Ein Teller selbstgebackener Plätzchen steht auf dem Esstisch in der Küche neben einer gerahmten Urkunde und einer kleinen Schatulle. Frisch poliert glänzt das Gold auf dem blauen Samt. „Landkreis Erlangen-Höchstadt Bayern“ steht auf der Medaille, die Evi Derrer lächelnd betrachtet.
„Diese Ehrung ist etwas Besonderes“, sagt die frühere Kreisbäuerin. „Ich habe gar nicht damit gerechnet.“ Denn das Ehrenzeichen, die höchste Auszeichnung des Landkreises, wird nur selten vergeben, zuletzt an Emilie und Manfred Meier aus Heßdorf im Juli 2025 und an Altlandrat Eberhard Irlinger 2022. Seit Ende November darf sich nun auch Evi Derrer über diese Auszeichnung freuen und der Stolz ist ihr anzusehen.
Ehrenzeichen des Landkreises Erlangen-Höchstadt
„Es ist eine große Wertschätzung meiner Arbeit“, sagt die 66-Jährige. Über 30 Jahre lang hat Derrer sich im Landkreis eingesetzt, war Ortsbäuerin, stellvertretende Kreisbäuerin und von 2007 bis 2022 schließlich Kreisbäuerin. „Das Amt habe ich drei Perioden lang ausgeübt – mit Leidenschaft und Herzblut“, sagt sie heute. Angefangen hat alles mit einem sanften Stups der früheren Adelsdorfer Ortsbäuerin Lina Papp. „Sie hat mich damals motiviert. Sie hat immer wieder zu mir gesagt: Wir müssen was machen bei uns im Landkreis“, erinnert Derrer.
Sie strahlt, als sie in ihrer Küche auf dem Bauernhof in Oberwinterbach von ihrer Zeit als Kreisbäuerin erzählt. Von Tagungen, vom Küchlebacken in Gremsdorf und von Weihnachtsfahrten, an denen 250 Frauen teilgenommen haben. „Mit fünf Bussen sind wir gefahren“, sagt Derrer lachend. „Und im Januar wurde ich schon gefragt, wo wir dieses Jahr an Weihnachten hinfahren. Das spiegelt so viel Wertschätzung wider.“
Über 30 Jahre Wirken im Landkreis: Evi Derrer berichtet
Gerade die Weihnachtsfahrten zählen zu ihren schönsten Erinnerungen aus ihren Jahren als Kreisbäuerin. „Um die 30 Fahrten haben wir gemacht, nach Erfurt, nach Weimar, nach Dresden, Leipzig, Zwickau, Regensburg, München“, zählt Derrer auf. Die Fahrten seien beliebt gewesen, immerhin hätten sie Frauen aus dem ganzen Landkreis die Gelegenheit gegeben, zusammenzukommen und sich auszutauschen. Und genau das, so Derrer, sei die Aufgabe einer Kreisbäuerin. „Eine Kreisbäuerin schweißt das Ganze zusammen“, sagt sie. Dabei geht es längst nicht nur um Bäuerinnen. „Landfrauen sind alle Frauen vom Land, jede ist hier herzlich willkommen“, betont die 66-Jährige, die selbst aus einer Landwirtschaft in Lonnerstadt stammt.
Noch heute wird sie oft angesprochen, wenn sie beispielsweise beim Einkaufen ist. Kein Wunder, sagt sie, immerhin war sie im ganzen Landkreis unterwegs, kennt praktisch jeden. „Die Leute sagen mir oft, dass sie mich vermissen“, erzählt Derrer lachend. Ein bisschen Wehmut schwingt in ihren Worten mit, doch die Arbeit in der Öffentlichkeit kostet auch viel Zeit und Kraft. „Das kann man nur machen, wenn die Familie dahintersteht“, sagt Derrer. „Und irgendwann darf man auch einmal sagen: Ich genieße jetzt den Ruhestand. Jetzt sollen sich auch die jungen Leute einbringen.“
Ehemalige Kreisbäuerin fordert mehr Zusammenhalt
Einen Wunsch will sie künftigen Generationen aber noch mit auf den Weg geben. Dass gerade der Zusammenhalt für Derrer eines der wichtigsten Güter ist, wird im Gespräch immer wieder klar. „Aber heute ist er nicht mehr so stark wie früher“, sagt Derrer. „Jeder kocht ein wenig sein eigenes Süppchen. Es gibt immer mehr Neid. Ich würde mir wieder mehr Zusammenarbeit und mehr Ehrlichkeit wünschen.“
Für sich selbst nimmt Derrer aus den Jahren im Amt vieles mit. „Das hat mich geprägt. Wenn ich das Amt nicht ausgeführt hätte, wäre ich bei Weitem nicht das, was ich heute bin, auch vom Kopf her. Man lernt so viel dazu. Wir hatten oft einen Ortsobmann dabei, der immer gesagt hat: Dümmer wird man nicht dabei“, erinnert Derrer schmunzelnd. Das Amt hat auf viele Arten ihren Horizont erweitert, sagt sie heute und denkt unter anderem an die Weihnachtfahrten zurück, bei denen es in jeder Stadt eine Stadtführung gab. „Das war mir immer wichtig. Wenn ich in einer fremden Stadt bin, will ich auch was Neues lernen.“
Viele Veränderungen während der Amtszeit
Auch in der Landwirtschaft hat Derrer viele Veränderungen erlebt. „Vor 45 Jahren hatten wir acht Milchviehbetriebe in Oberwinterbach. Heute gibt es keinen mehr. Und das ist im ganzen Landkreis so, nicht nur hier“, sagt Derrer. Umso wichtiger sei der Zusammenhalt auch heute.
Dass ihr nun das Ehrenzeichen verliehen wurde, ist für Derrer etwas ganz Besonderes. „Es war eine wunderschöne Feier, es waren ja um die 60 Leute da. Ich durfte einige Gäste mitbringen und es waren so viele Kreistagsmitglieder da. Und der Landfrauenchor hat gesungen, das war mir sehr wichtig“, erzählt Derrer sichtlich gerührt. „Das ist dann erst zwei, drei Tage später richtig zu mir durchgedrungen, was für eine Ehre diese Verleihung war. Darauf bin ich wirklich stolz.“














