Nach Häckersteig und Schwarzenbachgrund erhitzen sich nun die Gemüter an einem weiteren geplanten Baugebiet, dieses Mal im Nordosten Etzelskirchens. Auf einer Fläche von 55.344 Quadratmetern sollen 48 Bauplätze geschaffen werden.
Das Areal erstreckt sich von der Ortsgrenze bis zum Wald und soll über eine neue Zufahrt an die Straße Richtung Medbach angebunden werden. Grund genug, für Alfons Zeiler, aktiv zu werden. Der 72-jährige wohnt im Erlenweg und somit direkt am Puls des geplanten Geschehens.
Baugebiet: Ortstermin mit den Grünen
Für einen Ortstermin hat er den Sprecher der Grünen Peter Winkler, den Kreisvorsitzenden Helmut König sowie Christoph Reuß und Michael Alletsee vom Bund Naturschutz, sowie die Sprecherin des Ortsverbandes der Grünen Karin Scherer und Andreas Popp eingeladen.
Diese sollen sich selbst ein Bild von dem Gebiet machen können, welches für die Schaffung eines Wohngebietes weichen soll. Dies beinhaltet neben vier Weihern auch fünf Hecken mit einer Länge von jeweils im die 200 Meter.
Allen ließ Zeiler eine Liste zukommen, in welche er eingetragen hat, welche Tiere in dem vorgesehenen Baugebiet vorkommen. Allein 71 verschiedene Arten hat er aufgezählt, unter anderem die Mönchsgrasmücke, Eichelhäher, Zauneidechse, Wendehals, Fichtenkreuzschnabel, Eisvogel, Haselmaus, Waldbaumläufer und den Pirol.
Das wertvollste Naturbiotop in Höchstadt
Grund genug, sich für den Erhalt des Areals einzusetzen, hat Zeiler allemal, denn: „Das ist das wertvollste Naturbiotop in ganz Höchstadt. Noch ein triftiger Grund sind die heißen Sommer in den letzten 3 Jahren. Die vier Weiher sind überlebenswichtig für die Tiere.“
Er deutet zur Seite, „Wir haben hier Südhang. Da scheint die Sonne bis in den Herbst. Die Tiere liegen in der dichten Hecke und wärmen sich.“
„Der alles schlagende Punkt ist, dass die Stadt argumentiert, dass Wohnraum benötigt wird“, erklärt ein weiterer Anwohner des Erlenweges. „Die Sparkasse hat uns aber mitgeteilt, dass die Nachfrage gegen Null geht und auch beim Dennert geht die Nachfrage gegen Null. Es ist kein Baugrund nachgefragt.“ Eine etwa 120 Meter lange Hecke zwischen Weidenweg und Erlenweg wurde vor etwa zwei Wochen bereits „abgesäbelt“, wie Alletsee es formuliert. „Das wäre nicht notwendig gewesen.
Erst wenn sie vergreist, verjüngt man. Wenn etwas nicht notwendig ist und man tut es trotzdem, dann weiß man, dass es falsch ist! Da ist man wohl über das Ziel hinausgeschossen. Die Heckenstrukturen sind ganz wichtig.“
Anwohner kennt das Gebiet gut
„Ich wohne hier seit 45 Jahren“, erläutert Zeiler unterdessen den Hintergrund für sein Wissen um das Areal, welches für Baugrund weichen soll, „Ich kenne dieses Gebiet in- und auswendig als Naturfreund, Jäger und Falkner. Auch viele Zugvögel brüten hier und die Streuobstwiese wäre auch verloren.“ König gibt unumwunden zu, dass im Zuge von Häckersteig und Schwarzenbachgrund die Fläche hier in Etzelskirchen von seiner Seite übersehen wurde. Erst durch Zeiler wurde er aufmerksam und sei dessen Liste mit einem Biologen durchgegangen.
„Es ist tatsächlich ein Landschaftsgebiet, dass man erhalten muss, es ist schützenswert“, sagt er nun. Er erklärt, dass die Zauneidechse und die Haselmaus geschützt seien, wobei letztere dann jedoch in ausreichender Population vorhanden sein müsse.
Baugebiet: Sorge um Wohl der Tiere
„Was hier dem Stadtrat ein bissel fehlt, ist die Sensibilisierung für die Natur, wenn die Grünen allein stehen“, kritisiert er. „Dieser Bereich ist tatsächlich einer, über den man drüber schauen muß.“
Man müsse jedoch auch abwarten, was die Planung ergeben würde. Liane Bischoff-Ziebell beschreibt dass man früh die Rehe sehe würde, „Es gibt auch eine breite Palette an Vögeln“, fügt sie hinzu.„Wo sollen die Rehe hin?“, fragt auch Dorothea Wicke, die sich ebenfalls an den Tieren erfreut. Sie berichtet, dass auch die Grundschulen und Kindergärten ihre Wandertage hierher ausrichten würden. „Wir sind erschüttert, wie in Höchstadt ein Juwel nach dem anderen platt gemacht wird“, erklärt Winkler bestürzt.
Vorwurf: Schlechte Planung beim Baugebiet
„Wir haben einen Nutzungsplan, der keine Rücksicht nimmt. Wir haben Artenverlust. Es ist vom Bebauungsplan her ein wahnsinnig falscher Ansatz für Flächenverlust, allein 8000 Quadratmeter entfallen auf die Straßenversiegelung.“ Er bezeichnet das Areal als Puffer zwischen dem Wohngebiet und dem Wald.
„Die Planung ist schlecht und der Platz ist schlecht, das ist unsere Position“, fügt Popp hinzu, „Das ist Hanglage. Wenn hier gebaut wird, braucht es Stützmauern.“
Scherer merkt an, dass man sich doch erstmal die 170-200 Baugebiete in der Stadt anschauen solle, bevor man nach außen geht. „Das sind 18 Hektar, die nicht bebaut sind“, stimmt König ihr zu. „Es wäre wichtig, dass diese wunderbaren Naturareale auf das Haben-Konto der Stadt gehen“, erklärt Winkler, „Der Stadtrat verschleudert die wertvollsten Biotope.“
„Am Dienstag haben wir Stammtisch“, sagt Christoph Reuß, „dann werden wir das nochmal besprechen.“ Man darf gespannt sein, wie es weitergeht mit dem Etzelskirchener Juwel, welches Tieren eine Heimat und Menschen die Nähe zur Natur bietet.
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