Selbst kleine Probleme können bekanntlich manchmal große Folgen haben. Diese einfache Binsenwahrheit gilt selbst für mutmaßliche Drogenbanden, wie erst kürzlich am Nürnberger Landgericht in epischer Breite zu bewundern gewesen ist. Doch der Reihe nach.
Drogendealer-Bande aus Höchstadt vor Landgericht Nürnberg
Anstatt sich auf Ausbildung oder Schule zu konzentrieren, sollen drei junge Höchstadter aus dem malerischen Aischgrund versucht haben, das ganz große Ding zu drehen. Seit Ende September muss sich das Trio um den angeblich 24-jährigen Chef der Dealergang wegen bandenmäßigen Handelstreibens mit Amphetamin, Kokain und Marihuana vor dem Landgericht in Nürnberg verantworten.
Kriminelle bauen in Höchstadt Drogenring auf
Gemeinsam mit einem gleichaltrigen Handlanger und einem 27-jährigen Komplizen soll der Hauptangeklagte Anfang 2023 auf die Idee gekommen sein, neben dem Aischgrund auch den Großraum Nürnberg im großen Stil mit Rauschgift zu versorgen. Dazu soll der Boss der Bande ein „komplexes Liefersystem“ aufgebaut haben, um die heiße Waren im großen Stil weiterverkaufen zu können.
Um sich von Lieferanten unabhängiger machen zu können, soll die Gruppe rund um die beschauliche Perle im Aischgrund hunderte Cannabis-Pflanzen gezüchtet haben. Neben der alten Scheune eines fränkischen Bauern sollen auch moderne Lagerräume im Ballungsraum als Lager- und Umschlagplatz eine Rolle in der ausgeklügelten Geschäftsstrategie gespielt haben.
Wie im Drehbuch zur US-Erfolgsserie „Breaking Bad“
Dieser kriminelle Ehrgeiz erinnert an das Drehbuch zur US-Erfolgsserie „Breaking Bad“, in der sich bekanntlich ein todkranker Chemielehrer von den Verlockungen des schnellen Drogengeldes vom rechten Weg abbringen lässt. Dass eine Rückkehr zum Pfad der Tugend möglich ist, hätten die Angeklagten wohl schon gerne Anfang Oktober demonstriert.
Doch aus Krankheitsgründen musste der Richter zwei Verhandlungstermine platzen lassen. Mit der Folge, dass sich der vermeintliche Bandenchef mit den imposanten Tattoos auf den Händen erst jüngst erneut im Gerichtssaal im adretten Sakko präsentieren durfte.
Die Schuld für die Verzögerungen hat Richter Bernd Zuber beim Re-Start des Prozesses – an dem eigentlich schon das Urteil hätte fallen sollen – schnell auf seine Kappe genommen. „Ich bin heute immer noch nicht fit“, sagte Zuber im Hinblick auf seinen Gesundheitszustand.
Sorgen um weiteren Prozessverlauf am Landgericht Nürnberg
Mehr Sorgen als tropfende Nasen oder geschwollene Mandeln hatte sich Zuber allerdings im Hinblick auf den weiteren Prozessverlauf gemacht. „Wir müssen neue Termine finden und alle Beteiligten unter einen Hut bringen“, hatte Zuber die Größe der Aufgabe seufzend umrissen und den Angeklagten gleich die Hoffnung genommen, dass eine Prozessaussetzung beispielsweise bis Anfang nächsten Jahres automatisch zum Hafturlaub führen könnte.
Zunächst haben Ankläger, Richter und Verteidiger hinter verschlossenen Türen beraten, wann die nächsten Sachverständigen gehört und die nächsten Zeugen geladen werden könnten. Nach einer knappen halben Stunde durfte das Publikum der schwierigen Fahndung nach neuen Terminen wieder beiwohnen.
„Breaking Bad“-Bande aus dem Aischgrund
Nach mehr als einer Stunde haben sich die Prozessbeteiligten schließlich darauf geeinigt, dass Ende Oktober der Prozess um die angebliche „Breaking Bad“-Bande aus dem Aischgrund fortgesetzt werden kann. Wenn keiner kurzfristig krank wird. Vielleicht wird es den Angeklagten später nochmal helfen, dass das Trio zum würdevollen Gelingen der zeitraubenden Terminsuche mit lautlosem Stillsitzen ziemlich viel beigetragen hat.
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