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Gruselige Funde
Archäologen finden Überreste von Skeletten
Die Rohbauarbeiten an der Großbaustelle Rathaus in Forchheim sind in vollem Gang.Forchheim & Fränkische Schweiz
Die Rohbauarbeiten an der Großbaustelle Rathaus in Forchheim sind in vollem Gang. // Barbara Herbst
Signet des Fränkischen Tags von Petra Malbrich
Forchheim – Bei den archäologischen Arbeiten in dem historischen Gebäude in Forchheim treten auch Kuriositäten zutage wie besondere Gläser - sogar und Skelette.

14 Mann arbeiten derzeit an der Großbaustelle am historischen Rathaus in Forchheim. Die Rohbauarbeiten haben an Fahrt aufgenommen. Aufwendig ist dabei die Sanierung der Hölzer. Die Sparrensanierungen sind im vollen Gang. Denn der Engpass bei Holzlieferungen ist vorbei, die wirtschaftliche Lage hier hat sich entspannt. Die Dachziegel liegen schon bereit.

Schätze und Kuriositäten gefunden

Bei den archäologischen Arbeiten wurden richtige Schätze gefunden. Kuriositäten sind auch dabei. Das ist eine Innenwand, aus Dachziegeln erstellt. Wohl aus der Not heraus war das so gebaut worden, erklärt Stephan Fabi von dem gleichnamigen Architektenbüro aus Regensburg.

Nun arbeiten die Fachleute im neuen Foyer. Im Magistratsbereich, wo später die Treppe in den Bierkeller führen soll, sind noch Friedhofsbereiche zu erkunden. Die Skelettfunde müssen noch aufgenommen werden, erläutert Fabi. Im Innenhof liegt schon fast das gesamte Kellergeschoss offen.

Pferdeschädel im Rathaus präsentieren?

Auch die Bevölkerung soll die Funde einmal besichtigen können. Das könne auf vielseitige Weise geschehen: durch Ausstellungsvitrinen, durch Broschüren oder einem Film. Zu dieser „Kunst am Bau“ hat der Archäologe Claus Vetterling aus Bamberg im Stadtrat referiert. Besondere Einzelfunde aus dem Frühmittelalter könnten im Rathaus präsentiert werden, etwa ein Pferdeschädel, weil der Hochadel seine Pferde begraben hat.

Für den Übergang vom Hoch- zum Spätmittelalter könnte gezeigt werden, wie ein Markttag aussah, denn es wurden viele Spielsachen wie Murmeln oder Münzen gefunden. Im Rathaus mit den Kellern könnte gezeigt werden, wie die kommunale Entsorgung funktioniert hatte.

Latrinenfunde sind „ein Glücksfall“

Im Zwischenbau wurde ein Schacht gefunden, der verfüllt wurde, aber als Latrine gedient hatte. „Dieser Fund war ein Glücksfall“, sagt Vetterling. Viel Glas wurde gefunden, und auch ein Säuglingsskelett. „Ein Abgang im achten Monat oder ein Neugeborenes, das nicht bestattet wurde“, erklärt der Archäologe. Wie eine Sache wurde es entsorgt.

An drei Stellen wurden Bestattungen gefunden, auch zwei Sonderbestattungen. „Das zeigt viel über das Leben und die Krankheiten“, erklärt Vetterling zu den festgestellten Schädeldeformationen. Die Frömmigkeit in der Zeit sei an den „Kruseler Figürchen“ sichtbar, handgroße Figuren, die als Spielzeugpuppen dienten oder als Heiligenfiguren.

Gläser mit blauen Flügeln gefunden

Auch bei den Glasfunden in der Latrine waren Besonderheiten dabei. Ein Flügelglas beispielsweise: Gläser, die am Stiel aus blauem Glas geformte Flügel zierten; oder ein Stangenglas: der Vorgänger des Weizenbierglases; oder ein Nuppenbecher: Das war der Joghurtbecher des Mittelalters, in seiner Menge und Erhalt aber etwas Besonderes.

Die Waffelbecher, deren einzelne Quader mit Gold belegt waren, und auch ein Eisglas zeigen den damaligen Wohlstand der Bürger. Da die Fachleute im Schacht noch einen Meter tiefer graben müssen, dürften noch weitere Gläser gefunden werden.

Typisches für Forchheim?

Offen ist noch, ob bei den knapp 17.000 Fundstücken auch etwas nur für Forchheim Typisches dabei ist, ähnlich dem Bamberger Reiter in der Bischofsstadt. Eine diesbezügliche Frage stellte Hans-Werner Eisen (CSU) im Stadtrat. Die Vorschläge der Archäologie jedenfalls wurden einstimmig begrüßt.

 

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