Veranstaltung
Ukrainerinnen singen von der großen Liebe zur Heimat
Beim ukrainischen Abend in Großenseebach traten unter anderem Victoria, Victoria, Natalia, Luisa, Inessa, Valeria (v.l.n.r.) auf und brachten den deutschen Besuchern die Kultur der Ukraine näher.
Beim ukrainischen Abend in Großenseebach traten unter anderem Victoria, Victoria, Natalia, Luisa, Inessa, Valeria (v.l.n.r.) auf und brachten den deutschen Besuchern die Kultur der Ukraine näher.
Foto: Kathrin Jäkel
F-Signet von Redaktion Fränkischer Tag
Großenseebach – Ein Abend der ukrainischen Kultur begeistert die Besucher. Die Veranstalterinnen aus der Ukraine danken damit Deutschland.

Mit stehenden Ovationen im Veit-vom-Berg-Haus ging ein ukrainischer Abend in Großenseebach zu Ende. Organisiert hatte die Veranstaltung Kathrin Jäkel, die sich in der Flüchtlingshilfe engagiert und in dieser Funktion schon seit Monaten auch Dutzende ukrainische Flüchtlinge in Großenseebach betreut.

Zu den Frauen und Kindern, die vor dem Krieg in ihrer Heimat geflohen waren und in Großenseebach eine sichere Bleibe gefunden haben, gehört auch Inessa Shifrina. Die Ukrainerin aus der Metropole Charkiw führte als Moderatorin auf Ukrainisch durch den kulturellen Abend und Victoria übersetzte für die deutschen Gäste. Das folgende zweistündige Programm konnte sich sehen und vor allem auch hören lassen. Die ukrainischen Gastgeberinnen waren größtenteils in traditionelle Gewänder mit auf-wendigen Stickereien gekleidet und sangen Lieder aus der Heimat, um diese den Deutschen näherzubringen.

Schutz und Aufnahme gefunden

Doch zuvor richtete Shifrina Worte des aufrichtigen Dankes – auch stellvertretend für die anderen Flüchtlinge – an das Auditorium: „Millionen von Ukrainern fanden in Deutschland Schutz, Unterstützung und ein neues Dach über dem Kopf. Tausende von deutschen Familien haben Ukrainer aufgenommen. Und heute nehmen Sie bitte unsere aufrichtige Verbeugung vor Ihnen entgegen. Wir sagen danke an ganz Deutschland.“

Die Ukrainerinnen begrüßten die Gäste im Veit-vom-Berg-Haus traditionell mit einem Laib Brot und Salz.
Die Ukrainerinnen begrüßten die Gäste im Veit-vom-Berg-Haus traditionell mit einem Laib Brot und Salz.
Foto: Kathrin Jäkel

Nach einem Film über die Ukraine folgten Lieder wie „Die Ukraine sind wir“, „Ich werde in die fernen Berge gehen“ oder „Sokolyata“, ein Lied, mit dem Flüchtlinge ihrem Glauben Ausdruck verliehen, dass die Ukraine aufstehen und „dank unserer gemeinsamen Anstrengungen, dem Mut unserer Soldaten und der Unterstützung aller Länder der Welt gewinnen wird“. Von dieser Hoffnung handelten auch der Song und das Video „Die Ukraine ist unzerbrechlich“. Es folgten ein halbes Dutzend weitere Lieder und musikalische Darbietungen.

Begleitet wurde der Gesang an diesem Abend von der ukrainischen Pianistin Valeria Karimova. Auch sie stammt aus Charkiw und ist Klavierlehrerin an der dortigen Sokalskij-Kindermusikschule. Neben der Musik ist vor allem die Malerei ihr Leben. Was mit Kinderfarben und einfachem Papier begann, entwickelte sich in ihrem Ruhestand rasch vom Aus-probieren zum ernsthaften Hobby: Karimova wurde in ihrer Heimat zu einer Künstlerin mit eigener Ausstellung und vielen Kunden in der ganzen Welt.

Auch Luisa gab Lieder zum Besten, unterstützt von Inessa (l.) an der Gitarre und Natalia (M.) an der Bandura.
Auch Luisa gab Lieder zum Besten, unterstützt von Inessa (l.) an der Gitarre und Natalia (M.) an der Bandura.
Foto: Kathrin Jäkel

Doch dann veränderte der Krieg ihr Leben. Vor ihrer Flucht nach Deutschland hat eine Explosion ihre Wohnung zerstört. Es gibt keine Fenster oder Türen mehr. Durch die Malerei findet sie die Kraft, die schrecklichen Erlebnisse zu verarbeiten und auch ein wenig Geld zu verdienen.

Wunsch nach Rückkehr

Sie möchte so schnell wie möglich in ihr Heimatland zurückkehren und beim Aufbau helfen, denn es gibt viele Wohnungen wie ihre in der Ukraine. Wann sie ihren Wunsch wahr machen können wird, kann heute niemand sagen. Charkiv liegt an der Grenze zu Russland und wird nahezu täglich beschossen. Die Einnahmen aus den Verkäufen ihrer Bilder fließen außerdem an Kinder in der Ukraine, die von den Kriegsfolgen betroffen sind.

An diesem Abend erklang neben Gitarre und Klavier auch noch die Bandura. Dieses gezupfte Lauteninstrument hat seinen Ursprung in der Ukraine und wurde von Natalia Grabarska gespielt, die dazu das Lied „Oh, das klare Wasser sprach“ darbot. Ein Titel über die Liebe und die Ewigkeit.

 Mit dem Hopak und der Kolomeijke 

Doch nicht nur Bilder und Lieder hatten die Ukrainerinnen mitgebracht, sondern führten mit dem Hopak und der Kolomeijke auch noch zwei Volkstänze aus ihrer Heimat auf. Mit dem Schlusslied „Wir sind vereint“ brachten es die Ukrainerinnen am Ende auf den Punkt.

„Es spielt keine Rolle, wo Sie geboren wurden. Es spielt keine Rolle, welche Sprache Sie sprechen oder wie viel Geld Sie in der Tasche haben. Das Wichtigste ist, immer menschlich zu bleiben“, beschloss Inessa Shifrina den kulturellen Abend und erntete dafür tosenden Applaus vom sehr gut besetzten Saal.

Spenden und Versteigerung

Am Ende kamen 270 Euro Spenden zusammen, und es wurden außerdem direkt vor Ort mit der Versteigerung eines Gemäldes weitere 100 Euro erzielt. Ein Dutzend weitere Bilder wurden nach der Veranstaltung, bei der Bürgermeister Jürgen Jäkel aus Aushilfs-DJ an der Musik mitwirkte, bereits verkauft; einige andere (für je 15 Euro) sowie Fotografien warten aber im Veit-vom-Berg-Haus noch auf Ausstellungsbesucher und Käufer. Die Veranstaltung war ein so großer Erfolg, dass man bereits darüber nachdenkt, noch ein Weihnachtskonzert mit ukrainischem Essen auf die Beine zu stellen.

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