Ein weißes Schäfchen streckt den Kopf aus einem Haufen Spielzeug hervor. Stifte, Kleidung, Puzzles, Autos, Mützen, Playmobilfiguren, Sticker: Der Berg auf dem Boden nimmt fast das halbe Wohnzimmer ein. An der Wand aufgereiht stehen knapp 20 grüne Kartons, die zum größten Teil befüllt sind – doch das sind noch längst nicht alle.
Fürsorglich betrachtet Petra Maydt die Kartons, legt hier etwas dazu, packt dort noch ein Teil ein. Am Ende des Tages soll in allen Schachteln in etwa gleich viel sein, mal für Jungs, mal für Mädchen, mal für Kleinkinder, mal für junge Teenager.
Herzogenauracherin packt Pakete für bedürftige Kinder
Angefangen hat alles, als ihr Sohn in der Grundschule war, erzählt die Herzogenauracherin. „Damals wurde gefragt, ob nicht jeder so einen Karton packen will“, sagt sie. „Im Jahr darauf hat meine Mutter dann auch einen gepackt. Und dann hat sich das irgendwie verselbstständigt“, meint sie lachend mit einem Blick auf die vielen Kartons, die um sie herum aufgebaut sind und aus denen schon kleine Teddy- oder Einhornköpfe lugen.
Mehr als 15 Jahre ist das nun her und Maydt und ihre Mutter treffen sich inzwischen jedes Jahr an Allerheiligen, um die vielen kleinen Pakete zu verpacken. Über die bekannte Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“ landen diese schließlich bei bedürftigen Kindern vor allem im osteuropäischen Raum. Mehr als 232 Millionen Kinder in über 150 Ländern haben laut Angaben der Organisation seit 1993 ein solches Weihnachtspaket erhalten.
Weihnachten im Schuhkarton: Freude für Kinder in Osteuropa
Für die rund 30 Pakete, die Maydt und ihre Mutter inzwischen jährlich packen, sammelt vor allem die Senioren schon das ganze Jahr über. „Mein Vater muss dann immer alle Läden abklappern, wenn was im Angebot ist“, sagt Maydt lachend, während sie ein paar flauschige rosa Hausschuhe in einen Karton sortiert.
Ob Plüschtiere oder Playmobil: Die beiden setzen auf Aktionspreise, trotzdem kommen pro Paket 25 bis 30 Euro zusammen. „Es macht uns einfach so viel Freude, den anderen Kindern was zu schenken“, sagt Maydts Mutter, die selbst nicht namentlich genannt werden möchte. „Unsere Kinder haben ja alles.“ Sie selbst häkelt zusätzlich zur gekauften Ware Kleidung für die Plüschtiere, eine Freundin steuert inzwischen selbstgestrickte Mützen bei.
Vorsicht beim Packen: Nicht alles darf in den Karton
Doch beim Packen der Kartons ist auch einiges zu beachten. „Es dürfen zum Beispiel keine Flüssigkeiten rein“, erklärt Ilona Bell, die eine Abgabestelle in Herzogenaurach betreibt und auch die Kartons von Petra Maydt einsammelt. „Es sollten auch keine Süßigkeiten in die Pakete kommen. Gummibärchen zum Beispiel darf ja nicht jedes Kind essen, weil Gelatine drin ist.“ Auch Waffen und andere gefährliche Gegenstände, Kriegsspielzeug oder Seife dürfen nicht eingepackt werden.
Weihnachten im Schuhkarton mit Petra Maydt
„Wir schauen zum Beispiel immer, dass in jedem Karton schonmal ein Kuscheltier ist“, erklärt Maydt und deutet auf den ganzen Berg an Teddys. „Dann kommt überall ein Block oder Schulheft dazu und eine Packung Stifte. Auch eine Zahnpasta, Zahnbürste und eine Kindercreme packen wir dazu.“ Abgesehen davon enthält bei ihr jeder Karton ein wenig Spielzeug, eine Mütze oder Handschuhe, Socken oder Kleidung.
„Man muss natürlich auch immer auf die Größe schauen. Wir würden zum Beispiel gerne Barbies einpacken, aber da sind die Verpackungen so groß, das geht nicht.“ Stattdessen bieten sich kleine Playmobilfiguren, Puzzles, Autos oder Sticker an. Am Ende wird außen auf dem Karton angegeben, ob er für ein Mädchen oder einen Jungen gepackt wurde und zwischen drei Alterskategorien ausgewählt.
Mehrere Stunden Packen an Allerheiligen
In diesem Jahr haben Maydt und ihre Mutter sich erstmals ein wenig Arbeit gespart. „Sonst haben wir immer Wochen vorher angefangen, Schuhkartons zu sammeln und die alle selber weihnachtlich beklebt“, erzählt die Herzogenauracherin. In diesem Jahr greifen die beiden auf fertige Kartons der Organisation zurück. „Das spart schon einen Haufen Zeit“, gibt sie zu. Einige Stunden verbringen die beiden mit der Packerei an diesem Tag aber trotzdem. „Aber es macht einfach unglaublich Spaß“, sagt Maydt. „Und der Gedanke, damit Kindern eine Freude zu machen, die nicht so viel haben, wie wir hier, ist es wert.“
Vom 10. bis zum 17. November können die Pakete abgegeben werden. Alle Infos und Tipps sowie die nächstgelegene Abgabestelle finden Sie hier.





























