Großer Frust
Hafenpreppach und seine verlotterte Dorfmitte
Diese alten Gebäude links und rechts der Schreinersgasse und auch weitere im Ortskern von Hafenpreppach sorgten für Diskussionsstoff bei der Bürgerversammlung und auch bei Monika Schnabel und Ria Schoregge (von links) vor ihrem Kirchgang am Buß- u...
Diese alten Gebäude links und rechts der Schreinersgasse und auch weitere im Ortskern von Hafenpreppach sorgten für Diskussionsstoff bei der Bürgerversammlung und auch bei Monika Schnabel und Ria Schoregge (von links) vor ihrem Kirchgang am Buß- und Bettag.
Foto: Helmut Will
F-Signet von Helmut Will Fränkischer Tag
Hafenpreppach – Die Bürger von Hafenpreppach hätten die alten Gebäude in der Ortsmitte am liebsten abgerissen. Eine Fachfrau kann sie noch umstimmen.

Aufgeheizte Stimmung bei der Bürgerversammlung im vollbesetzten Mehrzweckgebäude in Hafenpreppach am Dienstagabend. Die Gemüter erhitzten sich am „unschönen Ortskern“, der den Hafenpreppachern ein Dorn im Auge ist. Wie soll es da weitergehen? Das wurde teils emotional diskutiert und die Frage in den Raum gestellt, ob ein Kommunales Denkmalkonzept (KDK) auf den Weg gebracht wird.

Judith Sandmeier, stellvertretende Referatsleiterin für Städtebauliche Denkmalpflege vom Amt für Denkmalpflege auf Schloss Seehof, sagte, Hafenpreppach habe es verdient, dass mit den alten Gebäuden im Ortskern etwas passieren sollte, dass man hier investiere. Sie erläuterte, wie sich der Ortskern von Hafenpreppach mit einem KDK, welches relativ neu sei, entwickeln könne.

Auch Studierende aus Bamberg und Coburg sind mit diesem Denkmalpflegekonzept befasst

Das KDK gliedere sich in Wissenserforschung, Planen und Bauen. Partner dieses Konzeptes seien das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege und das Amt für Ländliche Entwicklung. Für Soforthilfe bei akuter Gefahr gebe es sogar eine Task Force Denkmalpflege des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege. Inhaltlich werde das Konzept von Studiengängen der Universität Bamberg und der Hochschule Coburg unterstützt.

Das Foto zeigt die Rückansicht der sanierungsbedürftigen Gebäude in Hafenpreppach auf einem etwa 3000 Quadratmeter großen Areal, welches die Gemeinde Maroldsweisach erworben hat.
Das Foto zeigt die Rückansicht der sanierungsbedürftigen Gebäude auf einem etwa 3000 Quadratmeter großen Areal, welches die Gemeinde Maroldsweisach erworben hat.
Foto: Helmut Will

Sandmeier erläuterte, dass die Bürgerschaft von Anfang an mit eingebunden werde, mit Eigentümern betreffender Gebäude gesprochen und das Projekt aus finanzieller- und baulicher Sicht erörtert werde. Ausgangssituation sei, dass sich in der Ortsmitte des Ortes Hafenpreppach wenig verändert habe. Im Ortskern gebe es einige Baudenkmäler, die es zu schützen gelte.

Die Denkmalpflegeexpertin erklärt, wie man in Hafenpreppach vorgehen könnte

„Jetzt sollte gemeinsam eine Entwicklung beginnen, und die Bürger sollten sagen, wie der Ortskern künftig genutzt werden könne“, sagte Judith Sandmeier. Ideal wäre es, wenn alle betroffenen Eigentümer der alten Anwesen mitwirkten dazu zwölf ortsansässige Personen aller Generationen sowie Vertreter der Gemeindeverwaltung.

Erforderlich sei, dass ein objektiver Berater zugezogen werde, ein Stadtplaner oder Architekt. Das Erarbeitete solle dann mit den Eigentümern diskutiert werden mit dem Ziel, einen gemeinsamen Plan, der rechtlich und ökonomisch umsetzbar ist, zu erarbeiten.

Diese Projektlaufzeit sei auf sechs bis neun Monate ausgerichtet, losgehen solle es schon Ende November/ Anfang Dezember. Die Förderung der Maßnahmen hänge von der künftigen Nutzung der betreffenden Gebäude ab. Nachdem Sandmeier ihre Ausführungen beendet hatte, begann eine rege Diskussion.

„Warum hat die Gemeinde diese alten Gebäude gekauft?“

Es wurden sogar Vorwürfe gegen die Gemeinde laut, weil diese im Ortskern Grundflächen und Gebäude auf einer Fläche von 3000 Quadratmetern gekauft habe, ohne vorher die Bürger und mögliche Interessenten zu informieren. „Das Ganze ist ein Fass ohne Boden“, sagte ein Bürger und fügte hinzu: „Was die Gemeinde gekauft hat, ist für uns nur abrisswürdig.“ Er plädierte dafür, Gebäude abzureißen, um an deren Stelle neue Bauplätze für junge Bauwillige schaffen zu können.

