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Christopher Street Day
Programm, Sicherheit, Motto: Alle Infos zum CSD in Erlangen
CSD Erlangen 2024
Am 20. September soll Erlangen wieder bunt werden. // Foto: Katharina Steinhäuser/Archiv
Erlangen – Zum sechsten Mal verwandelt sich Erlangen am 20. September in eine Hochburg aus Regenbogenfarben: Über 3000 Teilnehmende werden beim Christopher Street Day erwartet. Alle Infos zur Veranstaltung.

Am 20. September sollen die Straßen Erlangens wieder in allen Farben des Regenbogens erstrahlen: Der Christopher Street Day (CSD) soll mit mehr als 3000 Teilnehmenden zelebriert werden. 

„Wir haben schon beim Rahmenprogramm, den Pride Weeks, viele bunte Veranstaltungen und mehr Kooperationen als in den letzten Jahren“, verrät Iris Klopfer vom Vorstand des Vereins Makeyourtownqueer e.V., der den CSD in Erlangen organisiert.

Buntes Programm bei Pride Weeks Erlangen

Am Abend vor dem CSD findet traditionellerweise der queere Barabend im Wörner statt. „Das ist immer eine ganz schöne Nummer“, sagt Klopfer. „Da ist die Stimmung ein bisschen entspannter als beim CSD selbst, man kommt nett ins Gespräch und schon in Pride-Stimmung.“ Durch den Abend führen die Drag Queens Candy Mel Cockwell und MissCee. 

Und auch beim CSD selbst soll es für die Teilnehmenden ein volles Programm geben. Ab 13 Uhr startet die Demo am Schlossplatz, gefolgt von Straßenfest. Neben Oberbürgermeister Florian Janik, der wieder Schirmherr für die Veranstaltung ist, sollen die Omas gegen Rechts, Lukas Geyer vom Verein und die bekannten Erlanger Poetry Slammer Cris Ortega und Hannah Haberberger auf der Bühne sprechen. „Komödiantisch und politisch“ soll es beim Auftritt des Drag Kings Hoeratio Belvedere werden, während die Drag Queen Robyn Caskets oft feministisch unterwegs ist, wie Klopfer sagt. 

CSD Erlangen: Bühnenprogramm mit Drag Queens und Livemusik

Für gute Stimmung auf der Bühne soll außerdem die Band „The Titty Twisters“ aus der Nähe von Stuttgart sorgen. „Das Tolle ist, dass das eine FLINTA*-Band ist“, sagt Klopfer. Denn gerade die Musikszene sei oft eher männlich dominiert. (Anmerkung der Redaktion: „FLINTA*“ ist ein Akronym, das für Frauen, Lesben, intergeschlechtliche, nichtbinäre, transgeschlechtliche und agender Personen steht.)

CSD Erlangen 2024
So bunt war der Christopher Street Day 2024 in Erlangen. // Katharina Steinhäuser

Die größte Änderung zum Vorjahr dürfte der Veranstaltungsort sein. Anders als in den vergangenen beiden Jahren findet der CSD nämlich nicht mehr am Rathausplatz, sondern wieder am Schlossplatz statt – worüber das Organisationsteam sich besonders freut. „Der Schlossplatz ist mehr im Stadtzentrum und sorgt für mehr Sichtbarkeit, das ist ja das Hauptanliegen, das man mit einem CSD erreichen möchte“, sagt Klopfer. „Sichtbarkeit schafft Sicherheit. Alle Menschen, die im Verborgenen sind, kann man eher diskriminieren, da kann leichter Gewalt passieren.“

Deutschlandweites Motto der CSDs: Nie wieder still

Besonders wichtig ist dem Verein das Motto, unter dem in diesem Jahr alle CSDs in Deutschland stattfinden: „Nie wieder still.“ „In Anbetracht dessen, dass sich die politische Situation leider zuspitzt, dass das Grundklima sehr aufgeheizt ist, können wir auf keinen Fall leise sein. Wir können nicht aufhören, für queere Rechte zu kämpfen, solange nicht alle Menschen gehört werden, solange nicht alle Menschen die gleichen Rechte haben und alle ihr Leben so leben können, wie sie es möchten, ohne Hass und Diskriminierung“, betont Klopfer.

Vor allem die Tatsache, dass alle CSDs zusammen hinter diesem Motto stehen, sei wichtig. „Wir müssen alle zusammenhalten und uns gegenseitig unterstützen, weil wir ja alle für das Gleiche kämpfen“, so Klopfer. 

