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Herzogenaurach
Gastro-Beben: Roter Ochs und Grauer Kater machen dicht
Der  Wirt des Traditionswirtshauses  „Gasthaus zum Roten Ochsen“ in Herzogenaurach  hört auf.
Der Wirt des Traditionswirtshauses „Gasthaus zum Roten Ochsen“ in Herzogenaurach hört auf. // Bernhard Panzer
Loukas und Melina Alexiou ziehen einen Schlussstrich und geben ihre beiden Restaurants in der Herzogenauracher Innenstadt auf. Beide sehen ihre Zukunft in Burgstall.
Loukas und Melina Alexiou ziehen einen Schlussstrich und geben ihre beiden Restaurants in der Herzogenauracher Innenstadt auf. Beide sehen ihre Zukunft in Burgstall. // Bernhard Panzer
Das  Asia-Haus im Stadtnorden. Neue Heimat ist künftig der Rote Ochse am Marktplatz.
Das Asia-Haus im Stadtnorden. Neue Heimat ist künftig der Rote Ochse am Marktplatz. // Bernhard Panzer
Herzogenaurach – Die Geschwister Alexiou geben die beiden Traditionslokale in der Innenstadt auf. Mit ein Grund sind Querelen mit dem Landratsamt. Doch es gibt auch gute Nachrichten.

Manchmal braucht es einen Fingerzeig, oder auch zwei, um zu erkennen: Jetzt geht ein Weg zu Ende. Bei Loukas Alexiou und seiner Schwester Melina ist das so gewesen. Die beiden Gastronomen hatten sich schon länger mit dem Gedanken befasst, wegen der steigenden Belastung ihre Lokale in der Innenstadt aufzugeben.

Durch Auflagen des Landratsamts hat sich diese Entscheidung der beiden Griechen nun offenbar schnell bekräftigt: Der Rote Ochse und das Corfu schließen.

Angemeldet sind die beliebten Restaurants auf Melina Alexiou. Das Corfu am Fuß der Flughafenstraße, vormals Grauer Kater, führt sie seit 2002 selbst und bietet dort griechische Küche an. Wirt im Ochsen am Marktplatz ist ihr Bruder Loukas, der seit 2019 die Tradition der fränkischen Küche dort fortsetzt, wie sie zuvor der Pächter Manfred Weiß angeboten hat.

Doch damit ist jetzt Schluss, das letzte "fränkische" Lokal in der Innenstadt schließt Ende November.

Fortsetzung asiatisch

Immerhin werde es im Roten Ochsen eine Fortsetzung geben, wenn auch mit anderer Küche, sagt der 48-jährige Wirt. Der Pächter aus dem  Asia-Haus im  Stadtnorden soll dort einziehen. Das Gasthaus zum Roten Ochsen hat eine sehr lange Tradition, die bis ins Jahr 1650 zurückreicht. 2001 ist das Haus renoviert worden, 2012 hat es die Familie Alexiou gekauft. Preis damals: 435.000 Euro.

Ob der Graue Kater eine gastronomische Zukunft hat, ist indes fraglich. Ihr sei nicht bekannt, dass es einen Nachfolger geben werde, sagt Melina.

Das griechische Restaurant Corfu hieß einst Grauer Kater.
Das griechische Restaurant Corfu hieß einst Grauer Kater. // Bernhard Panzer

Was aber hat die Beiden, die in der Küche noch durch ihre weiteren Geschwister Christina und Thomas unterstützt werden, zu dem Schritt bewogen? Es ist der Entzug der Schankerlaubnis für alkoholische Getränke, sagt Melina. Verordnet durch das Landratsamt. Seit Juni gilt das bereits.

Gerade ein Lokal mit fränkischer Küche könne das auf Dauer nicht durchhalten, erläutert Loukas. Immer wieder hätten ihm Gruppen abgesagt, selbst Stammkunden blieben weg. „Die Leute wollen Bier trinken“, sagt er und ist überzeugt: Andere hätten schon längst aufgegeben. Melina bekräftigt das: „Es sind 30 Prozent weniger Umsatz. Das hat keinen Sinn.“

Die Geschichte des Roten Ochsen geht bis ins Jahr 1650 zurück.
Die Geschichte des Roten Ochsen geht bis ins Jahr 1650 zurück. // Stadtarchiv Herzogenaurach

Das Landratsamt bestätigte auf Nachfrage dieser Zeitung, „dass der Gastronomin Melina Alexiou die Ausschankerlaubnis alkoholische Getränke für ihre Gaststätte Corfu und das Gasthaus zum Roten Ochsen widerrufen wurde“. Darüber hinaus wurden allerdings keine weiteren Auskünfte erteilt.

Saftige Strafe bezahlt

Die geben die Geschwister selbst. Zweierlei Dinge seien es wohl gewesen, die das Amt zu der drastischen Maßnahme bewogen haben. Einmal habe man es versäumt, einen syrischen Mitarbeiter anzumelden und ihn monatelang beschäftigt. Da habe es ein Missverständnis gegeben, „aber es war klar unser Fehler“, gibt Loukas zu. Dafür habe man dann auch eine saftige Strafe berappen müssen.

Das Schild des Roten Ochsen. Auf dem Ausleger ist er gülden.
Das Schild des Roten Ochsen. Auf dem Ausleger ist er gülden. // Bernhard Panzer

Und dann kam Corona, die beiden Lokale mussten schließen und boten nur noch Straßenverkauf an, die Einnahmen brachen weg, Kurzarbeitergeld wurde beantragt. So sei es gekommen, dass die Sozialbeiträge für die fest angestellten Mitarbeiter wiederholt nicht fristgerecht entrichtet wurden. „Das Kurzarbeitergeld kam zwei Wochen später“, sagt Melina. „Wir haben immer alles bezahlt. Nur nicht Punkt an dem Tag.“

Dass ihnen der Alkoholausschank bis heute nicht genehmigt ist, dafür hat der Ochsenwirt kein Verständnis. „Wir haben doch nichts verbrochen!“ Auch seien die Lokale doch ihre einzige Einnahmequelle.

Zuverlässigkeit hat gefehlt

Das Landratsamt verweist auf die Gesetzeslage. Bei einer Gaststätte mit Alkoholausschank handle es sich um ein erlaubnispflichtiges Gewerbe, wird mitgeteilt. Das Gaststättengesetz sehe absolute Versagungsgründe vor. Insbesondere müsse die gaststättenrechtliche Zuverlässigkeit vorliegen.

Liegt diese nicht vor, werde ein Antrag versagt oder die schon bestehende Erlaubnis widerrufen, schreibt Pressesprecher Johannes Hölzel. Und: „Bei Vorliegen etwaiger Gründe steht der Behörde bei der Entscheidung kein Ermessen zu“.

Im kommenden Jahr wollen die beiden Geschwister das Golfclub-Restaurant in Burgstall betreiben.
Im kommenden Jahr wollen die beiden Geschwister das Golfclub-Restaurant in Burgstall betreiben. // Bernhard Panzer

Golfclub ist das Ziel

Freilich wollen Melina und Loukas Alexiou nun ihre gastronomische Tätigkeit nicht vollends beenden. Sie verfahren gewissermaßen nach dem Motto „Aus zwei mach eins“ und kündigen an, im kommenden Jahr als gemeinsame Pächter nach Burgstall zum Golfclub zu wechseln. Die Schanklizenz werden sie dort vermutlich neu beantragen müssen.

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