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Uni Erlangen
Gegen Cybercrime: FAU hilft Kriminalpolizei
Mit dem Landesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (LSI) hat Bayern bereits 2017 als laut Innenministerium erstes Bundesland eine eigenständige IT-Sicherheitsbehörde ins Leben gerufen, dessen Kernaufgabe der Schutz und die Gefahrenabwehr ...
Mit dem Landesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (LSI) hat Bayern bereits 2017 als laut Innenministerium erstes Bundesland eine eigenständige IT-Sicherheitsbehörde ins Leben gerufen, dessen Kernaufgabe der Schutz und die Gefahrenabwehr für staatliche IT-Systeme ist. Sie erhalten nun Hilfe aus Räumen der FAU in Erlangen. // Giulia Iannicelli / StMI
Signet des Fränkischen Tags von Nikolas Pelke
Erlangen – Das Internet ist so unsicher wie noch nie zuvor. Das möchten Wissenschaftler aus Erlangen zusammen mit Polizisten nun ändern. Zum Vorbild hat man sich ein erfolgreiches Projekt aus Bamberg genommen.

„Das Risiko, in der digitalen Welt Opfer einer Straftat zu werden, ist so groß wie nie zuvor“, warnte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) bei der Vorstellung des Lagebildes über Cybercrime schon im September in Nürnberg. Er verwies auf einen Höchststand bei der Internetkriminalität im Freistaat und kündigte an, die Cybercrime-Bekämpfung deutlich zu verstärken.

Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass fränkische Spitzenforscher der Friedrich-Alexander-Universität (FAU) in Erlangen-Nürnberg jetzt den bayerischen Spitzenpolizisten vom Bayerischen Landeskriminalamt (LKA) noch stärker unter die Arme greifen sollen. Kürzlich haben LKA-Präsident Harald Pickert und FAU-Präsident Joachim Hornegger im Erlanger Schloss eine Kooperationsvereinbarung unterschrieben.

Gemeinsames wollen Wissenschaftler und Strafverfolger die mehr oder weniger dunklen Computerwelten sicherer machen. Angesichts der wachsenden gesellschaftlichen Bedeutung der Informationstechnologie könnten Cyberverbrecher in den digitalen Weiten immer fettere Beute machen, warnten Pickert und Hornegger bei der Unterzeichnung des Kooperationsvertrages im Bereich der Computer-Forensik.

„Die Kooperation des Bayerischen Landeskriminalamts mit der FAU ist ein weiterer wichtiger Meilenstein und ein Gewinn für beide Seiten. Von der Zusammenarbeit erhoffen wir uns wichtige Impulse, Cyberkriminellen noch konsequenter das Handwerk legen zu können. Die FAU ist weit über Deutschlands Grenzen hinaus bekannt für Wissenschaft und Forschung auf Weltklasseniveau“, teilt Herrmann mit.

Beweise für Cybercrime auf Festplatten   

Früher haben sich die Forensiker bei der Polizei hauptsächlich für Fingerabdrücke oder Patronenhülsen interessiert. Die digitalen Forensiker von heute versuchen dagegen beispielsweise Beweise auf Festplatten und Mobiltelefonen zu sichern. Noch eine deutliche Spur schwieriger ist die Bekämpfung von schädlicher Software.

„Man weiß, dass die Cyberkriminalität durch immer neue Technologien sehr innovativ agiert“, warnen Koryphäen auf dem Gebiet wie Professor Felix Freiling, der sich an der FAU auf seinem Lehrstuhl besonders um Sicherheitsinfrastrukturen für elektronische Datenverarbeitung kümmert. Als Sprecher des Graduiertenkollegs „Cyberkriminalität und Forensische Informatik“ freut sich Professor Freiling besonders über die verstärkte Kooperation.

„Als Strafverfolgungsbehörde muss man natürlich ähnlich innovativ sein, um Schritt halten zu können. Das ist auch eine Frage für die wissenschaftliche Forschung“, betont Freiling und rechnet mit noch tieferen Einblicken „in die tatsächlich bestehenden und neu auftretenden Problemlagen“ durch den künftig noch engeren Austausch mit den Strafverfolgungsbehörden in der täglichen Arbeit.

Die Experten des aktuell wohl herausforderndsten Kriminalitätsbereiches sind sich sicher, dass die Kooperation von LKA und FAU einen großen Mehrwert für eine noch effektivere Verbrechensbekämpfung im Cybercrime bietet.

Strafverfolgung wegen Cybercrime verbessern

Für LKA-Präsident Pickert ist die Zusammenarbeit mit Blick auf die voranschreitende Digitalisierung und die Abhängigkeit von digitalen Systemen ein wichtiger Schritt: „Um einen Sachverhalt der Cyberkriminalität erkennen, rechtlich wie technisch korrekt einordnen und schlussendlich alle verfahrensrelevanten digitalen Spuren forensisch einwandfrei sichern zu können, müssen sich die Strafverfolgungsbehörden fortwährend weiterentwickeln“, sagte Pickert.

Der Schulterschluss zwischen Strafverfolgung und Forschung bietet laut Pickert die Möglichkeit, der Welt der Internethalunken mit praxisorientierter Forschung zu begegnen. Zukünftig können sich die Ordnungshüter im Freistaat darauf freuen, von den Forschern aus Franken die innovativsten Werkzeuge in die Hand zu bekommen, um den Cyberkriminellen noch schneller und noch gründlicher das Handwerk legen zu können.

Vorbild für den Vertrag mit dem LKA ist die laut FAU-Präsident Hornegger „erfolgreiche Kooperation“ mit der seit 2015 bei der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg bestehenden „Zentralstelle Cybercrime Bayern“.  Laut Hornegger bietet die Kooperation die Möglichkeit, den Austausch und die Zusammenarbeit zu vertiefen und auf eine neue Ebene zu bringen.

Forschung und Praxis gegen Cybercrime

„Solche Partnerschaften, die aktuelle Erkenntnisse aus Wissenschaft und Forschung mit der Praxis der Strafverfolgung zusammenbringen, haben gerade in einem Kriminalitätsbereich, der die Stabilität unseres Wirtschafts- und Gesellschaftssystems immens bedroht, eine hohe Bedeutung“, sagt er .

Herrmann hatte im Frühjahr angekündigt, mehr Stellen für IT-Forensiker bei der Polizei schaffen zu wollen. Das dürfte die Jobaussichten der Uni-Absolventen des Lehrstuhls für Informatik und IT-Sicherheitsinfrastrukturen verbessern.

Im Koalitionsvertrag „Freiheit und Stabilität - Für ein modernes, weltoffenes und heimatverbundenes Bayern“ haben sich CSU und Freie Wähler auf die Stärkung der Cyberkompetenzen und den Ausbau des 2017 gegründeten Landesamts für Sicherheit in der Informationstechnik bereits verständigt.

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