Es handelt sich wohl um eine Punktlandung, sinniert der Höchstadter Stadtpfarrer Kilian Kemmer nachdenklich. Am Sonntag soll der Heldenfriedhof seiner Bestimmung neu übergeben und die restaurierte St.-Ottilien-Kapelle eingeweiht werden. Dazu erwartet die Pfarrgemeinde St. Georg den emeritierten Bamberger Erzbischof Ludwig Schick.
Es dürfte sein letzter offizieller Besuch im Aischgrund sein. 2018 recherchierte der Denkmalschutz über die idyllische Anlage an der Rothenburger Straße und stellte völlig überraschend die katholische Kirchenstiftung als Besitzerin der historischen Gedenkstätte fest. Sowohl die Stadtverwaltung als auch die Pfarrgemeinde gingen von einem städtischen Eigentum aus.
1,9 Millionen Euro für Sanierung
Nach archivarischen Klärungsprozessen zu den Besitzverhältnissen, nach langen Verhandlungen um die Förderfähigkeit durch das Leader-Programm LAG Aischgrund beziehungsweise der Zuschussbereitschaft durch das Erzbistum Bamberg bei steigenden Kosten nahm sich die Kirchenstiftung St. Georg trotz der gerade erledigten Renovierung ihrer Stadtpfarrkirche 2018 in Höhe von 1,9 Millionen des Projektes Heldenfriedhof an.
Der Architekt Gerald Reinhardt benötigte sechs verschiedene Gewerke, um die marode St.-Ottilien-Kapelle zu sanieren. Stadtarchivar Christian Plätzer verfasste Texte zum Bestand des Heldenfriedhofes, die der Designer Wolfgang Schwarz zu ansehnlichen Schautafeln fertigte und die nun an fünf Stellen auf dem Gelände Erklärungen über die Historie des Heldenfriedhofes geben.
Hinweise erfolgen auf die Opfer der Kriege von 1870/1871, auf die 84 Gefallenen des Ersten Weltkrieges sowie die 141 gefallenen und die 86 vermissten Höchstadter des Zweiten Weltkrieges. 2003 wurden die noch vorhandenen Gebeine der beim Schwedenüberfall 1633 getöteten Höchstadter auf dem Heldenfriedhof beigesetzt. Höchstadt erlebte Anfang des 17. Jahrhunderts eine Totalzerstörung.
Dass die Wiedereröffnung der Gedenkstätte gerade in Zeiten furchtbarer Kriege, unter anderem in Europa, stattfindet, sieht Stadtpfarrer Kilian Kemmer als eine Herausforderung an, die Feierlichkeiten mit einer Botschaft zu versehen. Das Durchschnittsalter der Gefallenen, an die auf dem Heldenfriedhof erinnert wird, beträgt 25 Jahre. Das Lied von Stefanie Werger „Die Helden sind müde“ stellt dabei einen Leitfaden durch die 14 „Tage der geistlichen Erneuerung“ in und um St. Georg dar.
Auch die Patronin der Kapelle, die heilige Ottilie, weist für Kilian Kemmer einen zusätzlichen Weg. Als blindgeborenes Kind strafte sie der Vater im achten Jahrhundert mit Verachtung. Durch ihre Taufe erhielt sie das Augenlicht und wurde sehend.
Beitrag zum Frieden: Botschaft des christlichen Glaubens
Die Verehrung der Heiligen verbreitete sich vom burgundisch-elsässischen Raum über Baden weltweit. Auch in der Ortskapelle von Medbach verehrt man seit Jahrhunderten diese Heilige als Patronin. In der Nackendorfer St.-Laurentius-Kapelle befindet sich ebenfalls eine Darstellung der Heiligen.
Die Interpretation des Stadtpfarrers hinsichtlich der Kapellenpatronin scheint einleuchtend zu sein. Der christliche Glaube möchte die Augen öffnen, um einen Beitrag zum Frieden in der Welt zu leisten und Krieg als Niederlage jeder Menschlichkeit zu geißeln: „Krieg bringt nur Niederlagen für alle Beteiligten mit sich.“ Am Sonntag soll auch ein klares Zeichen gegen den Antisemitismus gesetzt werden.
Festgottesdienst am Sonntag um 10 Uhr am Heldenfriedhof
Zur Einweihung gibt es ein passendes Geschenk: Aus dem Familienbesitz stiftete Siegfried Hertl-Bischof für die Kapelle auf dem Heldenfriedhof eine historische Darstellung der heiligen Ottilie. Bisher befindet sich eine große Darstellung der Pieta in der Kapelle, die auf das Leid der Frauen anspielt, die ihre gefallenen Männer, Enkel, Brüder oder Söhne zu beweinen hatten.
Für die Kirchenstiftung noch einiges an Arbeit: die Sanierung der Gedenksteine mit den Namen der Gefallenen, die Gestaltung des Bereiches hinter der Kapelle und die Einbeziehung des europäischen Friedensgedankens.
Der Festgottesdienst mit Schick beginnt am Sonntag um 10 Uhr in der Stadtpfarrkirche. Der Kirchenchor, das Bamberger Bläserensemble „Tabrassco“ sowie das Duo „2 for You“ umrahmen das Pontifikalamt musikalisch. Nach dem Gottesdienst formiert sich der Zug zum Heldenfriedhof zum Totengedenken anlässlich des Volkstrauertages.
Erzbischof Schick weiht Heldenfriedhof ein
Der Erzbischof weiht auf dem Heldenfriedhof die St.-Ottilien-Kapelle ein. Am Abend wird um 18 Uhr für die Opfer der Kriege auf dem Heldenfriedhof gebetet. Das Bläserquintett „Saxn“ umrahmt das 30-minütige Gebet. Am Dienstag, 21. November, beginnt um 19 Uhr ein Friedensgebet in der Stadtpfarrkirche.
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