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Sommerkerwa Herzo
Freiheit und Familientradition
Kai Drliczek mit seiner Verlobten Vivien und „Juniorchef“ DJ.
Kai Drliczek mit seiner Verlobten Vivien und "Juniorchef" DJ. // Verena Stephan
Herzogenaurach – Das Kettenkarussell ist zurück in Herzogenaurach. Die Schaustellerfamilie weiß ihre zurückgewonnene Freiheit nach zwei Jahren Corona zu schätzen.

Die Füße heben vom Boden ab, es geht langsam in die Höhe. Die metallischen Ketten klirren, dann geht es los. Die Sitze schwingen nach außen, es entsteht ein Gefühl von Schwerelosigkeit.

Auf und ab, auf und ab wiegt sich das Kettenkarussell in schwindelerregender Höhe. Fröhliche Musik und funkelnde Lichter begleiten den Flug der Freiheit.

Auf der Herzogenauracher Sommerkirchweih steht seit langem mal wieder so ein Karussell. Der Wellenflug „Volare“ lässt Erwachsene nostalgisch werden und zieht Kinder in den Bann.

„Die Leute sind happy, dass es wieder Feste gibt“, sagt Kai Drliczek, der Schausteller hinter dem Karussell. „Und wir waren auch happy.“ Seit 2017 betreibt der 27-Jährige das Fahrgeschäft gemeinsam mit seiner Verlobten Vivien und Hund „DJ“ – Drliczek Junior.

Zwei schwierige Jahre

Die drei haben zwei schwierige Jahre hinter sich: „Anfang Corona wurden sehr kurzfristig alle Frühjahrsveranstaltungen abgesagt“, sagt Drliczek. „Dann hieß es, im Sommer ginge es bestimmt weiter. Falsch gedacht. Dann haben wir Hoffnung in den Herbst gesetzt, das war auch nichts.“ So sei eine Saison nach der anderen abgesagt worden, ein Tiefschlag hätte den nächsten gejagt.

Die staatlichen Überbrückungshilfen hätten den Betrieb zwar über Wasser gehalten – privat mussten die Schausteller jedoch auch für ihren Unterhalt sorgen. „Wir beide hatten es relativ leicht, weil wir noch jung sind“, sagt der Chef.

„Ich habe Teilzeit in einer Schlosserei gearbeitet und meine Verlobte hat eine Ausbildung zur Steuerfachangestellten begonnen.“ Ältere Schausteller hätten es da sicher schwieriger gehabt. „Diese Zeit in den alltäglichen Berufen hat uns deutlich gemacht, wie sehr wir unsere Arbeit als Schausteller lieben“, sagt Drliczek.

Traditionsreiche Familiengeschichte

Die Familie Drliczek ist seit über 180 Jahren im Schaustellergewerbe. Bereits der Ur-Urgroßvater von Kai Drliczek, der 1878 geboren wurde, reiste mit mehreren Vergnügungsgeschäften durch das Kaiserreich Österreich-Ungarn. In den frühen Sechzigern kam die Familie von Tschechien nach Deutschland.

Bereits 1938 war die Familie Drliczek im Schaustellergewerbe tätig.
Bereits 1938 war die Familie Drliczek im Schaustellergewerbe tätig. // Drliczek

1992 machte sich Robert Drliczek mit dem Riesenrad Orion 3 selbstständig und begann, gemeinsam mit seiner Frau Alexandra und Sohn Kai, süddeutsche Volksfeste zu bereisen. Eben dieses Riesenrad stand 2014 auch schon auf dem Festplatz der Herzogenauracher Sommerkirchweih.

In diesem Jahr sind in Herzogenaurach neben Kai Drliczek auch seine Tante Pauline Drliczek mit der „Creperie“ und seine Cousine Anna Drliczek mit dem „Kleinen Ofen“ vertreten. Das zweite Riesenrad Orion II betreibt seit 1999 Robert Drliczeks Bruder Michael. Das Orion II ist vor allem in Forchheim sehr bekannt, wo es seit Jahren einen Stammplatz auf dem Annafest hat.

Faszination Karussell

1620 schreibt der Engländer Peter Mundy in seinen Notizen erstmals von einem Karussell. Er beschreibt seine Beobachtungen in der osmanischen Stadt Philippopolis, dem heutigen Plowdiw in Bulgarien, folgendermaßen: „Es ähnelt einem großen Wagenrad, an dessen Außenseite kleine Sitze befestigt sind, worin die Kinder sitzen. Das Rad beginnt, sich horizontal zu drehen, und sie kreisen herum.“

1972 entwickelte der Konstrukteur Franz Schwarzkopf den ersten „Wellenflug“. Bei dieser Art von Kettenkarussell fliegen die Fahrgäste in wellenförmigen Bewegungen durch die Luft.

Das größte Kettenkarussell der Welt steht seit August 2020 in Deutschland. Der „Allgäuflieger“ im Skyline Park kommt auf eine Rekordhöhe von 142 Metern.

 

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