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Philosophenviertel
Forchheim wartet weiter auf den Wohnraum
Fußballspielen  immer  noch möglich: Auf den   Sportflächen der SpVGG Jahn Forchheim und des ATSV Forchheim ist  seit langem  ein Wohnquartier mit  326 Wohnungen geplant. Zuletzt hat eine Klage der benachbarten Firma Loparex (Fabrikhallen hinten, von Bäumen verdeckt) den Projektstart verzögert. Links die Jahn-Halle, die weichen wird.Forchheim & Fränkische Schweiz
Fußballspielen immer noch möglich: Auf den Sportflächen der SpVGG Jahn Forchheim und des ATSV Forchheim ist seit langem ein Wohnquartier mit 326 Wohnungen geplant. Zuletzt hat eine Klage der benachbarten Firma Loparex (Fabrikhallen hinten, von Bäumen verdeckt) den Projektstart verzögert. Links die Jahn-Halle, die weichen wird. // Barbara Herbst
Forchheim – Der Baustart für das neue Wohnviertel wird von einem Gerichtsverfahren verzögert. Außergerichtlich konnten sich die Parteien zuletzt nicht einigen.

Tilmann Rütters ist es gewohnt, dass man in seinem Job Geduld und Ausdauer braucht. Seit mehreren Jahren arbeitet der Marketingexperte und Gesellschafter des Hamburger Immobilienentwicklers Dignus daran, in Forchheim ein neues Wohnquartier zu schaffen. Auf den ehemaligen Sportflächen der SpVgg Jahn Forchheim und des ATSV Forchheim – zwischen Innenstadt und Königsbad – sollen 326 Wohnungen entstehen. Das Projekt hat längst einen klangvollen Namen: Philosophenviertel.

Inzwischen mag selbst Rütters ins Philosophieren darüber geraten, warum das größte Wohnbauprojekt der Start noch immer nicht richtig in die Gänge kommt. Ende 2016 hatte der Investor das Areal gekauft. Ein Jahr später hieß es bereits, dass in das Philosophenviertel schon 2021 rund 700 Bewohner einziehen könnten.

Hersteller von Spezialfolien klagt

Aber Ende März 2022 wird klar: Nicht nur, dass hier keiner bisher einziehen konnte. Der Baustart lässt immer noch auf sich warten. Nach einigem Hin und Her bei den Planungen hatte dies zuletzt mit einem Verfahren vor dem Verwaltungsgericht Bayreuth zu tun. Die benachbarte Firma Loparex, mit mehr als 650 Beschäftigten immerhin Forchheims drittgrößter Arbeitgeber, reichte Klage ein. Der Hersteller von Spezialfolien für den Konsumgütermarkt und für die Industrie fürchtet Nachteile für das Unternehmen und will, dass die Baugenehmigung aufgehoben wird.

Grundsätzlich spreche baurechtlich nichts dagegen, an besagter Stelle ein Wohnquartier zu errichten, meinte der Vorsitzende Richter Ende November. Die Stadt müsse lediglich bei der Baugenehmigung nachbessern. Und das Gericht gab Kläger Loparex und dem Bauinvestor Dignus bis 31. März Zeit, außergerichtlich eine „gütliche Einigung“ zu finden. Andernfalls würde es ein Urteil fällen.

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„Kein passender Vorschlag“

Doch eine solche Einigung ist nicht zustande gekommen. Zwar scheint es Gespräche zwischen Loparex und dem Investor gegeben zu haben. Allerdings ohne konkretes Ergebnis. „Es gibt noch keinen passenden Vorschlag“, sagte Loparex-Geschäftsführer Hendrik Vohmann, der sich ansonsten aufgrund des laufenden Verfahrens bedeckt hält.

Auch Investor Tilmann Rütters verbreitet zwar nach außen weiterhin Zuversicht und gute Laune, blieb zuletzt aber auffällig schmallippig. „Es schaut gut aus“, hatte er Anfang des Jahres noch gesagt. In wenigen Wochen gebe es ein Ergebnis. Doch inzwischen schweigt er lieber.

Baugenehmigung wurde nachgebessert

Vermutlich ahnt Rütters, dass er jetzt nur noch ein wenig Geduld braucht, bis sein langjähriges Geschäftsziel Philosophenviertel endlich realisiert wird.

Denn laut Oberbürgermeister Uwe Kirschstein hat die Stadt – sie tritt in dem Verfahren als Beklagte auf – ihre Baugenehmigung inzwischen nachgebessert. „Die vorhandenen Probleme sind keine, die das ganze Projekt zum Scheitern bringen“, hatte der Vorsitzende Richter damals festgestellt. Einige Formulierungen waren ihm zu ungenau gewesen. Und er forderte einen Mechanismus, der sicherstellt, dass der bauliche Schallschutz im Philosophenviertel lückenlos realisiert wird.

Lärm ist ein Kernpunkt der Auseinandersetzung. Wohn- und Gewerbegebiet nebeneinander? Das birgt Konfliktpotenzial, das vorher entschärft werden muss. Denn Lärmemissionen gibt es in einer Folienfabrik zwangsläufig.

Detaillierte Vorgaben

Nun befindet sich zwischen Gewerbe und geplantem Wohnviertel lediglich der Gründelbach. Und eine Lärmschutzwand wäre städtebaulich äußerst ungeeignet. „Die war nie im Gespräch. Wir als Stadt werden keine innerstädtischen Lärmschutzwände hochziehen“, sagt der Oberbürgermeister.

Es gehe vielmehr um Lärmschutz durch den Gebäuderiegel, also die Fassade selbst, stellt der Oberbürgermeister klar. Das Gericht habe sehr konkrete Vorgaben gemacht, die umgesetzt worden seien. Etwa enthielten die Planzeichnungen der Grundrisse „Uneindeutigkeiten“. Diese seien nun behoben.

Kirschstein nennt ein Beispiel: Bei einer Hand voll der geplanten Wohnungen komme an bestimmten Stellen ein höherer Lärm an als erlaubt. An diesen Stellen dürften nun keine Schlafräume liegen, sondern es müsste etwa die Küche dort platziert sein. „Gilt eine Wohnküche nun als Küche oder als Wohnraum?“, zeigt der Oberbürgermeister eine der detaillierten Fragen auf, die sich hier zuletzt stellten. „Sie ist zum Wohnen gedacht. Also darf an der betreffenden Seite kein Fenster liegen, das geöffnet werden kann“, erklärt Kirschstein weiter.

Bayreuther Richter am Zug

In den Planzeichnungen musste also zum Beispiel eine gestrichelte Linie in eine durchgezogene geändert werden – das Zeichen, dass das Fenster nicht geöffnet werden kann. „Auf solche Sachen haben wir reagiert“, sagt Kirschstein, der inzwischen „keinen Anlass für eine gütliche Einigung mehr“ sieht. Stadtrat und Stadtverwaltung hätten eben keine Abwägungskompromisse eingehen wollen, sondern planerisch neben das bestehende Industriegebiet eine allgemeines Wohngebiet gestellt. „Damit sind die höchsten Anforderungen an das Wohnumfeld genauso gegeben wie höchste Möglichkeiten für den Industriebetrieb“, sagt Kirschstein. Aus Sicht der Stadt sei die Baugenehmigung vollziehbar.

Spannend wird, wie schnell die Bayreuther Richter nun ein Urteil fällen. Mündlich verhandelt werden soll jedenfalls nicht mehr.

 

 

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