Mittelalter
Als die Stadtmauer noch vor Hexen schützte
Erfreut über die große Resonanz bei seinem Vortrag machte Joachim Zeune ein Erinnerungsbild vom Publikum.
Erfreut über die große Resonanz bei seinem Vortrag machte Joachim Zeune ein Erinnerungsbild vom Publikum.
Foto: Katja Then
F-Signet von Redaktion Fränkischer Tag
Zeil am Main – Schutz vor Angreifern und Hexen: Dr. Joachim Zeune berichtet über die Ruine Schmachtenberg und die Stadtmauer von Zeil.

Stadtbefestigungen seien im Mittelalter wichtig für die Außenwirkung und Repräsentation der Städte gewesen. Vor allem in der Zeit der Hussiteneinfälle in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts hätten viele Städte auf eine wehrhafte Stadtmauer gesetzt. So sei auch die Zeiler Stadtbefestigung in dieser Zeit deutlich erweitert worden.

Über die Zeiler Stadtmauer und die Burgruine Schmachtenberg referierte der Burgenforscher und Mittelalterarchäologe Dr. Joachim Zeune am Mittwoch in Zeil. Etwa 130 Gäste waren zu dem Vortrag ins Rudolf-Winkler-Haus gekommen, der im Rahmen des Landkreis-Kulturprogramms „Kunststück“ stattfand.

Die Stadtmauer von Zeil am  Main
Die Stadtmauer von Zeil am Main
Foto: Günther Flegel

Zeune, der ein Büro für Burgenforschung in Eisenberg-Zell im Allgäu betreibt, war an der Sanierung der Burgruine von 1995 bis 2007 sowie an der der Stadtmauer 1995 bis 2010 maßgeblich beteiligt. Als Burgenexperte war er auch maßgeblich an der Einrichtung des burgenkundlichen Lehrpfads und des Deutschen Burgenwinkels beteiligt. Zu Beginn dankte er Altbürgermeister Christoph Winkler, der sich damals für die mustergültigen Restaurierungsarbeiten in Zeil starkgemacht habe.

Die Stadtmauer von Zeil am Main
Stadtmauer von Zeil am Main
Foto: Klaus Schmitt

In den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts sei die Stadtmauer in keinem guten Zustand mehr gewesen, sagte Zeune. Kriege früherer Jahrhunderte, städtebauliche Veränderungen des 19. Jahrhunderts und später die Privatnutzung von Mauerteilen durch Grundstückseigentümer hätten dem Bestand deutlich zugesetzt. Von daher sei die Sanierung ab 1995 ein großer Gewinn für die Stadt Zeil gewesen.

Bei seinen Forschungsarbeiten an der Ruine Schmachtenberg hätten sich zahlreiche interessante Erkenntnisse ergeben, sagte Zeune weiter. So sei beispielsweise nachgewiesen worden, dass die Burg früher über sechs Türme, darunter ein großer Wohnturm, verfügt hatte. Bei der Sanierung wurde vorhandener Bestand gesichert und teilweise befundgetreu rekonstruiert.

Mittelalterliche Bauweise bei der Rekonstruktion nachgeahmt

Dabei griff das Team um Joachim Zeune zum Teil sogar auf mittelalterliche Bauweisen zurück, etwa bei der Rekonstruktion der Bogenarchitektur. Um diese mit einem Lehrgerüst wiederherzustellen, nutzen die Archäologen nämlich die originalen Gerüstlöcher in der Burgmauer aus dem 15. Jahrhundert. Als Abschluss der Sanierung entstand eine virtuelle Rekonstruktion der Burg, die in einem Film auf der Internetseite der Stadt Zeil zu sehen ist (denkmal-zeil.de).

Zeune beendete seinen Vortrag mit einem Exkurs zur Umstellung der Wehrarchitektur auf Feuerwaffen ab 1410/1420, wobei er unter anderem nochmals auf die Burgruinen Lichtenstein, Altenstein und Raueneck im Landkreis Haßberge einging.

Was das Kulturprogramm „Kunststück“ im Landkreis Haßberge so alles zu bieten hat

Das Kulturprogramm „Kunststück“, das von der Koordinierungsstelle für Kultur & Bildung im Landratsamt Haßberge umgesetzt wird, vereint zahlreiche unterschiedliche Kulturveranstaltungen unter einer Dachmarke. Auch kunst- oder baugeschichtliche Vorträge sind immer wieder Bestandteil. Informationen über weitere interessante Kulturveranstaltungen gibt es in der aktuellen „Kunststück“-Broschüre oder unter kulturraum-hassberge.de/veranstaltungen. Informationen erteilt die Koordinierungsstelle für Kultur & Bildung unter kulturraum@hassberge.de oder Telefon 09521/27674 oder -694.

Dr. Joachim Zeune, geboren 1952 in München, ist Mittelalterarchäologe, Historiker und Burgenforscher. Er betreibt ein Büro für Burgenforschung in Eisenberg-Zell im Allgäu. Darüberhinaus ist er Kurator des Europäischen Burgeninstituts und Ehrenmitglied im Scientific Council von Europa Nostra. Außerdem ist er seit 2003 erster Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der Deutschen Burgenvereinigung e. V.