Werke hätten ein geteiltes Eigentum, da sich dort zwei Spannungsebenen treffen würden. Nachdem die Fläche zur Verfügung stände, kümmere sich Bayernwerk um das Konzept und die Umsetzung. Baustart soll laut Martens 2025 sein, die technische Inbetriebnahme und Fertigstellung ist für 2026 geplant.
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