Die unendliche Geschichte. So lautet ein Jugendbuch des deutschen Autors Michael Ende aus dem Jahr 1979. Die Hauptfigur wird sprichwörtlich in die fantastische Handlung gesogen und muss eine Parallelwelt vor dem Nichts retten.
Die unendliche Geschichte. So ließe sich auch der vorhabenbezogene Bebauungs- und Grünordnungsplan „Philosophenviertel“ in Forchheim überschreiben. Dominierten in der Vergangenheit eher die Streitigkeiten hinter den Kulissen des Mega-Projekts die Schlagzeilen, scheint sich seit einigen Monaten tatsächlich etwas zu tun auf der Areal zwischen Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße und Theodor-Heuss-Allee.
Philosophenviertel: Baugrube wirft Fragen auf
Wie berichtet, schuf die Wiener Investorengesellschaft in diesem Jahr für viele überraschend Tatsachen, nachdem Jahre lange nichts passiert war. Ende Februar erst 17 Bäume gerodet und im Sommer das ehemalige ATSV-Heim abgerissen. Seit einigen Tagen verwandelt sich das Areal augenscheinlich in eine echte Baustelle. Zumindest prangt dort nun ein gigantisches Loch, das einer Baugrube für das große Bauprojekt für hunderte Wohnungen, ein Ärztezentrum, eine Kita, Seniorenwohnen und ein Boardinghouse schon sehr ähnlich sieht.
Daher ist Claus Krenstetter ein gefragter Mann zurzeit. Der Österreicher ist Geschäftsführer der Philosophenviertel Forchheim Beteiligungsgesellschaft sowie Geschäftsführer und Partner des österreichischen Investors WT 80 aus Wien. Und er beantwortet nach wie vor betont lässig den aktuellen Stand um den Philosophenviertel-Poker. „Selbstverständlich wollen wir dieses Projekt umsetzen“, sagt er ins Telefon, während er gerade nach Forchheim fährt. Termine mit Baufirmen, Abstimmungen, Vor-Ort-Besichtigungen - es gibt viel zu tun, wenn er seinen Plan halten will, spätestens 2025 Wohnungsschlüssel übergeben zu wollen.
Angeblich „konstruktive Gespräche mit der Stadt"
Davon, dass dieses Projekt mindestens Forchheims Lokalpolitik bereits totgesagt hatte, ist in Krenstetters Aussagen nichts zu hören. Auch von dem aktuell laufenden Verfahren um die Aufhebung des Bebauungsplans gibt er sich unbeeindruckt. Ganz im Gegenteil gebe es ganz erfreuliche Entwicklungen, sagt Krenstetter. „Es hat sehr konstruktive Gespräche mit Oberbürgermeister Uwe Kirschstein und anderen hohen Vertretern der Stadtverwaltung gegeben. Wir stellen fest, dass die Stadt sehr wohl daran interessiert ist, das Bauvorhaben wie geplant umzusetzen.“
Es gehe derzeit lediglich noch um einige notwendige Nachbesserungen in der Baugenehmigung, weil diese laut Krenstetter auf gesetzlichen Vorgaben von vor einigen Jahren erstellt worden sei. Aber vor allem bei den EEG-Umlagen hinsichtlich der Förderfähigkeit des Projekts habe sich einiges getan, hier müsse man nachschärfen. Diese „marginalen, aber notwendigen Änderungen“ wolle man Stadt und Stadtrat vorstellen. Aber im Prinzip stünde man in den Startlöchern und könnte bauen.
Philosophenviertel: Was seit 2021 alles passiert ist
Die Stadt Forchheim hüllt sich in Schweigen
Also ist das gesamte Gezerre um die mögliche Entziehung der Baugenehmigung nur eine Nebelkerze? Herrscht im stillen Kämmerlein heimlich Eintracht, sind die verhärteten Fronten aufgelöst?
Eine Antwort auf diese Frage gibt es aktuell nicht. OB Kirschstein lässt über Stadtsprecherin Britta Kurth mitteilen, dass er aktuell keine Stellungnahme zu diesem Thema abgebe. Nicht darüber, was besprochen worden sei. Nicht darüber, ob überhaupt gesprochen worden sei.
So bleibt beim erfahrenen Beobachter dieser Bau-Posse lediglich der Eindruck zweier Kontrahenten haften, die sich im Schutz ihrer Juristen jeweils nur so weit aus der Deckung wagen, um ja keinen Schaden zu nehmen. Man baut, zumindest genug, um im Nachgang auf Bautätigkeit verweisen zu können. Man gewährt, zumindest genug, um im Nachgang Kooperationswillen vorweisen zu können.
Wie es tatsächlich weitergeht, werden wir erst mit Wiederaufnahme der kommunalpolitischen Sitzungssaison erfahren. So könnte das Thema Philosophenviertel bereits am 16. September in der nächsten Sitzung des Bauausschusses auf die Agenda kommen. Mindestens bis dahin gibt die neue Baugrube zwar noch keinen Platz zum Wohnen frei, immerhin aber Raum für Spekulationen. Eine unendliche Geschichte.
Lesen Sie auch:














