Bald wird Johannes Herold noch mehr zu tun bekommen. Doch das macht dem technischen Leiter der Gemeindewerke Adelsdorf nichts aus. Im Gegenteil. Immer wenn eine weitere Heizung an das Adelsdorfer Nahwärmenetz angeschlossen wird, darf er zumindest gedanklich wieder einen Hahn aufdrehen. Bis zu 1000 Haushalte sollen es einmal sein, die von der lokal erzeugten Wärme profitieren können. Bis dahin ist es noch ein gutes Stück Arbeit – aber Adelsdorf ist bereits auf einem guten Weg.
Wie das Nahwärmenetz in Adelsdorf funktioniert
Es ist ein heißer Sommertag Ende Juli, als Johannes Herold durch die Energiezentrale am Adelsdorfer Bauhof führt. Kaum vorstellbar, an solch einem Tag übers Heizen zu sprechen. Herold lacht. „Auch im Sommer wird warm geduscht“, sagt er. Und erklärt weiter, wie aus dem gigantischen Berg an Holz-Hackschnitzeln, die noch vor der Tür lagern, über ein technisch ausgeklügeltes System die Wärme in die Haushalte kommt.
Am Bauhof steht neben einer Anlage auf dem GWA-Gelände die aktuell wichtigste Energiezentrale, betrieben von einem Biomassekessel mit einer Leistung von bis zu 1,2 Megawatt sowie einem Warmwasserspeicher, der bis zu 60.000 Liter fasst. Unterstützt wird die Heizzentrale von einer PV-Anlage. Gut 3800 Kubikmeter Hackschnitzel verfeuern die GWA schon jetzt im Jahr – Tendenz steigend. Das Holz stammt vorwiegend aus der direkten Umgebung, hauptsächlich gelangt Rest- und Käferholz in die Kessel.
Noch mehr Power haben soll einmal die Energiezentrale II, die auf dem „Schützengrundstück“ in der Höchstadter Straße neu gebaut werden soll. Bis zu zehn Megawatt Leistung sollen von dort einmal ausgehen. Eine weitere Heizzentrale ist perspektivisch zudem an der Kläranlage geplant.
Adelsdorf: Erst Rathaus und Co, dann Haushalte
Aktuell sind laut GWA knapp 100 Haushalte angebunden, weitere 25 sollen in diesem Jahr noch folgen, erklärt GWA-Prokuristin Elena Stark. 30 Kilometer lang sollen sich die Kunststoff- und Stahlrohre einmal unter den Straßen Adelsdorfs entlangschlängeln. Gut sechs Kilometer wurden bereits verbaut. „Angefangen hat es mit gemeindeeigenen Gebäuden, wie etwa dem Rathaus, Kindergärten und der Aischgrundhalle“, so Stark. Hiernach häuften sich die Bürgeranfragen, sie wollten auch ans Netz.
Nahwärme im Landkreis Erlangen-Höchstadt
Gesagt, getan. Wie in vielen weiteren Gemeinden deutschlandweit baut also auch Adelsdorf sein Nahwärmenetz aus. Weitere Positivbeispiele, wie Ulrike Saul, die Klimaschutzbeauftragte des Landkreises Erlangen-Höchstadt, sie nennt, gibt es in Spardorf, Röttenbach und Bubenreuth. „Die Gemeinde Adelsdorf, aber auch viele andere im Landkreis, haben ihre Hausaufgaben bereits angefangen“, so Saul. Dennoch sei aber noch viel zu tun. Ein Nahwärmenetz ist für Saul eine sehr gute Option hin zur dezentralen Energiewende.
Zumindest in halbwegs dicht besiedelten Gebieten wie Ortskernen und größeren Ortsteilen. Je dünner besiedelt die Gegenden sind, desto länger muss das Leitungsnetz geplant werden, desto größer sind die Leistungsverluste unterwegs. „In ländlichen Gebieten ist meiner Meinung deswegen vor allem die Wärmepumpe die zukünftige Art zu heizen“, so Saul.
Wo in Adelsdorf noch gebaut wird - und wo bald
Zurück nach Adelsdorf, wo in den kommenden Jahren kräftig nachgerüstet werden soll. Im Oberdorf sowie in der Höchstadter Straße und der Pommernstraße wird in diesem Jahr noch gearbeitet, im kommenden Jahr kommen weitere Straßenzüge hinzu. Weitere Infos gibt es hier (externer Link).
Für die Anwohner gilt ein wichtiger Hinweis, wie die GWA meldet: Der Zugang zu den Grundstücken solle jederzeit möglich sein. Man werde rechtzeitig vorher informiert, auch wegen des dann nötigen Umparkens. Darüber hinaus können sich Änderungen im Linienbusverkehr ergeben, einzelne Haltestellen könnten kurzzeitig verlegt werden. Die Gemeinde Adelsdorf informiert auf ihrer Homepage (externer Link) über Änderungen.
Warum Holz wichtig fürs Heizen sein kann
Aktuell versuchen Elena Stark und ihre Kollegen von der GWA noch weitere Anwohner von den Vorzügen einer Nahwärmeversorgung zu überzeugen. Auch, dass Holz als Rohstoff fürs Heizen besser sei als sein Ruf, gehört zu ihrer Öffentlichkeitsarbeit. Unterstützung bekommt sie von dem neuen Präsidenten der Bayerischen Waldbesitzervereinigung Bernhard Breitsameter, der sich an jenem Julitag ebenfalls die Heizzentrale anschaut. „Holz ist der wichtigste Rohstoff, den wir haben“, sagt er. „Den in den Wäldern gespeicherten Kohlenstoff müssen wir in der Holzwirtschaft nutzen, sowohl zum Verbauen als auch zum Verheizen“, sagt er.
„In acht Jahren soll der gesamte Ort Adelsdorf mit Nahwärme versorgt werden“, sagt Elena Stark. Die Vorteile fasst sie so zusammen: Ein Nahwärme-Anschluss erfülle alle Vorgaben aus dem Gebäude-Energie-Gesetz, kläre langfristig die Energieversorgung und unterliege im Vergleich zu Öl und Gas nur geringen Preisschwankungen. Wie das für die Anwohner genau funktioniert, was sie baulich beachten müssen, welche Preise gelten und was sie rechtlich beachten müssen, haben die Gemeindewerke Adelsdorf auf ihrer Homepage zusammengestellt.
Lesen Sie auch:


















