Viele Gemeinden wollen in ihrer kommunalen Wärmeplanung künftig auf Fernwärme setzen. So auch Lonnerstadt. Erst kürzlich feierten die Lonnerstadter den Spatenstich für ihr Heizhaus am Ortsrand, das spätestens im Oktober 2025 in Betrieb gehen soll. Im Gegensatz zu andernorts handelt es sich bei dem Fernwärmenetz jedoch um kein Projekt der Gemeinde, sondern um eins der Bürgerschaft. Laut Bürgermeisterin Regina Bruckmann ein Modell, das sich möglicherweise auch für andere Kommunen lohnen könnte.
Reich an Bürgerengagement
„Lonnerstadt ist wirtschaftlich gesehen die ärmste Gemeinde des Landkreises Erlangen-Höchstadt“, erklärt Bruckmann. Alleine könnte man ein solches Projekt folglich nicht finanzieren. Rund zehn Kilometer umspanne das geplante Leitungsnetz. Und das Investitionsvolumen beträgt 7,8 Millionen Euro – das größte Vorhaben in der Geschichte der Gemeinde. Aus diesem Grund habe man bereits 2022 beschlossen, eine spezielle Unternehmensgesellschaft (UG & Co. KG) mit interessierten Bürgern zu gründen, bei der die Gemeinde nur einer von vielen Teilhabern sei – auch wenn alle kommunalen Liegenschaften an das Netz angeschlossen würden.
„Die Entscheidung, eine solche bürgerliche Gesellschaft zu gründen, hat zahlreiche weitere Vorteile“, erklärt die Bürgermeisterin. Und zwar würden Bürger ähnlich wie bei Energiegenossenschaften direkt von den Maßnahmen profitieren – im Gegensatz zu einem Modell, bei dem ein Unternehmen oder die Gemeinde selbst als einziger Investor auftrete. Dies führe im Umkehrschluss zu einer regen Bürgerbeteiligung und höheren Akzeptanz einer solchen Maßnahme.
Autarke Gemeinde Lonnerstadt
Insgesamt 145 Gesellschafter sind bei dem Projekt mit im Boot. Manche gleich mit mehreren Immobilien. Folglich müssten 156 Haushalte angeschlossen werden. „Die Kosten für einen Anschluss betragen rund 15.000 Euro“, erklärt Herbert Kraft, Geschäftsführer des bürgerlichen Projekts. Diese Kosten seien jedoch auch für Privatpersonen durch die KfW förderfähig.
Geheizt werden solle – zumindest in der kalten Jahreszeit – mittels einer Hackschnitzelheizung. „Die Hackschnitzel hierfür wollen wir aus dem Gemeindegebiet beziehen“, berichtet Kraft. Das sei ökologisch sinnvoller als Material aus der Ferne heranzuschaffen und außerdem kein Problem. Lonnerstadt verfüge über viel Waldland und jedes Jahr wachse dreimal mehr Holz nach als die Heizung voraussichtlich verbrauche.
440.000 Liter Heizöl gespart
Im Sommer wolle man auf eine Luftwärmepumpe setzen. Auch die Energie hierfür solle jedoch aus dem Gemeindegebiet stammen. „Knapp 100 Meter entfernt vom Heizhaus befindet sich ein Einspeisepunkt für eine Solaranlage“, erzählt der Geschäftsführer. Diese gehöre einer der anderen Lonnerstadter Bürgerenergieinitiativen, die zu einer Kooperation bereit sei.
„So wird es uns künftig gelingen, alle unsere Energiebedürfnisse eigenständig zu stillen“, betont er. Dieser Schritt ist für Lonnerstadt ein großer Gewinn. Man werde in Bezug auf Energie zu einem vollständigen Selbstversorger. Die Heizölersparnis durch das Projekt beträgt übrigens voraussichtlich 440.000 Liter.
Gesunde Gemeinschaft
„Dies ist ja nicht die erste Energie-Initiative aus der Bürgerschaft“, betont Bürgermeisterin Regina Bruckmann. Tatsächlich seien auch alle Windräder und Solarfelder im Gemeindegebiet fest in Bürgerhand. Ein Modell, welches sich für die Lonnerstadter offenbar bewährt habe. „Mich macht das stolz“, erklärt Bruckmann. Für sie sei das auch ein Zeichen, dass die Dorfgemeinschaft im Markt gesund sei und floriere.
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