Vorschlag: Nach Abriss der alten Gebäude sollten dort Bauplätze entstehen

Vorgebracht wurde, dass in den letzten 15 Jahren viele bauwillige junge Leute den Ort verlassen hätten, weil sie in ihrem Heimatdorf keinen geeigneten Bauplatz gefunden hätten. „In den letzten 15 bis 20 Jahren ist in dieser Hinsicht nichts passiert“ und „Hafenpreppach interessiert weder den Bürgermeister noch den Gemeinderat“, lauteten die Vorwürfe in Richtung Marktgemeinde. Und als jemand sagte, „die Gebäude fallen schneller ein, als der Denkmalschutz arbeitet“, wurde Beifall geklatscht.

Immer wieder wurde der Bauplatzmangel im Ort angeprangert. Am Mardersberg, sagte Bürgermeister Thein, habe die Gemeinde keine Flächen für Bauplätze erwerben können, weshalb man nach entsprechenden Ersatzflächen Ausschau halten werde, um neues Bauland zu erschließen.

Gemeinderätin Heidi Müller-Gärtner (CSU), eine gebürtige Hafenpreppacherin, plädierte leidenschaftlich dafür, dass der Zeitpunkt gekommen sei, um mit dem KDK etwas verändern zu können. „Jetzt sollten wir diese Chance nutzen, um mit dem Problem in Hafenpreppach voranzukommen“, sagte die Zweite Bürgermeisterin, Bürgermeister Wolfram Thein pflichtete ihr bei. Judith Sandmeier zeigte sich zuversichtlich, eine Lösung zu finden, mit der alle leben könnten.

Zum Ende der Diskussion einigt man sich darauf, die alten Gebäude nicht abzureißen

Allerdings müssten sich die Bürger von Hafenpreppach einig sein, ob das Konzept mit den möglichen Förderungen angepackt werden soll oder nicht. „Sicher kann man auch etwas anderes machen, aber wenn alles abgerissen werden soll, brauchen wir uns nicht um das KDK bemühen.“ Schließlich einigte man sich, das KDK voranzutreiben. Vor Ort erklärten sich sogleich einige bereit, sich in dem zu bildenden zwölfköpfigen Gremium einzubringen.

Diese Linden an der Schlossgasse in Hafenpreppach schaden mit ihrem Wurzelwerk der Filteranlage am Dorfbrunnen. Über eine Versetzung oder Kürzung der Bäume wird nachgedacht.
Diese Linden an der Schlossgasse in Hafenpreppach schaden mit ihrem Wurzelwerk der Filteranlage am Dorfbrunnen. Über eine Versetzung oder Kürzung der Bäume wird nachgedacht.
Foto: Helmut Will

Debattiert wurde auch über  das Thema „Linden am Dorfbrunnen“, als der Bürgermeister berichtete, dass ein Antrag vorliege, die Linden, die gepflanzt wurden, zu entfernen. Mittlerweile seien Wurzeln der Bäume in die Filteranlage des Brunnens eingewachsen, so dass diese nicht mehr funktioniere. Ein weiteres Problem seien die Blüten und Blätter, die bisher immer von Privatpersonen, die an dieser Stelle wohnten, beseitigt worden seien. Das könne aber künftig nicht mehr geleistet werden.

Linden umsetzen oder kürzen?

Thein schlug vor, die Bäume von einer Fachfirma an eine andere Stelle im Ort versetzen zu lassen. Das stieß nicht auf Zustimmung. Es wurde bezweifelt, dass die Bäume woanders anwachsen würden. Nach langer Diskussion hat man sich entschieden, Angebote sowohl für ein Umsetzen als auch eine Kürzung der Bäume einzuholen.

An- und Umbau des Feuerwehrgebäudes in Hafenpreppach

Der Bürgermeister stellte den geplanten An- und Umbau des Feuerwehrgebäudes vor. Sobald der Gemeindehaushalt es zulasse, werde der Bau eingeplant. Es soll laut Thein ein funktioneller Anbau werden, der allen Anforderungen der Feuerwehr entspricht.

Weitere Punkte beziehungsweise Probleme waren tierischer Art. Zum einen ging es um die Biber und um die Schäden, die sie in privaten Seen anrichten, zum anderen um Hundekot. Angefragt wurde aus der Versammlung, ob nicht Boxen für Hundekot aufgestellt werden könnten, damit die Besitzer der „Zamperl“ die Hinterlassenschaften ihrer Vierbeiner darin entsorgen können.

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