Über einen solchen Haushalt könnten in Bayern nicht viele Kreistage beraten, sagte Landrat Alexander Tritthart (CSU) nicht ohne Stolz, als er in der Kreistagssitzung mit 284 Millionen Euro einen neuen Rekordhaushaltsplan zur Abstimmung stellte. Nach gut zweistündiger Debatte wurde das Zahlenwerk für 2026 einstimmig abgesegnet.
Wofür gibt der Landkreis Erlangen-Höchstadt in diesem Jahr sein Geld aus? Einen „sehr starken Anstieg“ vermeldete Tritthart in seiner Haushaltsrede aus den Bereichen des Jugendamtes und des ÖPNV. Soziales und Jugendhilfe machten ihm Bauchschmerzen. Hier müssten in diesem Jahr 65,1 Millionen Euro aufgewendet werden. Nach staatlichen Erstattungen und Zuweisungen müsse der Kreis dafür rund 38,5 Millionen aufbringen.
Haushalt 2026: Hier investiert Erlangen-Höchstadt
In der Jugendhilfe habe sich der Finanzbedarf mit fast 25 Millionen innerhalb von zehn Jahren mehr als verdoppelt. Die finanziellen Schwerpunkte liegen bei der Eingliederungshilfe für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche mit 7,8 Millionen Euro. Hilfen für junge Volljährige sind mit 3,2 Millionen Euro angesetzt, der gleiche Betrag für sozialpädagogische Familienhilfe. Für Heimerziehung gibt der Kreis 2,3 Millionen Euro aus. 3,1 Millionen sind für Unterbringung und Betreuung unbegleiteter minderjähriger Ausländer vorgesehen.
Generell fordert Tritthart in der Jugendhilfe „ein Umdenken auf allen staatlichen und kommunalen Ebenen und eine kritische Auseinandersetzung auch mit unseren eigenen Standards“. Er appellierte an alle Kreisräte, sich die Standards vorzunehmen. Ein weiterer Anstieg der Ausgaben in diesem Bereich könne nur noch schwer finanziell getragen werden.
Ins Geld geht auch der ÖPNV im Landkreis. Für das gut ausgebaute Netz an Buslinien rechnet der Kreis heuer mit Kosten von 6,7 Millionen Euro. Durch weitere, jüngst beschlossene Linien werde der Finanzbedarf im kommenden Jahr um weitere 2,5 Millionen Euro steigen, so Tritthart.
Steigende Umlagen belasten Kommunen in Erlangen-Höchstadt
Höher als jedes Fachbudget im Landkreishaushalt ist mit 90,9 Millionen Euro die Bezirksumlage. Hier warf Bezirks- und Kreisrätin Ute Salzner (CSU) allerdings ein, dass etwa die Hälfte davon den Bürgern im Landkreis wieder zugutekomme. Um selbst seinen Finanzbedarf decken zu können, erhöht der Kreis die von den Gemeinden abzuführende Kreisumlage um 0,4 auf 51,15 Hebesatzpunkte. Sie sollte ursprünglich deutlich höher ausfallen. Harte Sparmaßnahmen ließen in Erlangen-Höchstadt die anfangs befürchtete Finanzlücke von 12,5 auf 1,4 Millionen zusammenschmelzen.
Für das Kreiskrankenhaus St. Anna in Höchstadt ist 2026 ein Defizit von 2,75 Millionen Euro eingeplant. „Andere Kommunen würden sich bei einem solchen Betrag glücklich schätzen, teilweise müssen sie zweistellige Millionendefizite verkraften“, sagte der Landrat.
Kräftig investiert wird auch in zahlreiche der 15 in der Trägerschaft des Kreises stehenden Schulen mit ihren über 8650 Schülern. Die größte Summe fließt in den Neubau des Emil-von-Behring-Gymnasiums in Spardorf mit heuer 25 Millionen Euro.
Neubau des Emil-von-Behring-Gymnasiums größte Investition
Mit geplanten Gesamtkosten von 59 Millionen ist das Gymnasium die teuerste Baumaßnahme in der Geschichte des Landkreises. Für ein fünftes Gymnasium im Landkreis, das im Heßdorfer Ortsteil Hannberg entstehen soll, liegt der Antrag auf Neugründung noch beim Kultusministerium. Tritthart: „Wir warten derzeit gespannt auf die Entscheidung.“
Angelaufen ist inzwischen auch der Neubau der Landratsamt-Dienststelle in Höchstadt. Von den insgesamt 23 Millionen Euro Gesamtkosten stehen im aktuellen Haushaltsjahr 5,8 Millionen zur Verfügung. Für Landrat Tritthart ist das Investitionsprogramm bis 2029 „ein deutliches Zeichen an die Zukunft“, sollen in dem Zeitraum doch 76,4 Millionen Euro investiert werden. Um den Haushalt 2026 auszugleichen, müssen aber auch 10,5 Millionen Euro Kredit aufgenommen werden.
Haushaltsreden vom Wahlkampf geprägt
In ihren vom laufenden Wahlkampf geprägten Haushaltsreden signalisierten alle Fraktionschefs ihre Zustimmung, hatten aber auch die eine oder andere kritische Anmerkung. SPD-Sprecher German Hacker stimmte dem Haushalt zu, „weil er viel enthält, was von der SPD beantragt und mitgetragen wird“. Bei der Bezirksumlage sieht er das Ende der Fahnenstange erreicht, die Kreisumlage möchte der Herzogenauracher Bürgermeister nicht mehr erhöhen.
„Schulen müssen nicht alles haben – auch nicht immer das Modernste und Beste“
Wenn man das Spardiktat ernst nehme, hätte man sich die neue Buslinie von Höchstadt nach Forchheim sparen können, meint er. Nachholbedarf sieht Hacker bei den Personalkosten im Landratsamt. Hier möchte er durch einen „sanften Abbau“ einsparen. Sorge mache ihm die Steigerung der Personalkosten von 2022 bis heute um 35 Prozent. Landrat Tritthart verteidigte die Ausgaben fürs Personal mit immer mehr Aufgaben, die dem Kreis „von Staat und Bund aufgedrückt werden“.
„Wir müssen die Standards anpassen“, forderte CSU-Sprecher Walter Nussel. Im Haushalt sieht der Landtagsabgeordnete „die Grundversorgung der Bevölkerung“. In der Sozialhilfe müsse man sich fragen, was zur Grundversorgung gehöre. Nussel: „Schulen müssen nicht alles haben – auch nicht immer das Modernste und Beste.“ Der Straßenunterhalt lasse zu wünschen übrig.
Baugenehmigungen will Nussel beschleunigen und auch im sozialen Wohnungsbau schneller werden. Karsten Fischkal und seine Freien Wähler stehen hinter den Investitionen und hinter dem Kreiskrankenhaus. Die Kreisumlage solle aber wieder unter 50 Punkte fallen, forderte der Adelsdorfer Bürgermeister. Ein gut ausgebauter ÖPNV gehöre für ihn zur Daseinsfürsorge.














