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Präventive Hilfe
Tür auf, Hoffnung: Wie sie Wohnungslosigkeit verhindern will
Wenn sich ihre Tür öffnet, schöpfen Betroffene wieder neue Hoffnung: In der Fachstelle zur Verhinderung von Wohnungslosigkeit ist Daniela Brütting seit April aktiv.
Wenn sich ihre Tür öffnet, schöpfen Betroffene wieder neue Hoffnung: In der Fachstelle zur Verhinderung von Wohnungslosigkeit ist Daniela Brütting seit April aktiv. // Stephan Großmann
Forchheim – Wenn das eigene Zuhause bedroht ist, schlägt Sozialpädagogin Daniela Brütting von der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Alarm. In Forchheim setzt sie alles daran, Wohnungslosigkeit frühzeitig zu verhindern.

Ihre Augen glänzen ein wenig, wenn sie von ihrem Alltag erzählt. Daniela Brütting, Sozialpädagogin, ist seit ein paar Monaten die Frau in Forchheim, auf die Menschen zugehen, die keine Perspektiven mehr sehen, in den eigenen vier Wänden zu leben. Wer in der Fachstelle der Arbeiterwohlfahrt zur Verhinderung von Wohnungslosigkeit aufschlägt, wird bei ihr kostenfreie Hilfe erhalten. Und wer glaubt, dass dieses Thema in einer kleinen und beschaulichen Stadt wie Forchheim keine Rolle spielt, der irrt. Daniela Brütting hat alle Hände voll zu tun.

Es sind Fälle wie dieser, für die Daniela Brütting dringend einen Ausweg suchen muss: Ein Forchheimer Ehepaar, um die 60 Jahre alt, beide sind vorerkrankt, sie lebt von einer mageren Erwerbsminderungsrente, er schlägt sich mit Bürgergeld und Gelegenheitsjobs durch. Nun folgt die Katastrophe: Ihr Vermieter kündigt ihnen die Wohnung, eigentlich hätten sie schon Ende Juni ausziehen müssen. Mehr als 1200 Euro haben die beiden im Monat aber nicht zur Verfügung, kaum ausreichend für eine neue Wohnung und den Lebensunterhalt. Weil sie die Wohnung nicht verlassen konnten, läuft eine Räumungsklage, Ausgang ungewiss.

Wohnungslos: Dunkelziffer in ganz Deutschland groß

Das Problem Wohn- und Obdachlosigkeit ist auch in Forchheim präsent, auch wenn es nicht offensichtlich vor aller Augen geschieht.
Das Problem Wohn- und Obdachlosigkeit ist auch in Forchheim präsent, auch wenn es nicht offensichtlich vor aller Augen geschieht. // 2B, adobe stock

Die letzte Hoffnung, um weiterhin selbstbestimmt und würdevoll zu leben, hat für diese Menschen einen Namen: Daniela Brütting. „Ist die Klage durch, kommen bei den beiden wegen der Gerichtskosten auch noch Schulden obendrauf“, so Brütting. Kaum erwähnenswert, dass dies für die Eheleute zur psychischen Belastungsprobe wird. Und, sie sind kein Einzelfall. Laut dem Bundesamt für Statistik sind zum Stichtag 31. Januar dieses Jahres 215 wohnungslose Menschen im Landkreis Forchheim untergebracht, etwa zwei Drittel davon werden in Forchheim gezählt. Zur Einordnung: Deutschlandweit zählt die Statistik-Behörde zum selben Zeitpunkt 439.500 Menschen. Tendenz: steigend.

Sozialpädagogin Brütting: „Es kann jeden treffen"

Die wenigsten Wohnungslosen sind tatsächlich ohne Obdach, schlafen für alle sichtbar tatsächlich auf der Straße. Viele kommen vorübergehend in speziellen Einrichtungen unter. So gibt es in der Forchheimer Unterkunft im Eggolsheimer Weg etwa 55 Plätze verteilt auf Ein-, Zwei- oder Mehrbettzimmer, wie die Stadt auf Anfrage mitteilt. Darüber hinaus gibt es in Zusammenarbeit mit der Wohnungsbau- u. Sanierungsgesellschaft (GWS) noch circa 25 Wohnungen einfachster Art, verteilt über das Stadtgebiet (nur für Eheleute oder Familien mit Kindern). Gar nicht erfasst ist die sogenannte verdeckte Wohnungslosigkeit, zum Beispiel wenn Menschen bei Freunden oder Verwandten unterkommen.

„Auch wenn das Problem uns in der Fußgängerzone selten begegnet, es ist da. Und es kann jeden treffen“, sagt Brütting. Häufige Gründe seien Krankheiten und damit einhergehende finanzielle Nöte, in den vergangenen Monaten nehme es darüber hinaus zu, dass auch langjährigen Mietern wegen Eigenbedarfs gekündigt würde. Hinzu kämen Suchtprobleme, Flucht vor gewalttätigen Beziehungen, Arbeitslosigkeit, Schicksalsschläge. Für alle gilt: Ihnen wird buchstäblich der Boden unter den Füßen weggezogen.

