Wer weiß es? Wie viele Hauptquartiere hat Puma? Wie viele Mitarbeiter weltweit? Und wie viele am Heimatstandort Herzogenaurach? 15 FT-Leser haben es aus erster Hand erfahren – und noch vieles mehr über das Sportunternehmen mit dem Logo der Raubkatze. Denn sie waren eingeladen auf eine spannende Exkursion durch 75 Jahre Firmengeschichte.
Kein Geringerer als Puma-Urgestein Helmut Fischer brachte alle wichtigen Infos anschaulich näher. Zum Schluss gab’s noch das aktuelle Buch von „Mister Puma“ als Gabe obendrein. Ein Erlebnis, das die Beteiligten sichtlich beeindruckte und mitriss.
Anlässlich des Jubiläums hat Fischer, der als ehemaliger Werbechef, heutiger Archivar und Berater die sogenannte Puma-Brücke mit Exponaten bestückt, eine Schau über 75 Jahre Puma zusammengestellt. 15 FT-Leser kamen nun in den Genuss eines der seltenen Rundgänge mit dem Herzogenauracher.
Fischer gab da auch die Antwort auf die Eingangsfragen. Drei Hauptquartiere gibt es: neben Herzogenaurach noch Boston und Hongkong. 22.000 Mitarbeiter umfasst die Puma-Familie weltweit, rund 1700 sind es in Herzogenaurach.
Dort hat die Firmengeschichte im Oktober 1948 begonnen, als Rudolf Dassler das Unternehmen anmeldete. Die Sportschuhgeschichte ist freilich länger, wie auch anhand der ersten Bildtafeln in der Ausstellung zu sehen ist.
Denn die Anfänge setzten, bis zu ihrer Trennung im Streit, die beiden Brüder Rudolf (Puma) und Adolf (Adidas) Dassler. Helmut Fischer hat sie beide gekannt. Puma-Gründer Rudolf, aber auch seinen Bruder. Und warum?
„Weil mein Vater bei Adidas war.“ Fischer, der 1978 zu Puma kam, vier Jahre nach dem Tod des Gründers, als dessen Sohn Armin die Firma leitete, erzählt von einem weiteren Herzogenauracher Bruderstreit.
Auch Rudolfs Söhne Armin und Gerd seien sich nicht gerade grün gewesen, ein Leben lang. Und Fischer stellt Parallelen zum Konkurrenten Adidas her.
Anderthalb Generationen nach der Gründung der Firmen stürzten beide Unternehmen in eine tiefe Krise und wurden an die Macht der Banken abgegeben. Heute ist das alles Vergangenheit, beide sind an der Börse und prägen das Weltgeschehen in der Sportartikelbranche.
Sprung zurück. Wer weiß es? Wer war der erste erfolgreiche Fußballspieler in Dasslerschuhen? Baptist Reinmann ist es gewesen, ein Spieler des 1. FC Nürnberg, der damals besten deutschen Mannschaft. Das war in den 20er Jahren.
Und wo kam er her? Natürlich aus Herzogenaurach. Fischer verschweigt auch nicht, dass Reinmann 1927 auch der schnellste deutsche Fußballer war – mit 11,0 Sekunden auf einhundert Meter. Selbstredend mit Schuhen der Dassler-Brüder.
Sie sind unzertrennbar verbunden mit dem Werdegang einer Sportartikelfirma: die Stars. Helmut Fischer kennt sie fast alle, war er doch auch stets Betreuer der Sportler, die von Puma ausgestattet wurden.
Maradonna bei Puma
Und zu vielen dieser berühmten Zeitgenossen hat er bei seiner Zeitreise eine Anekdote auf den Lippen. Zu Diego Maradona zum Beispiel, dem für Fischer besten Fußballer aller Zeiten.
Einmal, es war 1984, hat der argentinische Fußballstar, zu dieser Zeit in Diensten des SSC Neapel, einen Besuch in Herzogenaurach angekündigt. Er wolle ein paar Freunde mitbringen, sagte er.
Tatsächlich füllte dieses Grüppchen einen ganzen Bus und die Schar der Maradona-Vertrauten deckte sich im Puma-Store mit Schuhen und Kleidung reichlich ein.
