Zweiter Weltkrieg
Gedenkort für britische Soldaten bei Salmsdorf
Besuch aus UK: Die Erinnerung an einen Flugzeugabsturz 1944 in den Haßbergen
Für die drei tödlich verunglückten englischen Soldaten wurden drei rote, für die vier weiteren, die den Absturz überlebten, wurden vier weiße Kerzen mit den jeweiligen Namen aufgestellt.
Foto: Christiane Tangermann
Besuch aus UK: Die Erinnerung an einen Flugzeugabsturz 1944 in den Haßbergen
Im Salmsdorfer Bürgerhaus ging der denkwürdige Tag mit einer Brotzeit und Bier zu Ende.
Foto: Christiane Tangermann
Der Gedenkstein wird eingeweiht.
Der Gedenkstein wird eingeweiht.
Foto: Christiane Tangermann
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Die Nachfahren von Sergeant Prince waren zur Segnung des Gedenksteins mit ihren Buben aus Schottland angereist.
Die Nachfahren von Sergeant Prince waren zur Segnung des Gedenksteins mit ihren Buben aus Schottland angereist.
Foto: Christiane Tangermann
Sergeant Prince war noch sehr jung, als er in den Krieg ziehen musste. Nach den schlimmen Kriegserfahrungen lebte er in England ein glückliches Leben und starb in dem Haus, in dem er auch geboren war.
Sergeant Prince war noch sehr jung, als er in den Krieg ziehen musste. Nach den schlimmen Kriegserfahrungen lebte er in England ein glückliches Leben und starb in dem Haus, in dem er auch geboren war.
Foto: Christiane Tangermann
F-Signet von Christiane Tangermann Fränkischer Tag
Salmsdorf – Besuch aus Großbritannien: Die Erinnerung an einen Flugzeugabsturz 1944 in den Haßbergen trägt zur Völkerverständigung und schließlich Freundschaft bei.

Vor kurzem kamen Besucher aus Großbritannien nach Gerach und Salmsdorf. Es handelt sich um Nachkommen von zwei der sieben Besatzungsmitglieder eines englischen Lancaster-Bombers (Typ EE 147), der am 31. März 1944 in der Nähe von Mauschendorf bei Gerach abgestürzt war. Günther Vetter hatte die Nachkommen der abgestürzten Crew zur Einweihung und Segnung des Gedenksteins nach Salmsdorf eingeladen, Kreisheimatpflegerin Christiane Tangermann berichtet von der Begegnung.

Besuch aus UK: Die Erinnerung an einen Flugzeugabsturz 1944 in den Haßbergen
In so einem Lancaster-Bomber saß damals der Funker Jack Dunn.
Foto: Simon Thomas

Mauschendorf hatte einen Schutzengel in jener Nacht, denn es entging nur knapp einer Katastrophe, als die große, 33 Meter lange viermotorige Maschine, die sich in einem großen Bomberverband auf dem Weg zu einem Angriff nach Nürnberg befand, von einem deutschen Junkers-Nachtjäger abgeschossen wurde. Die Engländer hätten gerade das Funkgerät abgeschaltet, heißt es in den Erinnerungen des Funkers Jack Dunn, als von unten die tödlichen Schüsse kamen. Vier Crewmitgliedern gelang es noch, sich mit dem Fallschirm zu retten. Die drei übrigen starben im Waldgebiet nahe Mauschendorf. Die Druckwelle deckte Häuser noch in Salmsdorf ab und ließ Fenster bersten. Teile der zerfetzten Maschine flogen über mehrere Hundert Meter, aber es kam kein Einwohner zu Schaden.

 

Zwei Enkel des Bordmechanikers Sergeant Prince, Alastair und Fraser Prince, waren mit ihren beiden Söhnen aus Schottland angereist. Sergeant Prince hatte 1944 den Absturz leicht verletzt überstanden. Er kam dann in deutsche Kriegsgefangenschaft. Alastair Prince hat noch einen Brief seines Großvaters aus dessen Gefangenschaft bei sich, in dem dieser berichtet, wie sehr er sich darauf freue, wieder nach England zu kommen und endlich wieder ausreichend zu essen zu haben. Er kehrte nach Kriegsende in die Heimat zurück, heiratete eine Schottin und lebte dann in Schottland. Der Urenkel hat kürzlich mit seinem Vater Alastair das Schicksal seines Urgroßvaters für ein Schulprojekt neu aufgearbeitet.

