In der Probezeit
Fahranfänger wird betrunken auf E-Scooter erwischt
Eine Spritztour mit einem E-Scooter brachte einen Fahranfänger vors Amtsgericht in Haßfurt.
Eine Spritztour mit einem E-Scooter brachte einen Fahranfänger vors Amtsgericht in Haßfurt.
Katja Beringer
F-Signet von Martin Schweiger Fränkischer Tag
Haßfurt – Verhängnisvolle Promillefahrt: Sein Übermut hat Konsequenzen für einen 18-jährigen aus dem Landkreis Haßberge.

Dem Reiz des Unbekannten konnte ein 18-jähriger Auszubildender aus dem Steigerwald im Mai dieses Jahres nicht widerstehen. Als er kurz vor 5 Uhr nachts mit rund 1,6 Promille Alkohol intus aus einer Diskothek kam, erblickten er und sein Kumpel einen Leih-E-Scooter, der auf einem Parkplatz abgestellt war. Kurzerhand schalteten sie den Elektro-Roller per Handy-App frei, um eine Probefahrt auf dem Parkplatz zu machen.

 

Ein einziges Mal alkoholisiert und übermütig – und schon kommt die Polizei

Das war jedoch keine gute Idee. Denn eine Polizeistreife kontrollierte den jungen Mann und stellte schnell Alkoholgeruch fest. Ein Alkoholtest brachte den hohen Alkoholpegel ans Licht – mit fatalen Konsequenzen für den Fahranfänger. Er musste den erst vor kurzem erworbenen Führerschein abgeben.

Auf der Anklagebank des Amtsgerichts Haßfurt

Gegen den darauf folgenden Strafbefehl legte er Einspruch ein, weshalb der 18-Jährige am Dienstag mit seinem Verteidiger Steffen Vogel auf der Anklagebank des Amtsgerichts Platz nehmen musste.

Der Einspruch hatte Erfolg. Das Gericht stellte das Verfahren ein. Als Auflage muss der Angeklagte 500 Euro an die Caritas berappen. Wichtiger für ihn: Seinen Führerschein bekommt er wieder zurück.

Die Eltern mussten ihren Sohn zu seiner 50 Kilometer entfernten Arbeitsstelle fahren

Aufatmen konnten auch die Eltern, die im Gerichtssaal saßen. Denn sie müssen nun ihren Sohn nicht mehr aus dem kleinen Ort im Steigerwald zu seiner 50 Kilometer entfernten Arbeitsstelle fahren. Ausschlaggebend für das Urteil des Jugendgerichts war, dass der Angeklagte nicht vorbestraft ist und keinen Punkt in Flensburg hat. Vor Gericht beteuerte er, keinen Alkohol mehr seit der Tat zu trinken. Um dies zu untermauern, legte sein Anwalt eine Haaranalyse vor. Diese habe seinen Mandanten 196 Euro gekostet.

Der Jugendliche hatte sich bislang nichts zu Schulden kommen lassen

Die Jugendgerichtshelferin attestierte dem Angeklagten einen makellosen Lebenslauf mit einer behüteten Kindheit. Er sei das erste Mal – nach zwei Jahren Corona-Pandemie – in einer größeren Stadt unterwegs und natürlich „gut drauf“ gewesen.

Familie als Fahrdienst

Die Tat bezeichnete sie als „jugendlichen Leichtsinn“ und empfahl eine Rückgabe des Führerscheins, da sonst nur die Familienmitglieder belastet würden. Der Vorsitzende Richter Christoph Gillot sagte, dass eventuell auch ein Fahrverbot statt einer Fahrsperre in Betracht gekommen wäre. Verteidiger Vogel erklärte, keine Ersatzansprüche geltend zu machen. Er schlug eine Geldauflage in Höhe von 400 Euro vor, die die Staatsanwältin jedoch nicht mitmachte angesichts des hohen Alkoholpegels.

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