Klimawandel
Der Steigerwald ist im Dauerstress
Der aktuelle Zustand des Rauhenebracher Gemeindewaldes   bereitet Sorgen - auch wenn es auf den ersten Blick nicht so dramatisch aussieht.
Der aktuelle Zustand des Rauhenebracher Gemeindewaldes bereitet Sorgen - auch wenn es auf den ersten Blick nicht so dramatisch aussieht.
Sabine Weinbeer
F-Signet von Sabine Weinbeer Fränkischer Tag
Rauhenebrach – Hitzesommer und „Dünger-Regen“ setzen den Buchen im südlichen Landkreis zu. Das erfüllt Förster Armin Remmele mit Sorge. Warum der Fachmann dennoch glaubt, dass der Wald eine Chance hat.

Seit 57 Jahren kümmert sich Förster Armin Remmele um den Gemeindewald in Rauhenebrach. Obwohl er mittlerweile offiziell im Ruhestand ist. Einen Dauerwald hat er sich als Ziel auf die Fahnen geschrieben: Dicke Bäume, die zu Lebensräumen werden, dazwischen solche, die als nachwachsender Rohstoff geerntet werden sollen und jede Menge Naturverjüngung, die die künftigen Waldgenerationen sichert.

Der Rauhenbracher Gemeindewald sieht auch genauso aus – auf den ersten Blick. „Dem Wald geht es schlecht“, mit dieser Aussage begann Armin Remmele seinen diesjährigen Bericht vor dem Gemeinderat Rauhenebrach.

620 Hektar im Steigerwald

Der FT traf sich anschließend noch einmal mit dem Fachmann. 620 Hektar umfasst der Wald, um den er sich auch im Ruhestand nach wie vor kümmert: Gemeindeeigentum, aber auch Körperschaftswald in Ober- und Untersteinbach sowie der Rechtlerwald in Theinheim. Viel hat der Wald in Remmeles langer Berufslaufbahn „einstecken“ müssen – und von vielem hat er sich nur auf den ersten Blick erholt.

Der „Saure Regen“ war einst in aller Munde, dieses Problem wurde durch politische Maßnahmen abgemildert. „Aber schlimmer ist eigentlich der Dünger-Regen.“ Die Wälder werden aus der Luft überdüngt. Während Armin Remmeles Studium stand im Lehrbuch, dass eine Buche einen jährlichen Zuwachs im Faktor 6,5 habe, „heute sind das 13“, erklärt er. Ein so schnelles Wachstum macht dem Baum natürlich Stress.

Die alten Buchen leiden unter der Hitze

Ebenso bereiten trockene und heiße Sommer den Bäumen Stress. Dieser Sommer hat vieles zutage treten lassen, was sich jedoch schon über Jahre aufgebaut hat: „Es ist dramatisch, wie sich die starken Buchen verabschieden“, erklärte er dem Gemeinderatsgremium und auch beim Ortstermin im Wald. Die Jahre 2003, 2018 und 2019 ließen die Grundwasserpegel sinken „und die Buche wurzelt eben nur zweieinhalb Meter tief“.

Aus diesem Grund geht es der Eiche im Steigerwald etwas besser. Im Gemeindewald hat die Eiche aber nur einen Anteil von 15 Prozent, 50 Prozent der Laubbäume sind Buchen. Und davon seien „30 Prozent schon tot oder hochgradig gefährdet, 30 Prozent Heilige Kühe, die wir hegen und pflegen“.

Auch im November, mit fast entlaubten Kronen, ist zu sehen, an wie vielen 100 und 120 Jahre alten

Waldschäden nicht gleich erkennbar

Bäumen abgebrochene Äste hängen. „Dieser Baum erholt sich nicht mehr“, ist Remmeles feste Überzeugung. Das zeige sich immer da, wo ein Baum zu nah an Wegen oder Straßen steht und aus Sicherheitsgründen gefällt werden muss. Während beim Blick von außen oft nur der oberste Kronenbereich geschädigt aussieht, zeigt der Stamm meist mehrere Meter lang Trockenheitsschäden.

Das ist auch beim Fällen problematisch, weil der Stamm unkontrolliert bricht. Dramatisch ist diese Entwicklung in allen Südlagen, in die die Sonne direkt hineinscheint. „Am schlimmsten ist die Nachmittagssonne.“ Was viele auf ihrer heimischen Terrasse nach Feierabend genießen, macht der Buche echte Probleme.

Naturverjüngung als Rezept gegen Klimawandel und Waldsterben

Da Remmele dank seiner langen Berufslaufbahn auch aus den Erfahrungen von Deutschlands ältester Buchenversuchsanlage der Bayerischen Staatsforsten „In der Kapelle“ bei Fabrikschleichach profitiert, gibt es im gesamten Rauhenebracher Gemeindewald einen dichten Aufwuchs der sogenannten „Naturverjüngung“. Sie ist die Option auf die Zukunft, die er einem Nachfolger hinterlässt.

Zwischen zehn und 30 Jahre alt sind die jungen Bäume, die zwar nicht gepflanzt wurden, aber dank richtiger Pflege unter den älteren Buchen und Eichen aufwachsen. Von diesen werden sich viele an den Klimawandel anpassen, ist Remmele überzeugt. Doch: Bäume wachsen nunmal nicht wie Getreide und momentan scheint der Klimawandel deutlich schneller als die Waldentwicklung. Wenn die großen Schattenspender wegfallen, müsse man sehen, wie sich die jungen Bäume bei voller Sonneneinstrahlung weiter entwickeln, gibt der Experte zu bedenken.

Zu wenig Regen im Sommer

Gezielte Pflanzungen sind für Remmele nur punktuelle Maßnahmen. Ob man mehr Regen im Wald zurückhalten könne, wurde in der Gemeinderatssitzung gefragt. Hier habe man bereits viele Feuchtbiotope als Rückhaltungen angelegt, so der Förster.

Der trockene Wald in Rauhenebrach profitiert hier unter anderem von Ausgleichsmaßnahmen für den Bau der Windkraftanlagen Sailershäuser Wald. „Regenrückhaltung funktioniert aber nur, wenn es auch regnet“, ist das ernüchternde Fazit des Forstmanns. Noch mehr als der Regen fehlt der Tau, der im Wald eine sehr große Rolle spielt. Wenn aber im Sommer über Wochen der Himmel strahlend blau ist, dann gibt es keinen Tau.

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