„Investor schafft Tatsachen."
„Bauherr schafft Fakten."
Solche oder ähnlich lautende Überschriften hat es in den vergangenen Monaten häufiger gegeben. Und wer aktuell durch die Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße spaziert, könnte tatsächlich davon ausgehen, dass die Wohnungen alsbald kommen. Nicht nur, dass dort Bagger umherfahren und Muldenkipper Schutt abtransportieren. Das auffälligste Indiz ist jedoch das alte ATSV-Heim. Denn es ist weg.
ATSV ist bereits 2021 umgezogen
Im Januar 2021 hat der ATSV seine Sachen ausgeräumt und ist mit Sack und Pack in sein neues Domizil in der Bayreuther Straße eingezogen. Seither steht der Bau in der Forchheimer Stadtmitte leer. Seit Juni 2021 läuft der Spielbetrieb auch für die Fußballer wieder.
Asbest-Müll und Baumfällungen können teuer werden
In den vergangenen Tagen ist das alte Gebäude also abgetragen worden, nun prangt da ein erdfarbenes Loch, gesäumt von mehreren Reihen weißen Big Bags, in denen neben Bauschutt noch immer asbesthaltiger Müll auf Entsorgung wartet. Diesbezüglich hatte die Stadt Forchheim Anzeige erstattet. Wie die für diesen Fall zuständige Wasserschutzpolizei Bamberg auf Anfrage unserer Redaktion am Montag erklärt, seien die Ermittlungen vor dem Abschluss. Auf die verantwortliche Firma wird nun wohl ein Strafbefehl zukommen, inklusive Geldstrafe. Dafür sei die Entsorgung des asbesthaltigen Abfalls, so ein Sachbearbeiter der Wasserschutzpolizei, immerhin endlich in Auftrag gegeben.
Auch bei den wohl unrechtmäßig gefällten Bäumen läuft derzeit noch die juristische Prüfung. Auch da wird der Investor wohl mit einer Geldstraße und dem Auftrag zu Ersatzpflanzungen rechnen müssen.
Österreichischer Investor scheint hier Wort zu halten - Rückbau läuft
Noch Mitte Juni hatte Claus Krenstetter, Geschäftsführer der Philosophenviertel Forchheim Beteiligungsgesellschaft sowie Geschäftsführer und Partner des österreichischen Investors WT 80 aus Wien, angekündigt, dass der alte Bau entlang des Weges rückgebaut sein solle. „Bis zum Sommer wollen wir alles vorbereitet haben“, sagt er vor vier Wochen. Wann er mit dem Baustart rechne? Darüber sei man im Austausch mit den Behörden, das müsse man noch klären.
Die wiederum haben ihrerseits am 24. Juni Tatsachen geschaffen. Wie angekündigt, hat die Stadt die öffentliche Auslegung der „Aufhebung des Vorhabenbezogenen Bebauungs- und Grünordnungsplans Philosophenviertel" gestartet (im Rathaus sowie online, klicken Sie hier). Der Grund: Trotz mehrfachen Verschiebens der Fristen hat der Baubeginn nicht begonnen, daher rollte sich die Stadt schließlich ein und tritt den Rückzug an. Noch bis zum 26. Juli könnte jeder sich äußern. Am Ende des gesamten Verfahrens kann das Ratsgremium laut Baugesetzbuch – vereinfacht gesprochen – eine sogenannte Aufhebungssatzung erlassen, mit der die Stadt „auch die dem Vorhabensträger erteilte und mangels Baubeginns nicht ausgenutzte Baugenehmigung widerrufen“ kann.
Nach Prüfung Stellungnahmen „zügig aufheben"
Die Stimmung in Forchheims Lokalpolitik sowie in der Stadtverwaltung scheint einmütig zu sein: Sie lassen sich nicht (mehr) von plötzlichen Aktivitäten rund um die Jahn-Straße beeindrucken. Egal, was die Bagger dort derzeit treiben mögen. Ob die Philosophenviertel Beteiligungsgesellschaft ihr Recht auf Stellungnahme ebenfalls bereits nutze und ihren Bauwillen erneut bekräftigte oder dies noch tun wird, ist bis Redaktionsschluss nicht klar. Aber es ist zu erwarten.
Ab dem 26. Juli wird die Stadt sich die eingegangenen Stellungnahmen zu Gemüte führen und zeitnah einen Satzungsvorschlag für die Aufhebung entwerfen. Tenor: Man wolle zügig aufheben.
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