Politik
Mehrere Krisen zugleich: Was jetzt zu tun ist
Wegen der anhaltenden Trockenheit musste das Getreide notgeerntet werden. Es staubte, wenn Landwirte mit ihren schweren Maschinen über die Äcker fuhren.
Wegen der anhaltenden Trockenheit musste das Getreide notgeerntet werden. Es staubte, wenn Landwirte mit ihren schweren Maschinen über die Äcker fuhren.
Foto: Julian Stratenschulte, dpa
F-Signet von Redaktion Fränkischer Tag
Haßfurt – Staatssekretärin Manuela Rottmann spricht beim Rotary Club Haßfurt über teure Nahrungsmittel, Artensterben und Klimawandel.

Was die Landwirtschaftspolitik jetzt tun muss angesichts teurer Nahrungsmittel, des Artensterbens und des Klimawandels, darüber machte sich die lokale Bundestagsabgeordnete und Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, Manuela Rottmann (Bündnis 90/Die Grünen), Gedanken, als sie kürzlich beim Rotary Club Haßfurt zu Gast war. Die Frage, wie teuer Nahrungsmittel in Deutschland wirklich sind, muss nach Ansicht von Rottmann im europäischen Vergleich gesehen werden. Tatsächlich liege Deutschland in der EU auf dem drittletzten Platz, was den Anteil der Ausgaben für Lebensmittel eines Haushaltes angehe.

Schon vor dem Ukraine-Krieg seien in Deutschland die Lebensmittelpreise gestiegen

Durch die Corona-Pandemie seien bestehende Lieferketten erheblich gestört worden und so seien schon vor dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine auch in Deutschland die Lebensmittelpreise gestiegen. Rottmann: „Die Lage in der Ukraine hat diesen Prozess natürlich noch einmal beschleunigt.“

Warum die gestiegenen Lebensmittelpreise nicht bei den Bauern ankommen

Andererseits kämen die gestiegenen Preise kaum bei den Erzeugern an, da die Betriebskosten in der Landwirtschaft durch den Preisanstieg der fossilen Brennstoffe, auch durch die Kosten von Mineraldünger und Pflanzenschutzmittel in die Höhe getrieben würden. Die Zeiten von teilweise sehr günstigen Lebensmitteln in Deutschland seien daher wohl vorerst vorbei. Die Preisdynamik im Jahr 2021 war extrem“, sagte Rottmann. „Allerdings blieben Biolebensmittel von dieser Entwicklung fast unberührt, da hier die Kostensteigerungen für Mineraldünger und Pflanzenschutzmittel keine große Rolle spielen.“

Manuela Rottmann ist seit Dezember Staatssekretärin im Bundeslandwirtschaftsministerium.
Manuela Rottmann ist seit Dezember Staatssekretärin im Bundeslandwirtschaftsministerium.
Foto: Thomas Trutschel

In Europa wird es nach Rottmanns Ansicht trotz der dramatischen Entwicklungen wohl keine Nahrungsmittelkrise geben. Ganz anders sehe es leider in vielen Ländern Afrikas aus, die am Ende der globalen Lieferketten stehen.

„Die Klimakrise kann nicht allein durch die Landwirtschaft gelöst werden“

Verstärkt würden diese Entwicklungen durch die fortschreitende Klimakrise. Rottmann: „Der Klimawandel zeigt sich gerade in unserer Region durch die extreme Trockenheit, die auch der hiesigen Landwirtschaft große Sorge bereitet. Diese Krise kann aber nicht durch die Landwirtschaft alleine gelöst werden. Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.“

Natürlich sei es wichtig, dass jede und jeder sorgsam mit Lebensmitteln umgeht („Lebensmittel sind zu gut für die Tonne“), betonte die Bundestagsabgeordnete aus Hammelburg, allerdings sei es auch Aufgabe der Politik, für „wahre Preise“ zu sorgen und den Verbrauchern dadurch bessere und transparente Informationen über die tatsächlichen Kosten von Lebensmitteln zu geben.

Ihre Autos müssten die Menschen auf dem Land selbst finanzieren, während der ÖPNV öffentlich finanziert werde

Gerade im Kampf gegen den Klimawandel und für die Wertschöpfung im ländlichen Raum sei der Einsatz von Erneuerbaren Energien essenziell. Ein leuchtendes Beispiel sei hier der Landkreis Haßberge. Und auch im öffentlichen Nahverkehr lägen noch viele Potenziale. Bayern liege hier leider weit hinter anderen Bundesländern zurück. Im ländlichen Raum seien die Menschen oft abhängig vom Auto, welches sie selbst finanzierten, während in großen Städten mit dem ÖPNV ein adäquater Ersatz zur Verfügung stehe, der öffentlich finanziert werde. Hier brauche es eine Umverteilung. Die allermeisten Menschen im ländlichen Raum würden auch in Zukunft zumindest teilweise auf das Auto angewiesen sein. Rottmann meinte allerdings: „Es müssen Alternativen geschaffen werden, damit viele wenigstens auf das Zweit- oder Drittauto verzichten können, da diese die meiste Zeit ohnehin viel zu teuer in der Garage stehen.“

Lesen Sie weitere Artikel zum Thema Landwirtschaft:

Lesen Sie mehr zu folgenden Themen:
Inhalt teilen

Oder kopieren Sie den Link: