Schulen, Ausbildung, junge Familien, Mobilität, Klimaschutz: Die Liste an Themen, die Eberhard Irlinger in seinen zwölf Jahren als Landrat wichtig waren, ist lang, wie sein Nachfolger Alexander Tritthart seinen Zuhörern an diesem Montagvormittag vor Augen führt.
Rund 50 Gäste sind der Einladung ins Landratsamt gefolgt, um den 80. Geburtstag Irlingers mit ihm zu feiern, darunter ehemalige Weggefährten, Mitarbeiter und Amtsträger wie die Landratskandidaten Manfred Bachmayer und Karsten Fischkal, Röttenbacher Bürgermeister Ludwig Wahl oder der ehemalige Hörfunk- und Fernseh-Reporter Günther Koch.
Irlinger, das wird schnell klar, freut sich über jeden einzelnen von ihnen. Vor allem die musikalischen Einlagen des Landfrauenchors und des Männerchors der Chorgemeinschaft Kriegenbrunn und Falkendorf lassen ihn immer wieder begeistert mitwippen und -singen. Für das „Karpfenlied“ greift der Altlandrat sogar selbst zur Gitarre und spielt zusammen mit stellvertretendem Landrat Martin Oberle, der eigens dafür die Trompete auspackt. Auch mit seinen 80 Jahren weiß Irlinger das Publikum zu unterhalten.
Altlandrat Eberhard Irlinger wird 80
„Ich muss ab und zu Anekdoten einstreuen, sagt meine Lebensgefährtin“, erzählt er und bringt das Publikum zum Lachen. Und das tut er. Dass er selbst während der Abiturvorbereitung noch jeden Tag im Zug auf dem Weg zur Schule geschafkopft hat, dass er anlässlich seines Geburtstages ein T-Shirt mit dem Aufdruck „Old Schmetterhand“ von einem Bekannten aus dem Tischtennisverein geschenkt bekommen hat und dass der Frauenchor ihn einfach nicht mitsingen lassen will, all das erfahren seine Zuhörer, die ihm begeistert Beifall klatschen.
Die Bilder der Feier zum Durchklicken:
Doch nur auf das Positive konzentrieren will Irlinger sich selbst an seinem Ehrentag nicht. Natürlich sei der 80. Geburtstag ein Grund zum Feiern, vor allem wegen all der schönen Erinnerungen, die er gemacht habe. „Aber wie ist das denn mit der Gegenwart, der Zukunft?“, fragt Irlinger. „Die Gedanken daran sind eine Last.“ Allein die Bilder, die man in den Nachrichten aus Gaza sehe, seien furchtbar.
„Es bedrücken mich die Kriege, die immer mehr werden, mit immer mehr Opfern in der zivilen Bevölkerung. Ich werde wütend, wenn ich lese, dass alle zehn Sekunden ein Kind an Hunger stirbt. Dabei wäre die Weltbevölkerung satt zu kriegen, wenn nicht zum Beispiel die großen Konzerne die Preisgestaltung bestimmen würden“, so Irlinger. „Angst macht vielen Leuten der Rechtsextremismus, der in der Bundesrepublik den Namen AfD trägt, mit deutlich neonazistischen, nationalistischen, migrations- und frauenfeindlichen Zügen. Verbunden ist das mit immer mehr werdenden autoritären, autokratischen, diktatorischen und liberalistischen Staaten, angeführt durch alte Männer.“
Feier im Landratsamt Erlangen-Höchstadt
In diesem Zusammenhang müsse man auch die Angst um die Demokratie nennen. Diese zu schützen, sei die Pflicht jedes einzelnen, ist Irlinger überzeugt. „Ein Leben in Freiheit, wie wir es leben, geht nicht, ohne Verantwortung zu übernehmen.“ Für seine Rede erntet er bei den Anwesenden stehenden Applaus.
Eberhard Irlinger
Dass Irlinger auch lange nach dem Ende seiner politischen Karriere und trotz angeschlagener körperlicher Gesundheit noch gut informiert und auf dem aktuellen Stand ist, hebt auch Reinhard Bogdahn in seiner Rede hervor. „Wir sind im Ruhestand Freunde geworden und haben eine Gesprächsrunde eingerichtet“, berichtet der ehemalige Pfarrer. „Ich habe von Ihrer Gesamtsicht profitiert, von Ihrer Genauigkeit gelernt und von Ihren enormen Emotionen bin ich angesteckt worden.“
Die geistige Unabhängigkeit, die er im Gespräch mit Irlinger erlebt habe, sei ein schönes Erlebnis gewesen. Doch auch ein „Leiden an der Zeit“ sei in Gesprächen mit ihm wahrzunehmen. „Die Liebe zu den Menschen, die Sie praktiziert haben und die Sie noch immer haben, das ist die Friedensarbeit“, sagt Bogdahn. „Die Gespräche mit Ihnen sind für mich Hoffnungszeichen.“
Besondere Überraschung von Erlanger Duo „Wulli & Sonja“
Doch es sei längst nicht alles schlecht, betont Irlinger. „Und ich bin ganz bei denen, die sagen, das Glück liegt gerade in den kleinen Dingen und so lebe ich es auch in meinem heutigen Alltag. Wenn ich am Markt mit meinen Freunden an den Marktständen spreche, wenn ich unterwegs Menschen begegne, die sich an meine Landratszeit erinnern, wenn ich dann in den vollen Bus steige und mir lächelnd ein Platz angeboten wird. Und eins sage ich: Es sind meistens ausländische Mitbürger.“
Als besonderes Highlight und Überraschungspunkt im Programm tritt das bekannte Erlanger Duo „Wulli & Sonja“ auf. Sichtlich gerührt wiegt Irlinger sich im Takt und lässt es sich nicht nehmen, einige Zeilen selbst mitzusingen. Für die Zukunft wünscht Irlinger sich vor allem eine stabilere Gesundheit, wie er mehrfach betont. „Dieser schöne Tag und die Gesänge, das bleibt für immer in meinem Herzen“, sagt Irlinger am Ende der Feier.





























