Unter einem hohen Baum, dem Rascheln seiner grünen Blätter, auf einem naturnahen Friedhof, der Angehörige und Spaziergänger zum Verweilen einlädt. Dort möchten immer mehr Höchstadter ihre letzte Ruhe finden, im Rahmen einer Baumbestattung.
Die Stadt hatte ihnen eine solche Ruhestätte bereits vor vier Jahren versprochen, auf dem Friedhof An der Birkach im Ortsteil Etzelskirchen. „Dort sollen so schnell wie möglich auch Baumbestattungen angeboten werden“, berichtete der Fränkische Tag im April 2019.
Damals legte der Bauausschuss den geeigneten Platz auf dem Friedhofsgelände fest, auf dem bereits Bäume stehen und neue gepflanzt werden sollen.
„Die Menschen suchen heute Alternativen“
Die Betonung liegt auf sollen, denn aus „so schnell wie möglich“ sind inzwischen vier Jahre geworden.„Das Beerdigungsinstitut Höchstadt hat das Thema selbst angestoßen, aber es tut sich nichts. Von der Stadt heißt es immer ,Wir haben es vorgesehen’“, sagt Martina Dresel aus Höchstadt.
Die zweite Vorsitzende des Vereins Lebensfreude ERHalten ist 75 Jahre alt und hat sich bereits vor Jahren entschieden, dass sie gerne unter einem Baum bestattet werden möchte.
„Mein Mann liegt auf dem städtischen Friedhof in Höchstadt und ich sehe durch meine Besuche, dass der immer leerer wird. Die Menschen suchen heute Alternativen“, sagt Dresel.
Die Familien seien weiter verstreut und die Älteren würden ihren Kindern nicht mehr die Pflege großer Gräber und die Entscheidung über die Bestattungsart auflasten.
„Ich gehe gern auf Friedhöfen spazieren, es gibt so schöne Ideen, zum Beispiel für Gemeinschaftsgräber und grüne Parks. Aber wir in Höchstadt pflastern alles zu. Über ein Baugebiet wird hier nicht vier Jahre diskutiert“, so Dresel.
Der Trend geht Richtung Baumbestattung
Martina Dresel ist mit ihrem Wunsch nach einer Baumbestattung nicht allein. Die Nachfrage wächst, wie die Anzahl der Feuerbestattungen, Jahr für Jahr im Raum Erlangen und ganz Bayern. Dort lag der Anteil der Erdbestattungen 2020 nur noch bei 25 Prozent.
Die Zahl der Baumbestattungen, bei der die Asche des Toten in einer Urne aus biologisch abbaubarem Material am Fuß eines Baumes beigesetzt wird, nimmt in allen deutschen Bundesländern seit Jahren stetig zu.
In Bayern lag der Anteil der Baumbestattungen laut dem bayerischen Bestatterverband bei 20 Prozent. 2008 seien es drei Prozent gewesen.
Das Angebot im Landkreis ist überschaubar
Über ihren Anteil im Kreis Erlangen-Höchstadt existieren keine sicheren Zahlen. Fest steht nur, dass das Angebot gemessen an der Zahl der 25 Gemeinden recht überschaubar ist. Die Friedhöfe in Röttenbach, Großenseebach und Eckental-Forth bieten Platz für Baumbestattungen.
Dass die Bürger gerne mehr Friedhöfe mit Baumgräbern hätten, ist den Kommunen bekannt, auch Höchststadt. Dort stellte Johannes Riegler, Leiter des Höchstadter Beerdigungsinstitus und Stadtrat der Jungen Liste, 2019 den Antrag zur Erweiterung des Friedhofs An der Birkach.
Der Friedhofsausschuss entscheidet
„Der Waldfriedhof in Etzelskirchen ist vom Stadtrat beschlossen und der Friedhofsausschuss wird sich treffen, um die Details durchzugehen“, sagt Riegler. Als Bestatter gingen bei ihm regelmäßig die Anfragen nach der Möglichkeit einer Baumbestattung ein. „Ich weiß, dass die Nachfrage hoch ist“, so Riegler.
Für den Waldfriedhof sollen neue Bäume gepflanzt und Urnenstelen oder Gedenktafeln für die Namen der Bestatteten errichtet werden.„Ich schätze die Kosten auf 600 bis 900 Euro“, sagt Riegler.
Und wann wird sich der Friedhofsausschuss treffen? „Wenn wir den Satzungsvorschlag haben“, so Riegler.
Die Sache mit dem Personal
Die Satzung, die die Verwaltung entwirft, legt unter anderem fest, was eine Baumbestattung kostet und ob es nur Einzel- oder auch Familiengräber gibt. Außerdem muss die Verwaltung die Friedhofsgebühren neu berechnen.
„Für die Vorbereitung der Satzung ist eine Gebührenkalkulation notwendig. Was kosten die neuen Bäume? Was kostet die Pflege des Areals?“, sagt Tina Reißberger, Geschäftsführerin des Höchstadter Rathaus.
Und wie weit ist diese Gebührenkalkulation? „Ja, das ist das Problem. Wir haben im Moment niemanden, der die Zeit hat, sich in diese Materie einzuarbeiten und dann dabei bleibt. Es scheitert am Personal“, so Reißberger.
Der Friedhof wird halbiert
Laut Bürgermeister Gerald Brehm steht dem Bereich Höchstadter Friedhofswesen ein großer Umbau bevor. „Nicht nur wegen der Baumbestattungen benötigen wir eine neue Gebührensatzung.
Die Fläche des Friedhofs Etzelskirchen ist durch die Abnahme der Erdbestattungen unnötig groß geworden. Wir geben die Hälfte der Fläche als Bauland frei“, so Brehm.
Umrundet werde der Friedhof dann von einer Mauer, die in Auftrag gegeben sei. „Bis Mitte des Jahres steht die neue Gebührensatzung wohl fest. Wenn bereits vorher eine Anfrage eingeht, wird die Stadt eine Baumbestattung in Etzelskirchen ermöglichen“, sagt Brehm.
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