Tatsächliche Zahlen gibt es jedoch nicht, Behörden und Fachleute rechnen mit einer großen Dunkelziffer. „Wir beurteilen die Lage als angespannt, im Verhältnis für die Größe von Forchheim gibt es überproportional viele Obdachlose. Die Zahl der von Obdachlosigkeit bedrohten Menschen bleibt seit Jahren konstant hoch“, teilt Stadtsprecherin Britta Kurth auf Anfrage mit. Das liegt unter anderem auch an dem seit Jahren angespannten Wohnmarkt, selbst der jüngste Zuwachs an Sozialwohnungen kann den gigantischen Mangel nicht ausgleichen. Ein Beispiel: Auf der Warteliste für eine Sozialwohnung im Haus der Wohnungswirtschaft stehen noch immer gut 800 Namen.

Zwei gute Nachrichten für Forchheim

Immerhin, es gibt zwei gute Nachrichten. Die erste: „Die Stadt Forchheim kümmert sich vorbildlich“, sagt Lisa Herfurth, ebenfalls Sozialpädagogin bei der Awo, zuständig für die Menschen im Obdachlosenheim. „Für eine Stadt dieser Größe wird viel Hilfe vorgehalten“, sagt sie. Das ist nicht selbstverständlich. Manchmal treibe das dann gar solche Blüten, dass Forchheim als eine Art Sammelstelle für Betroffene aus dem gesamten Landkreis angesehen wird. „Ein paar ähnlich gute Beispiele wie etwa Igensdorf gibt es noch, aber nicht viele“, so Herfurth.

Awo-Sozialpädagoginnen Daniela Brütting (links)und Lisa Herfurth:
Awo-Sozialpädagoginnen Daniela Brütting (links) und Lisa Herfurth: // Stephan Großmann

Doch die Awo-Betreuerin wollte nicht erst handeln, wenn die Menschen bereits bodenlos dastanden. „Die Unterbringung im Heim ist immer ein Risikofaktor, vor allem für Männer“, sagt sie. Sucht und Gewalt spielen immer wieder eine Rolle. Sie wollte früher helfen, präventiv vorgehen. Weil es das in der Region allerdings noch nicht gab, handelte sie und rief die Fachstelle zur Verhinderung von Wohnungslosigkeit ins Leben.

Fachstelle zur Verhinderung von Wohnungslosigkeit macht bereits Schule

Die zweite gute Nachricht: Mit vorerst auf ein Jahr befristet genehmigten Fördermitteln des Bayerischen Sozialministeriums konnte sie ihre Daniela Brütting ins Boot holen, die im Rahmen des Modellprojekts seit April fleißig Beratungsgespräche führt. „Das Telefon steht seither kaum still, aus dem gesamten Landkreis wenden sich Leute an sie“, sagt Herfurth ein bisschen stolz. Denn bisher hat Daniela Brütting das selbst gesteckte Ziel in der Regel erreicht, gemeinsam mit den Klienten deren Wohnung erhalten zu können oder zumindest eine Alternative zu finden.

Nun müssen nicht nur Forchheims Betroffene, sondern auch die beiden Sozialpädagoginnen hoffen, dass ihre Präventiv-Stelle nicht dem allgemeinen Spardiktat zum Opfer fällt. Lisa Herfurth hat hierzu eine klare Meinung: „Prävention ist immer billiger, als die Menschen nachträglich wieder aus der Obdachlosigkeit zu befreien.“ Und das Forchheimer Modell macht bereits Schule: „Uns erreichen schon Anfragen aus anderen Landkreisen, wie wir das machen.“ Auch ihre Augen glänzen ein wenig, wenn sie davon erzählt.

Alle wichtigen Infos zur Fachstelle zur Verhinderung von Wohnungslosigkeit

Wer im Landkreis Forchheim wohnt und Gefahr läuft, die Wohnung zu verlieren, kann sich kostenfrei und freiwillig an die Beratungsstelle wenden. 

Dienstags bis donnerstags (10 bis 15 Uhr) ist Daniela Brütting im Beratungsbüro in der Hornschuchallee 22 in Forchheim anzutreffen, zudem ist sie per Mail an praevention.wohnungsnot@awo-forchheim.de oder telefonisch unter 09191/3405949 oder 0176/56558406 zu erreichen. Termine gibt es nach Vereinbarung.

Unterstützung bekommt,

  • wem ein Wohnungsverlust droht (zum Beispiel Kündigung, Zwangsräumung).
  •  wer seine Miete nicht (mehr) bezahlen kann.
  • bei wem Landratsamt oder Jobcenter die Miete nicht mehr übernimmt.
  • wer Mietschulden oder Schufa-Einträge hat.
  • wer klärende Gespräche mit Vermietern, Wohnungsbaugenossenschaften, Ämtern und Energieunternehmen führen muss.
  • wer persönliche und soziale Angelegenheiten klären muss, die das Mietverhältnis belasten.

Weitere Infos gibt es im Internet unter awo-forchheim.de.

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