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Drohungen und Verbote?
Philosophenviertel: Baufirma reagiert auf heftige Vorwürfe
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Die Baugrube auf der Philosophenviertel-Baustelle ist weiter da und füllt sich mit Regenwasser. // Bjarne Bahrs
Forchheim – Auf Forchheims Dauer-Baustelle herrscht erneut Zoff. Drohungen und sogar Betretungsverbote gegen die Stadt stehen im Raum. Das Drama um das Philosophenviertel erreicht eine neue Stufe.

Wer braucht schon eine Dramaserie, wenn es die Forchheimer Lokalpolitik doch genauso tut. Denn das elendige Drama rund um das geplante Forchheimer Philosophenviertel will einfach kein Ende nehmen. Die Stadt Forchheim arbeitet weiter an ihrem Aufhebungsverfahren und will auch gleichzeitig irgendwie doch noch an dem Projekt festhalten. Der Bauherr, also die Philosophenviertel Forchheim Beteiligungsgesellschaft, versucht hingegen das Projekt weiter nach vorne zu bringen, scheitert aber weiter am Beweis der Liquidität. Und nun findet sich inmitten dieses zwei-Parteien-Streits auch noch ein weiterer Beteiligter. Die seit Juni für die Arbeiten am Philosophenviertel zuständige Baufirma muss sich gegen teils heftige Vorwürfe vonseiten der Stadt wehren.

Finanzierung bleibt Streitthema

Aber wie konnte es überhaupt so weit ausarten? Schließlich lag die Baustelle mehrere Jahre brach und war bis zum Anfang des Jahres totgesagt. Mit Baumrodungen im Februar, Abrissarbeiten im Juni und nun seit Ende September einer rund drei Meter tiefen Baugrube passiert endlich wieder etwas auf dem Gelände.  Allerdings ohne irgendein Einverständnis der Stadt Forchheim. Diese hatten den tatsächlichen Baubeginn untersagt, bis die Beteiligungsgesellschaft die Finanzierung des Projekts bestätigt und der Stadt die entsprechenden Unterlagen vorzeigt. Die bisherigen Arbeiten wurden lediglich als vorbereitende Maßnahmen geduldet.

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Am Zaun der Baustelle wird das Projekt groß beworben. Wird die Planung auch irgendwann Realität? // Bjarne Bahrs

Auch nach einem Aufklärungsgespräch zwischen den beiden Parteien Ende August bleibt die Situation schwammig. Abgesprochen wurde unter anderem, dass die begonnenen Baumaßnahmen bis Ende des Jahres andauern dürfen, unter genauer Beobachtung der Stadt. Damit hätte zumindest ein wenig Ruhe auf die Baustelle einkehren können, bis in der vergangenen Woche erneut die Alarmglocken bei der Stadt läuteten.

Baufirma handelt auf eigene Faust?

Denn bei einer spontanen Kontrolle der Baustelle sollen erneut Arbeiten auf dem Gelände stattgefunden haben. An sich auch in Ordnung, allerdings hätten städtische Mitarbeiter beobachtet, wie mehrere Lkws Baumaterialien auf die Baustelle gebracht und vereinzelt in die derzeitige Baugrube gekippt hätten. Bei einer telefonischen Konfrontation des anwesenden Bauherrn hätte dieser einem städtischen Mitarbeiter mit Prügel gedroht und gleichzeitig ein Betretungsverbot für alle städtischen Kontrolleure durchgesetzt, wie Till Zimmer, Leiter des Rechtsamts, im Bauausschuss mitteilte.

Da die Baufirma natürlich auf Geheiß der Beteiligungsgesellschaft handelt, oder zumindest handeln sollte, informierte die Stadt auch gleichzeitig den Wiener Geschäftsführer Claus Krenstetter. In einem Statement gegenüber der Stadt hätte er angegeben, nichts mit den neuesten Vorgängen auf der Baustelle zu tun zu haben. Die Baufirma hätte demnach auf eigene Faust gehandelt, zitiert Oberbürgermeister Kirschstein den Geschäftsführer, während der jüngsten Bauausschusssitzung am vergangenen Montag.

