Die Hugenottenkirche ist neben der Bergkirchweih und dem Radverkehr wohl das bekannteste Wahrzeichen der Stadt Erlangen. Das Gotteshaus am Hugenottenplatz im Herzen der Innenstadt – den alle Erlanger nur liebevoll „Hugo“ nennen – gilt als das älteste noch genutzte Gotteshaus der Hugenotten außerhalb Frankreichs.
Noch heute werden in dem 1693 im Beisein des Markgrafen von Brandenburg-Bayreuth eingeweihten Sakralbau regelmäßig Gottesdienste abgehalten. Doch im Sommer wäre Pfarrerin Susanne Gillmann fast aus allen Wolken gefallen.
Bei einer Inspektion des beeindruckenden Dachgebälks aus der Entstehungszeit waren gravierende Schäden entdeckt worden. „Wir haben tatsächlich einen Dachschaden. Der Reparaturbedarf vom Holz bis zur Fassade ist leider sehr erschreckend. Wir rechnen mit Kosten in Höhe von fünf Millionen Euro“, erklärt die Pfarrerin der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde, ohne deren Geschichte die Stadt Erlangen wohl undenkbar gewesen wäre.
Hugenottenkirche: Fünf Millionen Euro für Sanierung nötig
40 Tage nach dem berühmt-berüchtigten Edikt von Fontainebleau sicherte Markgraf Christian Ernst den als besonders fleißig geltenden Protestanten aus Frankreich nicht ganz uneigennützig zu, in Franken einen sicheren Zufluchtsort vor der Verfolgung durch die Häscher Königs Ludwig XIV. finden zu können. Der fränkische Markgraf versprach den Glaubensflüchtlingen sogar, auf dem gegenüberliegenden Flussufer des alten Erlangen eine komplett neue Idealstadt errichten zu dürfen.
Der klamme Markgraf sicherte den verfolgten Protestanten neben völliger Freiheit sogar den Bau einer neuen Kirche im neuen Erlangen zu. Die ersten 20 Jahre durften die umworbenen Flüchtlinge sogar steuerfrei in Neu-Erlangen leben.
Diese Zeit ist längst Geschichte. Inzwischen benötigt die Gemeinde dringend Geld.
„Jeder Cent zählt“, sagt Pfarrerin Susanne Gillmann und verweist darauf, dass das Gotteshaus sogar als Veranstaltungsraum vermietet werde, um das nötige Kleingeld für die dringende Renovierung auftreiben zu können. Derzeit gastiert eine multimediale Licht- und Videoshow in dem altehrwürdigen Tempel des Glaubens.
Lichtersow Genesis in Hugenottenkirche zu sehen
„Der ovale Innenraum hat uns gleich fasziniert“, erklärt Karin Weber als Veranstalterin der „Genesis“-Lichtershow und schwärmt von der „schlichten Schönheit“ des Gotteshauses. „Die Hugenottenkirche bietet zugleich aber auch jede Menge spannende Elemente wie die Arkadenbögen, die Stuckdecke oder die Orgel, die die Illumination erst zum gelungenen Gesamtkunstwerk machen“, freut sich Weber von den „Kulturoptimisten“ weiter und erklärt, dass die 30-minütige Show über die ersten drei Tage der biblischen Schöpfungsgeschichte noch bis zum 18. November täglich immer zwischen 15.30 und 20 Uhr in der Erlanger Hugenottenkirche zu erleben sei.
Auch die Pfarrerin ist von dem bunten Lichtspektakel beeindruckt. „Wir würden unsere Kirche gerne häufiger vermieten. Aber im Winter müssen wir Heizkosten sparen“, berichtet die Pfarrerin.
Derzeit sucht Gillmann mit den rund 350 Gemeindemitgliedern in Erlangen nach finanzieller Unterstützung für die anstehende Dachrenovierung. „Das wird eine harte Aufgabe. Aber wir bekommen hoffentlich Hilfe von Bund und Land.“
Die Stadt Erlangen habe sich dagegen die klare Regel auferlegt, für die Renovierung der vielen Kirchen grundsätzlich kein Geld zur Verfügung zu stellen. Böse sind die Nachfahren der Hugenotten deshalb nicht.
„Die Erlanger Verwaltung will uns immerhin keine Gebühren für die Errichtung des Baugerüstes auf dem Gehweg berechnen“, freut sich die Pfarrerin auch über diese kleine Geste des guten Willens. Generell erfahre Gillmann in der „Hugenottenstadt“ große Unterstützung.
Rund eine Million Euro müssten die 350 Kirchenmitglieder wohl selbst auftreiben, um den Dachschaden in Angriff nehmen zu können. Zum Glück sei das historische Dachgebälk so genial konstruiert, dass das Heranschaffen der Spendengelder jetzt in aller Ruhe beginnen könne.
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