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Komplexes Verfahren
Auf der Suche nach dem Mittelpunkt des Landkreises ERH
Der Mittelpunkt des Landkreises Erlangen-Höchstadt versteckt sich im Gestrüpp unweit der A3, die hinter der Baumgruppe entlang führt.
Der Mittelpunkt des Landkreises Erlangen-Höchstadt versteckt sich im Gestrüpp unweit der A3, die hinter der Baumgruppe entlang führt. // Foto: Martin Regner/Montage: Klaus Heim
Heßdorf – Haben Sie eine Idee, wo sich der Mittelpunkt des Landkreises befindet? Die Berechnung ist gerade im Fall von ERH mit seiner ungewöhnlichen Kontur enorm komplex.

Was man mit Sicherheit sagen kann, ist, dass wahrscheinlich nur die allerwenigsten Kreisbewohner jemals dort waren, obwohl der Mittelpunkt des Landkreises nur ein paar Meter von einer vielbefahrenen Hauptverkehrsachse entfernt liegt.

Hin führt ein holpriger Schotterweg

Die Geographen des Bayerischen Landesamtes für Digitalisierung, Breitband und Vermessung (LDBV) haben jedenfalls die Mittelpunkte aller Landkreise in Bayern ermittelt. Und siehe da: Der Mittelpunkt des Landkreises ERH liegt auf dem Gebiet der Gemeinde Heßdorf, etwa 150 Meter östlich der Autobahn 3 und rund 100 Meter westlich des Mohrbachs.

Die Stelle ist relativ unzugänglich; dorthin führt nur ein ebenso schmaler wie holpriger Schotterweg, der zwischen Hannberg und Röhrach von der Kreisstraße ERH 26 abzweigt. Wenn man diesem gewundenen Pfad über ein kleines Brücklein und durch ein Waldstück folgt, im richtigen Moment links abbiegt und sich zum Schluss einen Weg durch hohes Gras bahnt, kommt man am Mittelpunkt heraus, der in einer leichten Senke liegt. Um genau zu sein bei den Koordinaten 10 Grad, 54 Minuten und 54,63 Sekunden östlicher Länge und 49 Grad, 38 Minuten und 24,01 Sekunden nördlicher Breite.

 

 

Die historische Bezeichnung des Flurstücks, das dicht bewachsen und im Westen sowie im Norden von Wald umgeben ist, lautet Kronersweiher. Offenbar handelt es sich dabei um einen ehemaligen und heute aufgelassenen Fischweiher. Mit Wasser gefüllt, wie es sich für einen Weiher gehört, ist die Fläche offenbar schon lang nicht mehr.

Abgesehen vom Verkehrslärm der nahen Autobahn, die sich in Hörweite befindet und durch ihren Ausbau auf drei Spuren pro Fahrtrichtung gerade ein Stückchen näher rückt, ist es hier ruhig und einsam. Hier kommt normalerweise niemand hin, außer vielleicht Pilzesucher, Querfeldeinwanderer, Förster, Jäger und Waldarbeiter.

Komplexe mathematische Berechnung

Trotzdem gab es einen guten Grund für die Vermessungsverwaltung, den Mittelpunkt zu ermitteln: „Immer mehr Landkreise haben nach der Berechnung ihres geographischen Mittelpunkts gefragt, um diesen für Zwecke des Tourismus- und Regionalmarketings nutzen zu können“, erklärt Barbara Hindinger als Pressesprecherin des LDBV.

Berechnet wurden die Mittelpunkte bayernweit nach der sogenannten Schwerpunktmethode, so Hindinger weiter. „Diese komplexe mathematische Berechnung lässt sich anhand eines Beispiels veranschaulichen: Hätte man eine ausgesägte Platte mit den Konturen eines Landkreises, wäre diese im Mittelpunkt perfekt ausbalanciert.“

„Natürlich sind wir in Heßdorf stolz darauf, dass sich Heßdorf im Zentrum unseres Landkreises befindet“, sagt Bürgermeister Horst Rehder dazu. So sei auch der Kreisbauhof strategisch günstig in der zentralsten Gemeinde des Landkreises platziert worden. Der Besitzer des Grundstücks ist ein Heßdorfer, der allerdings nicht mit dem Fränkischen Tag sprechen wollte. Er wolle nicht im Mittelpunkt stehen, ließ er die Redaktion wissen.

Womöglich interessant für Söder

Womöglich weckt diese Stelle aber das Interesse von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. Nicht nur, weil dieser offenbar ganz gern im Mittelpunkt steht. Sondern auch, weil Söder bereits vor Jahren damit begonnen hat, allerlei Mittelpunkte wie etwa den von Nürnberg oder den der Europäischen Union berechnen und dann feierlich einweihen zu lassen.

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