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Wenigstens steht ein Bagger: Trotz der langen Zeit ist die Baustelle weiterhin kaum erkennbar. // Bjarne Bahrs

Welche Baufirma ist zuständig?

Welche Baufirma denn inzwischen für die Arbeiten am Philosophenviertel zuständig ist, dazu wollte sich weder der Oberbürgermeister im Ausschuss noch der Bauherr Krenstetter selbst äußern. Doch die aktuelle Firma wirbt am eigenen Bauzaun für sich selbst und bewirbt sich auch auf Social Media mit der Größe des Projekts und filmt dabei teilweise sogar die Aushebung der derzeitigen Baugrube. 

Dass es sich bei den derzeitigen Bauherren also um die Nürnberger „SFB Bau und Erdbau GmbH“ handelt, ist kein Geheimnis. Auch ihr Geschäftsführer und Bauleiter Alexander Kraus redet sehr offen und fast schon amüsiert über die derzeitige Situation auf der Baustelle und räumt dabei gleichzeitig auf, was die Vorwürfe der Stadt angeht. „Die städtischen Mitarbeiter haben schon sehr viel Fantasie, was diese Vorwürfe angeht“, erklärt Kraus am Telefon.

Bauleiter reagiert auf Vorwürfe

Denn anders als vonseiten der Verwaltung behauptet, hätte seine Firma dort nicht irgendwelchen Bauschutt oder sonstiges Material entsorgt und in die Baugrube gekippt, sondern lediglich extra für die Aufschüttung nutzbares Recyclingmaterial für eine andere Baustelle zwischengelagert. „Das ist mit der Erlaubnis von Herrn Krenstetter auf privatem Grund geschehen, da kann die Stadt gar nichts gegen sagen“, erklärt Kraus. Noch dazu hätte man nie vorgehabt, die derzeitige Baugrube damit aufzuschütten.

Auch die vermeintliche Androhung von Prügel hätte es so nicht gegeben. „Es gab zwar eine hitzige Diskussion mit einem Mitarbeiter der Stadt, aber dabei sind nie irgendwelche Drohungen gefallen“, sagt Kraus. Was allerdings stimmt, sei die Aussprache des Betretungsverbots auf der Baustelle gewesen. Vor allem als Reaktion auf vorherige Kontrollen. „Wenn wir teilweise zehnmal am Tag städtische Kontrolleure bespaßen müssen, bekommen wir auch keine Arbeit mehr getan“, beschwert sich der Bauleiter. Er würde lediglich von seinem Hausrecht Gebrauch machen. „Das haben wir auch jetzt nachträglich erneut juristisch prüfen lassen“, so Kraus.

Wie geht es jetzt weiter?

Theoretisch, so zumindest Kraus, sollen die weiteren Bauarbeiten ab dem 18. September wieder regulär weitergehen. „Dann kommt auch demnächst das von der Stadt so verpönte Material wieder weg“, erklärt er. Auch nach dem Vorfall wird seine Firma weiter an dem Projekt mitwirken, denn das Arbeitsverhältnis zur Beteiligungsgesellschaft und zu Claus Krenstetter ist weiterhin sehr positiv. Zumindest für Kraus ist die Stadt bei dem Projekt derzeit der einzige Dorn im Auge. „In meinen 17 Jahren in diesem Gewerbe habe ich so eine Situation auch noch nicht erleben müssen“, erzählt der Bauleiter zum Ende des Gesprächs.

Von Seiten der Stadt ist der weitere Vorgang noch abzuwarten. Das Aufhebungsverfahren geht vorerst weiter seinen Weg. „Sicherlich gibt es spätestens im Oktober neue Tatsachen zu Berichten“, erklärte der Oberbürgermeister im Bauausschuss. Damit geht das Drama fürs Erste weiter. Wie gesagt, wer braucht da schon eine Dramaserie?

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