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„Breaking Bad“ im Aischgrund
Kriminelle bauen in Höchstadt europaweiten Drogenring auf
Erntereife Cannabis-Pflanzen: In Höchstadt und Burgebrach soll die Drogenbande rund 120 dieser „berauschenden“ Pflanzen gezüchtet haben.
Erntereife Cannabis-Pflanzen: In Höchstadt und Burgebrach soll die Drogenbande rund 120 dieser „berauschenden“ Pflanzen gezüchtet haben. // Christian Charisius, dpa
Höchstadt a. d. Aisch – Von Höchstadt aus haben Kriminelle einen Drogenring betrieben und mehrere hunderttausend Euro damit verdient. Wie ausgeklügelt ihr Liefersystem war, kommt nun am Landgericht Nürnberg ans Licht.

Als Drogensumpf ist der malerische Aischgrund bislang nicht bekannt. Das hat ein 24-jähriger Azubi aus Höchstadt an der Aisch (Landkreis Erlangen-Höchstadt) offensichtlich gemeinsam mit zwei Komplizen ändern wollen. Seit Dienstag muss sich die Drogendealergang vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth wegen bandenmäßigen Handeltreibens mit Amphetamin, Kokain und Marihuana verantworten.

Fast wie in der Serie „Breaking Bad“

Anstatt im Aischgrund mit der Angel auf Karpfenjagd zu gehen, hat der 24-jährige Azubi aus Höchstadt offensichtlich zu viel „Breaking Bad“ geschaut. Fast wie in der amerikanischen Fernsehserie über ehrgeizige Drogendealer soll der Kopf des Trios spätestens Anfang 2023 auf die Idee gekommen sein, neben dem Aischgrund auch den Großraum Nürnberg im großen Stil mit Rauschgift zu versorgen. Um das florierende Geschäft auf die Beine zu stellen, soll der Azubi nicht nur Freunde und Bekannte aus Arbeit und Schule angeheuert haben. Laut Staatsanwaltschaft soll der Hauptangeklagte auch ein „komplexes Liefersystem“ aufgebaut haben.

Ecstasy und Kokain aus Frankfurt

Über verschiedene Lieferschienen sollen die verschiedenen Drogen den zunächst verborgenen Weg in den Aischgrund angetreten haben. Ecstasy und Kokain sollen aus dem nahen Frankfurt beschafft worden sein. Cannabis sei laut Anklage in rauen Mengen in Spanien bestellt worden. Um die Nachfrage insbesondere nach Marihuana befriedigen zu können, soll ein fast gleichaltriger Schüler aus Höchstadt gemeinsam mit dem Bandenchef dazu übergegangen sein, die Cannabis-Pflanzen selber anzubauen.

Im Strafjustizzentrum in Nürnberg wird der Fall verhandelt.
Im Strafjustizzentrum in Nürnberg wird der Fall verhandelt. // Nikolas Pelke

Allein in Höchstadt sollen 20 Marihuana-Pflanzen um die Wette geblüht haben. Im nahen Burgebrach im Nachbarlandkreis Bamberg soll die Drogengang sogar knapp 15.000 Euro in eine professionelle Aufzuchtanlage investiert und rund 100 Cannabis-Pflanzen zur Sicherung des Drogennachschubs regelmäßig eigenhändig gezüchtet und geerntet haben. Die Anklage ist sich sicher, dass sich die dreiköpfige Bande mit dem Eigenanbau von Betäubungsmittellieferanten unabhängig machen wollte.

Lager für Marihuana und Kokain

Trotz der fleißigen Gärtnerei soll das Trio aber weiter fleißig Bestellungen im Ausland aufgegeben haben. Laut den Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft hatten die Dealer besonders viele Drogen in Spanien geordert. Zum Zwischenbunkern der heißen Postpakete sollen die Angeklagten verschiedene „Selfstorage“-Lager in Nürnberg und Erlangen unter falschem Namen genutzt haben. Auf die Spur dieser Masche sind die Ermittler offensichtlich durch das Auffinden der Lieferscheine gekommen.

Aufgrund der wachsenden Warenbestände soll die Gruppe versucht haben, neben den Verstecken in Höchstadt an der Aisch einen weiteren „Drogenbunker“ in einer Scheune im benachbarten Lonnerstadt anzulegen. Für das besonders wertvolle Kokain soll die Bande eine abschließbare Metallkiste als Lagerort benutzt haben, zu der neben dem Boss nur der Vizechef einen Schlüssel hatten. Als im November letzten Jahres plötzlich um 15 Uhr die Polizei in Höchstadt bei der Gang vor der Tür steht, finden die Beamten neben mehr als sechs Kilogramm Marihuana und etwa 500 Ecstasy-Tabletten auch mehr als 800 Gramm Kokain.

Prozess am Landgericht in Nürnberg

Wie lukrativ die illegalen Geschäfte gewesen sein müssen, beweist schon die Höhe des sichergestelltes Bargeldes. Allein beim Boss der Bande soll Bargeld in Höhe von mehr als 40.000 Euro gefunden worden sein. Mit den Drogendeals soll der 24-Jährige insgesamt mehr als 350.000 Euro in nur knapp zwölf Monaten „verdient“ haben. Für den Prozess sind vier Verhandlungstage vorgesehen. Das Urteil soll noch im Oktober vor dem Landgericht gesprochen werden.

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