Sicherheit beim CSD: Security und Awareness-Teams unterwegs 

Gerade weil die politische Lage sich verändert und es wieder öfter zu Anfeindungen gegen queere Personen kommt, machen die Veranstalter sich viele Gedanken über das Thema Sicherheit. „Wir möchten für die Sicherheit der Teilnehmenden sorgen, gleichzeitig können wir natürlich nie was garantieren“, gibt Klopfer zu. Immerhin: Von offiziell angemeldeten Gegendemonstrationen, wie es sie im vergangenen Jahr gab, wisse das Organisationsteam bisher nichts. 

CSD Erlangen 2024
So bunt war der Christopher Street Day 2024 in Erlangen. // Katharina Steinhäuser

An sich sei der CSD ein safer space, so Klopfer. „Wir sind so viele Leute – viele Leute, die sich solidarisieren und gegenseitig unterstützen. Was Diskriminierung angeht, ist die Wahrscheinlichkeit am CSD sehr gering.“ Mehr Sorgen bereite dem Team da die Anreise, zum Beispiel in öffentlichen Verkehrsmitteln. Der Verein rät Teilnehmenden daher dazu, sich in Grüppchen zusammenzutun. Auch die Möglichkeit, erst im Queeren Zentrum in Erlangen Outfit und Make-up anzulegen, gebe es. 

Auch ohne die konkrete Drohung einer Gegenveranstaltung gebe es ein durchdachtes Sicherheitskonzept „Wir haben in diesem Jahr eine tolle Förderung bekommen“, verrät Klopfer. „Wir werden einen Sicherheitsdienst da haben. Außerdem gibt es Awareness-Teams sowie Ordnerinnen und Ordner, die noch geschult werden, worauf zu achten ist. Das Sicherheitskonzept verbessert sich von Jahr zu Jahr.“ 

Awareness-Teams sind Ansprechpartner

Die Awareness-Teams seien im Übrigen nicht nur für Notfälle da. An ihren lila Warnwesten erkennbar sollen diese Teams „Teilnehmende supporten“ und das könne ganz unterschiedliche Ausprägungen haben.  „Die haben auch immer sowas wie Traubenzucker, Müsliriegel oder Ohropax dabei“, sagt Klopfer. „Man kann sie wirklich auch dann ansprechen, wenn es einem einfach gerade zu laut oder zu viel ist oder man einen Schluck Wasser braucht.“ Auf der Homepage und in den sozialen Medien des Vereins soll vor dem CSD auch noch eine Telefonnummer veröffentlicht werden, unter der die Teams während der Feier erreichbar sind. 

Eine besondere Aktion findet sogar noch vor dem CSD statt, erzählt Klopfer. Im Rahmen der Pride Weeks gibt es am 16. September von 18 bis 20 Uhr ein kostenloses HIV- und STI-Testangebot im Queeren Zentrum. Interessierte können sich dafür auch anonym anmelden. 

Erlangens OB Florian Janik ist Schirmherr des CSD

Obwohl die Organisation der Pride Weeks und des CSD bei Makeyourtownqueer e.V. liegt, macht auch die Stadt Erlangen in den sozialen Medien immer wieder auf die Veranstaltungen aufmerksam. „Die Stadt Erlangen hat das Stadtmotto ‚Offen aus Tradition‘ und setzt sich seit vielen Jahren für Gleichberechtigung und Vielfalt ein“, schreibt Stadtsprecher Christofer Zwanzig dazu auf Nachfrage dieser Redaktion. 

Am Programm der Pride Weeks beteilige sich die Stadt mit einem Rathaus-Empfang, außerdem unterstütze die Stadt den queeren Poetry Slam im E-Werk. Unter ihren Beiträgen auf Facebook und Instagram hatte die Stadt in den vergangenen Tagen viel Kritik einstecken müssen. So waren einige Nutzer der Meinung, die Stadt solle in der aktuell angespannten finanziellen Lage kein Geld für diesen Zweck ausgeben. Zwanzig hingegen verweist darauf, dass die Stadt „die Ausgaben im Rahmen der Pride Weeks, wie auch in anderen Bereichen, an die schwierige Haushaltssituation angepasst“ habe. Für den CSD hingegen trage die Stadt selbst keine Kosten. 

Teilnehmende des CSD in Erlangen müssen die Regenbogenfahnen nach dem 20. September übrigens noch nicht wieder wegpacken, denn in diesem Jahr ist der CSD-Kalender in der Region um eine Veranstaltung reicher geworden: Genau eine Woche nach dem Termin in Erlangen, am 27. September, will erstmals auch die queere Community in Herzogenaurach einen eigenen Christopher Street Day mit einem Demonstrationszug und einem Straßenfest veranstalten. 

 

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