Ein kostenloses Tattoo für den guten Zweck? Da lassen sich die Tätowierer des Adelsdorfer Studios Double XX Tattoo rund um Chef Marcus Fleischmann nicht zweimal bitten.
„Die Aktion geht von einem anderen Tätowierer aus“, erzählt Fleischmann in seinem Studio am Marktplatz. Denn der bekannte Tätowierer Jimmy-Dean Laubinger, auch bekannt als Jers, habe eigene Erfahrungen mit dem Thema Stammzellenspende gemacht, als seine dreijährige Tochter wegen einer Erkrankung eine Spende brauchte. „Und er hat festgestellt, dass es gar nicht so leicht ist, einen Spender zu finden. Daraufhin hat er diese Aktion ins Leben gerufen, TwinWin. Er hat einen Aufruf gestartet und eben gefragt, welche Studios mitmachen würden“, sagt Fleischmann.
Stammzellenspende: Kostenlose Tattoos in 250 Studios
Eigens für die Aktion hat Jers ein Motiv kreiert, das sich aus einem DNA-Strang und dem Sternzeichen Zwilling zusammensetzt, da es bei der Stammzellenspende darum geht, den genetischen Zwilling zu finden.
Rund 250 Studios nehmen nach Angaben der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) deutschlandweit an der Aktion teil. „Ich finde, das Thema Stammzellenspende ist schon einigen ein Begriff, aber es geht oft ein wenig unter. Organspende zum Beispiel ist sehr präsent, aber bei Stammzellenspende fehlt die Aufklärung“, sagt Fleischmann. Dabei erhalte nach Angaben der DKMS weltweit alle 27 Sekunden ein Mensch die Diagnose Blutkrebs, für viele davon sei eine Stammzelltransplantation die einzige Heilungschance.
TwinWin: Wieso Double XX aus Adelsdorf dabei ist
Mit der Teilnahme an der Aktion will das Team aus Adelsdorf nun Aufmerksamkeit für das Thema generieren. „Wir hoffen, dass sich ein paar Leute dafür interessieren und vielleicht auch registrieren lassen. Wir haben an dem Tag auch die Möglichkeit, dass man sich bei uns direkt registrieren lassen kann“, erklärt Fleischmann.
Für die Aktion selbst sei das Team am Samstag, 20. September, zu viert im Einsatz. Anmelden müssen Interessierte sich nicht. „Es läuft wie beim klassischen Walk-in. Man kann einfach vorbeikommen. Wir haben jetzt mal von 10 bis 16 Uhr festgesetzt, es geht dann der Reihe nach“, erklärt Fleischmann. Das Tattoo an sich koste nichts, doch eine Spende für die DKMS sei gern gesehen. Einen Mindestbetrag gebe es nicht. „Aber wir hoffen natürlich, dass ein bisschen was zusammenkommt“, sagt Fleischmann.
Tätowierer Marcus Fleischmann hofft auf viele Teilnehmer
Mit rund 40 Tattoos rechnet das Team, 15 bis 20 Minuten sind für ein Tattoo geplant. „Wenn der Andrang aber zu groß ist, hängen wir gern auch eine Stunde dran“, sagt der Tätowierer. Die Rückmeldung sei bisher sehr gut, sowohl von Stamm-, als auch von neuen Kunden. Im Prinzip, so Fleischmann, sei das Tattoo eher ein Gimmick obendrauf. „Man kann natürlich auch kommen und sich registrieren, ohne sich das Tattoo stechen zu lassen“, betont er.
Alle Informationen zur Stammzellenspende finden sie hier:
„Die Registrierung und die Tätowierung sind zwei verschiedene Dinge und das eine ist nicht die Voraussetzung für das andere“, betont auch die DKMS auf ihrer Homepage. „Die Freiwilligkeit bei der Registrierung ist uns sehr wichtig.“ Diese wickelt übrigens das Team des Double XX ab. „Die Leute müssen sich um nichts kümmern“, sagt Fleischmann. Die Registrierung an sich sei einfach, man müsse nur mit Wattestäbchen Proben aus dem Wangenraum entnehmen. Um die Datenerhebung kümmere sich das Studio.
„Man muss auch dazu sagen: Sollte man als potenzieller Spender in Frage kommen, wird man von der DKMS direkt kontaktiert. Dann gibt es ohnehin nochmal ganz genaue Untersuchungen. Da wird alles gecheckt, um zu schauen, ob man wirklich in Frage kommt“, sagt Fleischmann. „Und wenn man sich tatsächlich für die Spende entscheidet, kümmert sich die DKMS um alles. Man hat keine Kosten.“
Stammzellenspende: Kunde berichtet von Erfahrung
Während Fleischmann erzählt, betreten mehrere Kunden den gemütlichen Warteraum des Studios. „Ich habe auch schon gespendet“, sagt ein junger Mann unvermittelt. Er möchte seinen Namen nicht öffentlich lesen, doch stimmt zu, seine Geschichte zu teilen. „Man hat ein gutes Gefühl dabei“, sagt er.
Er sei schon seit Jahren registriert, sei viermal typisiert worden, dann habe es aber doch nicht geklappt – bis jetzt. „Bei mir wurde über den Beckenkamm entnommen“, berichtet er. „Wenn ich helfen kann, wieso nicht? Vor allem, wenn es so einfach ist. Es ist was, was kurz ein wenig unangenehm wird bei der Spende. Aber im Nachhinein, wenn man weiß, was man damit bewirkt hat, ist das lächerlich.“ In zwei Jahren könne er den Empfänger vielleicht kennenlernen. „Bisher weiß ich nur: Es war ein sechsjähriges Kind“, erzählt er. „Ich würde es jederzeit wieder machen.“
Weltkindertag: Kostenlose Klebetattoos für die Kleinen
Für Samstag hofft Fleischmann auf viel Zulauf und vor allem viele Registrierungen. Um die Aktion noch ein wenig ansprechender zu gestalten, hat das Team sich einiges überlegt. Sitzgelegenheiten im Freien und ein Pizza-Wagen sollen das Warten so angenehm wie möglich machen. Um auch die Kinder abzuholen – immerhin ist der Samstag auch der Weltkindertag – gibt es für sie kostenlose Klebetattoos.
„Wir haben schonmal bei solchen Aktionen mitgemacht“, sagt Fleischmann. „Aber noch nie etwas in der Größenordnung.“ Für ihn sei es wichtig, seinen Teil beizutragen. „Wir sind alle Familienväter und -mütter, auch wenn es viele nicht glauben“, sagt er schmunzelnd. „Wenn du selber mal betroffen bist, was Gott sei Dank bisher nicht der Fall war, ist man ja auch froh, wenn einem geholfen wird. Ich finde es wichtig, ab und zu mal etwas zurückzugeben. Wenn sich nicht jeder nur um sich kümmern würde, hätten wir bestimmt ein paar Probleme weniger.“

















