Ihre eigene Begeisterung für den Aischgrund und die Region an ihre Mitmenschen weiterzugeben ist das, was Christiane Kolbet für ihre Arbeit als zertifizierte Gästeführerin brennen lässt. Seit 2015 bringt sie in ihren Touren mit derzeit 30 Themen allen, die es interessiert, Regionales, Sagenhaftes und Kulinarisches per Führung, Wanderung, Radtour, Busfahrt oder Kutschfahrt näher.
Warum sie das tut? Weil sie die Region liebt, in der sie lebt. „Das ist Heimat für mich“, erklärt die studierte Theater-, Medien- und Literaturwissenschaftlerin. Und nachdem die Kinder aus dem Haus waren, suchte sie ein neues Berufsfeld.
Doch woher hat sie ihr Wissen? „Man muss sich einlesen“, berichtet Kolbet. Seminare habe sie besucht und Weiterbildungen.
„Ich sehe mich als professionellen Dienstleiter im Bereich Gästeführung“, erläutert sie. 2024 sollen weitere Themen dazukommen wie beispielsweise eine Wanderung von Uehlfeld über die Egelsbachteiche und Weiherketten nach Schornweisach, kündigt sie an.
Teichkulturwochen: Führung zur Delikatesse
Geplant sei auch das Angebot eines Streifzugs durch Uehlfeld. Die Ideen scheinen ihr nicht auszugehen.
„Man stößt immer auf spannende Dinge, wenn man mit offenen Augen durch die Gegend läuft“, betont sie. „Ich weiß, was die Leute interessiert“, fügt sie hinzu.
An diesem Samstag interessiert die Leute, 20 an der Zahl, die Karpfenteichwirtschaft, die Kolbet im Rahmen der Teichkulturwochen mit einer knapp zweistündigen Wanderung rund ums Wasserschloss Neuhaus vorstellt.
Start ist am Pfarrhaus, in dem der bedeutende Naturforscher Andreas Johannes Jaeckel von 1854 an gelebt hat. Kolbet berichtet über dessen Erkenntnisse, die sich in seinem Buch „Die Vögel Bayerns“ wiederfinden.
7185 Karpfenweiher im Aischgrund
Die Tour führt anschließend zum Wasserschloss und zu den dazugehörenden Weihern. „Das sind planvoll angelegte Anlagen“, erklärt Kolbet.
„Die Karpfenweiher waren Teil der Befestigungsanlagen vom Wasserschloss Neuhaus.“ Laut Kolbet gibt es 7185 Karpfenweiher im Aischgrund zwischen Hallerndorf und Neustadt.
„Die Ältesten stammen noch aus der Zeit von Karl dem Großen“, sagt die Gästeführerin. Interessiert folgen die 20 Damen und Herren den Ausführungen. Im Anschluss an die Tour wird ins Gasthaus Schmidt in Neuhaus eingekehrt.
Der Karpfen wird hier als regionale Spezialität gereicht, die Inhaber Clemens Funke als „Slow Food“ bezeichnet. In allen Monaten mit „R“ werde der Karpfen angeboten.
„Die Gäste aus der Region halten sich auch an die Saison“, erklärt er. Bertram Batz beugt sich über seinen halben Karpfen: „Zuerst hatten wir die Theorie, jetzt kommt die Praxis“, sagt er.
Auch Janine Dorge hat schon Hunger bekommen, als Kolbet während der Tour erklärte, dass der Karpfen nach seinem dritten Sommer schlachtreif sei. Im Gasthaus Schmidt wartet neben gebackenem und gepfeffertem Karpfen sowie Karpfen blau und Karpfenfilet auch Svenja Viertel.
Sie ist als Svenja I. Aischgründer Karpfenkönigin und bekleidet seit 2019 dieses Amt. Zu Beginn lässt sie einen Karpfenstein herumgehen.
„Den findet man im Kopf des Karpfens – und er lässt sich bearbeiten wie Bernstein“, erklärt sie. Eine Legende besage, dass eine getrocknete Karpfenschuppe im Geldbeutel diesen niemals leer werden lasse, weshalb Svenja ihren Freunden und Bekannten jeweils eine geschenkt hat, wie sie berichtet.
Svenja ist die fünfte Karpfenkönigin in dem seit 24 Jahren bestehenden Amt. „Wir haben selbst Teichwirtschaft“, berichtet sie.
„Als Kind habe ich schon immer die Karpfenkönigin bewundert.“ Ihr sei es wichtig, Wissen über die Karpfen weiterzugeben sowie den Karpfen in der Region zu vertreten.
Sie ist stolz auf dieses Aischgründer Produkt. Ein Produkt, dem Kormorane heuer arg zugesetzt haben.
Zehn Weiher hat Svenjas Familie in Schwarzenbach. „Wir haben dieses Jahr 50 Prozent Verlust“, erklärt sie.
„Normalerweise sind es 15 bis 20 Prozent.“ Bei den Setzlingen sehe es noch schlimmer aus.
Fischotter setzt Karpfen zu
„Von den 700 sind nur noch 169 übrig. Das ist ein Verlust von 80 Prozent.“ Svenja erklärt, dass man derartige Verluste maximal drei Jahre verschmerzen könne, dann müsse man sich überlegen, ob sich die Teichwirtschaft noch lohne.
Dass demnächst noch der Fischotter hinzukommen könnte, der dem Karpfenbestand ebenfalls zusetze, sei bedenklich. „Dann stirbt die Teichwirtschaft aus“, prophezeit sie.
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