Wenn es um Asylunterkünfte geht, ist damit oft ein bestimmtes Bild verbunden: viele Menschen auf engem Raum. Wenig Platz. Kaum Privatsphäre. Doch zahlreiche Geflüchtete leben in Wohnungen oder in Ein- und Mehrfamilienhäusern. Auch in vielen Orten im Landkreis Erlangen-Höchstadt gibt es diese sogenannten dezentralen Unterkünfte.
Eine weitere entsteht gerade in Hemhofen. Dort sollen 23 Geflüchtete in einem Einfamilienhaus einziehen. Dabei handelt es sich laut dem Landratsamt Erlangen-Höchstadt voraussichtlich um sechs Familien mit Kindern zwischen null und 14 Jahren. Jede Familie bekommt ihr eigenes, abgeschlossenes Zimmer. Bäder und Küche werden gemeinschaftlich genutzt.
Asylunterkunft Hemhofen: Unsicherheit lindern
Wenn eine neue Asylunterkunft angekündigt wird, gibt es bei den Anwohnern oft viele Fragen. Wer zieht nebenan ein? Wie läuft die Betreuung? Wer ist im Zweifelsfall zuständig? Um Unsicherheiten in Bezug auf die neuen Nachbarn zu nehmen und Fragen zu beantworten, hatten Landratsamt und Gemeinde die Anwohner im November zu einem Infoabend eingeladen. Die Stimmung sei wohltuend sachlich gewesen, erzählt Alois Meißner vom Helferkreis Hemhofen. Natürlich habe es bei den Nachbarn Besorgnisse gegeben. Doch die hätten relativ schnell abgemildert werden können. „Ich hatte es im Vorfeld ein bisschen schwieriger eingeschätzt“, sagt Meißner. Geholfen habe vermutlich auch die Information, dass Familien mit Kindern einziehen werden.
Der Helferkreis will die neuen Bewohner unterstützen. Schon rund um die Flüchtlingskrise 2015 und nach Ausbruch des Ukrainekrieges seien Ehrenamtliche aktiv gewesen, berichtet Meißner. Jetzt formiere sich der Helferkreis neu und bekomme Unterstützung von Menschen, die in der Nähe der Unterkunft wohnen. „Auch Jüngere, wollen sich kümmern. Das finde ich total super“. Welche Art der Unterstützung die Geflüchteten bräuchten, werde sich nach dem Einzug zeigen. Themen wie Kindergarten und Schule werden eine Rolle spielen, vermutet Meißner.
Dezentrale Unterkünfte erleichtern Integration
Dezentrale Unterkünfte wie die in Hemhofen bieten aus seiner Sicht Vorteile. Der Kontakt zwischen Geflüchteten und Anwohnern könne beispielsweise helfen, Vorbehalte abzubauen. Außerdem sei es leichter, Verbindungen zu Vereinen oder der Kirchengemeinde herzustellen. Als Nachteil sieht Meißner die längeren Fahrtwege. Ärzte und Ämter seien weiter entfernt.
Im Landkreis Erlangen-Höchstadt sind insgesamt knapp 600 Asylbewerber untergebracht (Stand: 16. Oktober 2024). Das geht aus einer Informationsvorlage des Ausschusses für soziale Angelegenheiten hervor. Zusätzlich gebe es rund 540 sogenannte „Fehlbeleger“. Das sind Menschen, deren Asylverfahren bereits abgeschlossen ist, die aber noch in einer Unterkunft wohnen. Darunter seien auch rund 135 Geflüchtete aus der Ukraine, heißt es in dem Bericht weiter.
Dem Landkreis Erlangen-Höchstadt werden regelmäßig weitere Geflüchtete zugewiesen. Damit die Menschen ein Dach über dem Kopf haben, arbeite das Landratsamt weiterhin an der Anmietung neuer Mietobjekte, erklärt die Behörde.
Beim Landratsamt sieht man sowohl die Chancen, als auch die Herausforderungen der dezentralen Unterbringung. Ein Vorteil sei, dass durch die kleineren Unterkünfte mehr Möglichkeiten zur Integration vor Ort geboten seien. Gleichzeitig gebe es – gerade, wenn eine neue Geflüchtetenunterkunft angemietet werde – oft Kritik und Bedenken seitens der Anwohner. Dieses Problem scheint allerdings nicht von Dauer zu sein: „Bei den bestehenden Unterkünften haben sich die Ängste und Sorgen jedoch nach der Inbetriebnahme schnell gelegt“.
Asylunterkunft in Röttenbach
Ähnlich berichtet das Ludwig Wahl, erster Bürgermeister von Röttenbach. In der Gemeinde sind im Juni Geflüchtete in ein Wohnhaus gezogen. Anfänglich sei das Thema von Unsicherheit geprägt gewesen, erklärt Wahl. Er habe dann die Nachbarn zu einem Gespräch eingeladen. Außerdem habe er sich mit dem Landratsamt das Haus und die Umgebung angesehen. Aktuell seien 17 Personen inklusive Kindern in dem Haus in Röttenbach untergebracht. „Das Ganze hat sich nach meinem Eindruck alles normalisiert“, sagt Wahl. Nachbarn würden sich temporär um die Bewohner kümmern und auch eine Mitarbeiterin der Gemeinde sei immer wieder in Kontakt mit den Geflüchteten.
Auch Wahl teilt die Einschätzung, dass dezentrale Einrichtungen bessere Möglichkeiten für die Integration bieten. Am wichtigsten ist aus seiner Sicht aber ein anderer Aspekt: „Ich glaube tatsächlich, dass Integration am besten funktioniert, wenn die Menschen so schnell als möglich arbeiten können – am Arbeitsplatz lernen sie vieles fürs tägliche Leben und die Akzeptanz für Geflüchtete wird nach meiner Meinung dadurch signifikant erhöht.“ Mit den vielen Vorgaben stehe sich Deutschland hier manchmal selbst im Weg.
Schwierige Wohnungssuche für Geflüchtete
Doch nicht nur der Zugang zum Arbeitsmarkt ist für Geflüchtete oft ein langer Prozess. Auch der Schritt hin zur eigenen Wohnung ist oft nicht einfach. Knapp die Hälfte der Bewohner in den Unterkünften seien „Fehlbeleger“ heißt es in den Unterlagen des Ausschusses für soziale Angelegenheiten. Sie würden in den Unterkünften lediglich geduldet, um Obdachlosigkeit zu vermeiden. „Die Erfahrungen zeigen, dass neben dem Fehlen von geeignetem Wohnraum oft auch die mangelnde Motivation der Bewohner zum Auszug ein Grund für den Verbleib in den Unterkünften ist.“
Das Landratsamt Erlangen-Höchstadt teilt auf Anfrage mit, dass die sogenannten „Fehlbeleger“ mit Nachdruck dazu aufgefordert würden, auszuziehen und sich selbst eine Wohnung zu suchen. Gleichzeitig sei bezahlbarer Wohnraum schwer zu finden. Darauf kann aufgrund der zunehmend angespannten Lage bei der Unterbringung in Zukunft vermutlich nur noch bedingt Rücksicht genommen werden.
Neben der Unterkunft in Hemhofen soll im kommenden Jahr eine weitere Unterkunft mit einer Kapazität von 38 Personen eröffnen. Eine Einrichtung für 40 Personen in Eckental soll hingegen Ende Januar wegfallen.