Besuch aus UK: Die Erinnerung an einen Flugzeugabsturz 1944 in den Haßbergen
Ian Dunns Vater, der Bordfunker, hatte den Absturz 1944 überlebt.
Foto: Christiane Tangermann

Aus Südengland (Grafschaft Cornwall) kam mit seinen vier Söhnen Ian Dunn, der Sohn des damaligen Bordfunkers Jack Dunn. „Die Geschichte meines Vaters hat mich in meiner Jugend ständig begleitet“, erzählt er. Der Vater hätte über seine Erlebnisse ein beeindruckendes Tagebuch geschrieben, was die Erinnerung in der Familie unverfälscht wachhalte.

Beide Seiten hatten zeitgleich zu den damaligen Ereignissen recherchiert

Der Kontakt zu Günther Vetter und auch zu Manfred Künzel und Anton Schmitt nach Großbritannien war über das Internet entstanden. Beide Seiten hatten zeitgleich zu den damaligen Ereignissen recherchiert. Daraus entwickelte sich der persönliche Kontakt, eine neue Freundschaft entstand. „Völkerverständigung über alle Ländergrenzen hinweg kann nicht besser in die Tat umgesetzt werden. Gerade in der heutigen Zeit, in der Europa wieder einen Krieg erlebt, ist die Erinnerung an die Schrecken eines Krieges sehr wichtig“, kommentiert Christiane Tangermann diese Begegnung.

Für Ian Dunn und seinen Sohn Scott war dies nicht der erste Besuch. Schon 2019 waren sie bei einer Gedenkfeier zum 75. Jahrestag des Absturzes mit dabei gewesen.

Gedenktafel von Ian Dunn gestiftet

Obwohl es regnete, wurde der Gedenkstein nahe Mauschendorf/Salmsdorf wie geplant eingeweiht. Günter Vetter begrüßte die Gäste, Bürgermeister Sascha Günter aus Gerach betonte in seiner Ansprache, wie wichtig eine solche Erinnerungsstätte sei, besonders für die Jugend und als Mahnung für den Frieden.

Besuch aus UK: Die Erinnerung an einen Flugzeugabsturz 1944 in den Haßbergen
Die Brüder Prince kamen mit ihren Söhnen aus Schottland angereist.
Foto: Christiane Tangermann

Ein katholischer Geistlicher segnete den großen Gedenkstein, dessen Gedenktafel Ian Dunn gestiftet hatte.

Besuch aus UK: Die Erinnerung an einen Flugzeugabsturz 1944 in den Haßbergen
Nun endlich konnte der Gedenkstein eingeweiht werden. Neun Nachkommen der verunglückten englischen Flieger waren dafür aus Großbritannien angereist.
Foto: Christiane Tangermann

Die Besucher schauten sich dann die eigentliche Absturzstelle an, an einem Hang im nahegelegenen Waldgebiet. Enkel und Urenkel der damaligen Crew-Mitglieder waren beeindruckt, als Manfred Künzel demonstrierte, wie leicht sich immer noch Metallsplitter dicht unter der Oberfläche finden lassen.

Besuch aus UK: Die Erinnerung an einen Flugzeugabsturz 1944 in den Haßbergen
Der Gedenkstein zu dem Flugzeugabsturz im Zweiten Weltkrieg wurde eingeweiht. Für die drei tödlich verunglückten englischen Soldaten wurden drei rote, für die vier weiteren, die den Absturz überlebten, wurden vier weiße Kerzen mit den jeweiligen Namen aufgestellt.
Foto: Christiane Tangermann

Nach dem Besuch des Absturzortes ging es nach Salmsdorf. Günther Vetter erzählte, dass der Pilot der Maschine, Alexander Waugh, nahe Salmsdorf abgesprungen und dann auf derselben Straße, auf der die Nachkommen nun standen, nach Salmsdorf gekommen sei. Am Lindenplatz sei der verletzte Pilot von Salmsdorfer Bürgern in Gewahrsam genommen und in das Haus der Fam Will/Käb gebracht worden.

Besuch aus UK: Die Erinnerung an einen Flugzeugabsturz 1944 in den Haßbergen
Die Kinder staunen über die Metallstücke des abgestürzten Flugzeugs.
Foto: Christiane Tangermann

Im Bürgerhaus Salmsdorf klang ein beeindruckender Nachmittag aus. Manfred Künzel trug einige eindrucksvolle Passagen aus dem Tagebuch von Jack Dunn vor. Die Besucher wurden in wohliger Wärme mit gutem Essen und fränkischem Bier bewirtet. Ein denkwürdiger Tag.

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