Obwohl auf „WK19“ noch kein einziges Windrad steht, ist diese Fläche das perfekte Anschauungsobjekt dafür, wie sich in der Energiepolitik immer wieder die Windrichtung gedreht hat. Vor zehn Jahren gab es erstmals Pläne, auf dem Areal bei Dampfach (Gemeinde Wonfurt) Windräder zu bauen. Dann machte die 10-H-Regel dem Konzept einen Strich durch die Rechnung. Jetzt steht wieder alles auf Anfang.
„WK19“ ist eine Vorrangfläche für den Bau von Windkraftanlagen, die im Regionalplan festgeschrieben ist. Das 190 Hektar große Areal südlich der Maintalautobahn A70 liegt im „Vier-Länder-Eck“ der Gemeinden Wonfurt und Theres (Kreis Haßberge) sowie Donnersdorf und Grettstadt (Kreis Schweinfurt. Die vier Eckpunkt markieren die Orte Horhausen, Dampfach, Obereuerheim und Pusselsheim.
Seehofer durchkreuzt die Pläne
2012/13, auf dem Höhepunkt der Energiewende-Euphorie auch in Bayern, hatten Grundbesitzer aus dem Schweinfurter Bereich der Vorrangfläche erste Schritte unternommen, um den bau von Windkraftanlagen in dem Sondergebiet auf den Weg zu bringen. Schon 2014 aber legte die von der Bayerischen Staatsregierung unter Horst Seehofer beschlossene 10-H-Regel alles auf Eis.
10 H bedeutet: Eine Windkraftanlage muss zur Wohnbebauung einen Abstand halten, der mindestens ihrer zehnfachen Höhe entspricht. Das sind bei modernen Windrädern zwei Kilometer. Damit lag jeder Punkt der Fläche „WK19“ zu nahe an den umliegenden Ortschaften. Oder es wäre nur der Bau von wesentlich kleineren und damit unwirtschaftlichen Windkraftanlagen möglich gewesen.
Die Karten neu gemischt
Mit der in München beschlossenen Lockerung der 10-H-Regel werden die Karten neu gemischt. „WK19“ steht nun wieder auf der Liste der Gebiete, die für den Bau von Windrädern in Frage kommen. Wobei sich aber auch ohne „10H“ heute die gleichen Probleme auftun wie vor zehn Jahren – nur noch größer, und zwar buchstäblich, denn die Windkraftanlagen, die heute errichtet werden, sind ein ganzes Stück leistungsfähiger und damit auch höher als die Modelle 2013.
Konkret: Sollten auf der Fläche bei Dampfach moderne Windräder gebaut werden, dann erreichen sie mit der Flügelspitze der Rotorblätter rund 250 Meter Höhe. „WK19“ liegt auf einer Höhe von 250 Metern über dem Meeresspiegel, so dass das Windrad 500 Meter in den Himmel ragt. Der Zabelstein, der markanter Berg in Sichtweite im Steigerwald, ist 489 Meter hoch. Die Windräder würden ihn also „überragen“.
Zu viel des Guten?
Diese Vorstellung bremst die Windkraft-Begeisterung vor allem in den Gemeinden im Landkreis Schweinfurt. Bei einer Informationsveranstaltung für die Bürger sagten die Bürgermeister Klaus Schenk (Donnersdorf) und Jens Machnow (Grettstadt), Windräder seien an diesem Standort „fehl am Platz“.
Ein Windpark würde die Entwicklung der Gemeinden behindern und die Lebensqualität verschlechtern. Manche Ortschaft wäre regelrecht „umzingelt“ von Windrädern, Funkmasten und Stromleitungen, sagte Schenk.
Franken ist über Gebühr belastet
Wolfgang Roth von der Gruppe für bürgerfreundliche Windkraft in Pusselsheim und Obereuerheim sieht das ländliche Franken schon heute über Gebühr durch die Energiewende belastet: Von 1164 Windkraftanlagen in Bayern stünden 840 in Franken, 260 sind es in Unterfranken und 45 im Raum Schweinfurt.
Der Thereser Bürgermeister Matthias Schneider hingegen will in die Offensive gehen. „Wir müssen es schaffen, die Grundbesitzer unter einen Hut zu bringen und die Fläche proaktiv zu vermarkten“, sagt er. Sonst droht nach seiner Meinung die Gefahr, dass Investoren „von sonst woher, die genug Geld auf den Tisch legen“, die Flächen pachten und bebauen.
„Dann ist die Wertschöpfung für die Region verloren, und wir haben auch keinen Einfluss mehr darauf, wie der Strom vermarktet wird.“ „WK19“, sagt Schneider, könnte ein wichtiger Baustein der regionalen Energiewende sein. Zumindest bis zur nächsten Änderung der Windrichtung in der bayerischen Energiepolitik.