Ein fünfstelliger Betrag soll es gewesen sein. Was tun? Puma-Chef Armin Dassler habe auf Fischers Hinweis nur lapidar geantwortet: „Lass sie gewähren. Maradona macht uns nicht arm.“
Sportschuhe zum Abendkleid bei Puma
Auch Boris Becker ist ein enger Vertrauter von „Mister Puma“, so wie auch Jürgen Klopp, den Fischer kennengelernt hat, als Puma erstmals Borussia Dortmund ausrüstete. Auch aus dem Bereich Lifestyle kommen Partner.
Wie Rihanna, Selena Gomez oder Dua Lipa. Oder die Modeschöpferin Jil Sander. 1998 orderte sie 200 Paar Sportschuhe, die man zum Abendkleid anziehen kann, erzählt Fischer.
Für 400 Mark seien diese in ihren Geschäften verkauft worden. Womit keiner gerechnet hat: Die Lifestyle-Schuhe haben sich laut Fischer zu einem wahren Renner entwickelt, letztlich wurden 4000 Paar nachbestellt.
Armin Hary, der erste deutsche Sprinter, der die 100 Meter in handgestoppten 10,0 Sekunden lief, wurde in Puma-Schuhen 1960 Olympiasieger. Erstaunlich daran sei gewesen, sagt Fischer, dass er bis zum Halbfinale noch in Schuhen der Konkurrenz antrat.
Puma: Michael Schumacher schenkt Schuh
Auf die Frage nach den Gründen für den spontanen Wechsel habe er später einmal gesagt: „Ich wollte gewinnen.“ Heute ist Armin Hary 86 Jahre alt, Helmut Fischer kennt ihn persönlich.
Eine traurige Episode erzählt der inzwischen 74-jährige Fischer über Michael Schumacher. 2013 übergab der Formel-1-Weltmeister bei einem Abstecher nach Herzogenaurach einen Ferrari-Schuh an den Archivar.
„Bei dir ist er besser aufgehoben“, habe er gesagt. Kurz darauf ereignete sich sein schrecklicher Unfall beim Skifahren. Es war damals vor zehn Jahren sein letzter Besuch bei Puma. In der Öffentlichkeit konnte Schumacher seit seinem Sturz nicht mehr auftreten.
Die Teilnehmer der Führung berührte beim Betrachten des von Schumacher signierten Schuhs das Schicksal des Rennfahrers besonders. Sie saßen nach der Führung noch lange mit dem Archivar zusammen und sprachen über die Ereignisse.
Bei Puma als Grafiker
Einer entdeckte eine Verbindung zu Fischer: Harald Bogner aus Gößweinstein. Aus seinem Ort habe jemand für Puma als Grafiker gearbeitet. Fischer bestätigte das: „Das war gewissermaßen mein Vorgänger.“
Er war damals mit seiner Werbeagentur extern für Messen und Kataloge zuständig. Eine eigene Werbeabteilung gründete im Unternehmen erst Fischer selbst.
Der Name des Grafikers ist weithin bekannt: Gilbert von Sohlern. Das liegt an seinem Sohn, der auf den gleichen Namen hört und Schauspieler wurde. Als Monsignore Mühlich bei „Pfarrer Braun“ mit Ottfried Fischer ist er Zuschauern der ARD ein Begriff.
Übrigens ist die Burg Gößweinstein Sitz der Adelsfamilie von Sohlern. Bogner, der sich als FT-Austräger besonders über die Teilnahme an der Führung freute, hatte mit den weitesten Anreiseweg.
Schaeffler-Mann bei Puma
Auch Pia Köferlein aus Ebermannstadt scheute die lange Strecke nicht. Sie fand es „einfach cool“, mal nicht nur zum Shoppen herzufahren, sondern „dass man auch mal was sieht, wo nicht alle hinkommen.“ Am weitesten entfernt war Michael Haas aus Höchstadt, als der FT die Führung ausschrieb.
Als E-Paper-Abonnent las er davon in Kalifornien, „irgendwo zwischen Los Angeles und San Francisco“, wie er sagt. Und auf der Puma-Terrasse blickt der langjährige Schaeffler-Mann hinüber zu einem anderen Herzogenauracher Weltunternehmen, dessen grüne Lichter aus der Ferne grüßen.
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