Am vergangenen Freitagabend war die Bevölkerung zu einem sehr bewegenden Abend mit jiddischen Liedern und Texten über Verfolgung, Protest, Mut und Überlebenswillen eingeladen. Zwei interessante Informationswochen hatte die Kolpingsfamilie Höchstadt zusammen mit der Katholischen Erwachsenenbildung – KAB-Bamberg in der Kulturfabrik in Höchstadt auf die Beine gestellt. „Wir haben die Karikaturenausstellung ’#Antisemitismus für Anfänger’“, die vom 9. bis 22. September hier im Heizhaus zu sehen war, organisiert und dazu ein interessantes Rahmenprogramm gestaltet“, so Rudolf Weißmann, ehemaliger Diözesan-Vorsitzender und jetzt Bildungsbeauftragter der Kolpingfamilie Höchstadt. Die Ausstellung ist Eigentum des Ariella-Verlags.
Auf 25 Stelen waren Karikaturen von etlichen Cartoonisten, die wenigsten sind Juden, auf Roll-ups angebracht, die im Heizhaus zu sehen waren „Humor ist einer der wichtigsten Aspekte des Judentums“, so Ben Gershon, einer der Cartoonisten. In der Ausstellungszeit bestand für Schulen die Möglichkeit, kostenlose Workshops zu buchen. Vom Gymnasium nahmen an diesen Workshops 105 Schüler, von der Berufsfachschule 50, von der Fachakademie 77, von der BOS Erlangen 130 Schüler und von Martin Bauer zehn Azubis teil. Am Nachmittag waren kostenlose Führungen für altersunabhängige Gruppen im Angebot.
Kultur in Höchstadt: Judentum aus Osteuropa
„Die Besucherzahlen hätten etwas höher sein können, aber das Interesse der Schulen war sehr erfreulich. Dies zeigt das Verantwortungsbewusstsein unserer Bildungseinrichtungen“, so Weißmann zufrieden. „Ich vermute aber auch, dass das Thema einfach zu schwierig ist und deshalb die Besucher nicht so zahlreich kamen wie erwartet“, fügte er etwas bedauernd an. Das Rahmenprogramm hatte ein Orga-Team aus Mitgliedern der KAB und der Kolpingsfamilie erstellt. Auch am vergangenen Freitag, an dem die Fürther Klezmerband „Passage“ in Zusammenarbeit mit der Literaturbühne Forchheim mit Rainer Streng und Julia Seidel unter dem Thema „Erinnern für die Zukunft“, ebenfalls im Heizhaus gastierte, gab es etliche freie Plätze.
Angesichts der aufgeheizten antijüdischen Stimmung in jüngster Zeit und der aktuellen Bedrohung der Demokratie von rechtsextremen Kräften war es das Ziel und die Aufgabe der Literaturbühne, an diesem Abend Literatur jeglicher Art auf die Bühne zu bringen und für das Publikum sehbar, hörbar und erlebbar zu machen. In den passend dazu ausgewählten Liedern von „Passage“ lagen Lebensfreude und tiefe Trauer oft dicht beieinander. Das erzeugte ein authentisches und lebensnahes Wechselbad der Gefühle, typisch für die Klezmer-Musik, die in ihren Ursprüngen der Volksmusiktradition des aschkenasischen Judentums in Osteuropa entspringt. Die jiddische Musik, kombiniert mit Auszügen aus dem Tagebuch der Anne Frank, aber auch mit Texten von Heinrich Heine, Bertolt Brecht und Erich Kästner, gab Denkanstöße und machte so Mut für Widerstand gegen Ausgrenzung, Diskriminierung, Antisemitismus und Rassismus. Die Sinne sollten, im Hören, Denken, Reden und Handeln, für eine demokratische, friedliche und lebenswerte Zukunft geschärft werden.
Klezmergruppe „Passage“ spielt in Höchstadt
Dorothea Deinlein (Gesang, Akkordeon, Flöte), Günter Deinlein (Gesang, Gitarre), Renate Heinrich (Gesang, Geige) und Andreas Hellmuth (Gesang, Bass) waren sehr authentisch und ihre Musikstücke gingen jedem der Besucher unter die Haut. Flöte und Geige wechselten sich oft mit der Melodie und alle vier Musiker sangen auch manchmal gemeinsam – natürlich auf Jiddisch. Marion Dürr aus Höchstadt war tief beeindruckt: „Ich mag diese Musik sehr. Die Musiker waren mit Leidenschaft dabei und die Texte waren berührend und haben mich tief betroffen gemacht. Für mich stellt sich nun die Frage, wie übernimmt man jetzt dafür Verantwortung?“
Claudia Schulten-Kuth aus Höchstadt schwärmte: „Das Konzert zeigte nur einen kleinen Ausschnitt. Die Klezmermusik verströmt eine Melancholie und die Kombination mit den Texten war einfach berührend. Es gelang der Transfer von Nationalsozialismus von damals zu heute perfekt. Dieses Thema müsste noch mehr in die Öffentlichkeit kommen.“
Andacht mit Kilian Kemmer in Höchstadt
Es gab keine musikalische Zugabe, denn die am Abend gewonnenen Eindrücke und Gefühle sollten die Besucher einfach nahtlos mit nach Hause nehmen. Mit einer Finissage endeten am Sonntag die Informationswochen mit einer ökumenischen Andacht mit Stadtpfarrer Kilian Kemmer und Pfarrer Klaus Eyselein, musikalisch umrahmt vom Vokalensemble Quindici.
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