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THW Baiersdorf
Finanzmittel sinken, bürokratische Hürden steigen
Der 2014 beschaffte GKW des THW in Baiersdorf auf MAN-Basis steht seit fast zehn Jahren draußen in Wind und Wetter, weil die Halle für das Fahrzeug zu klein ist. Für THW-Chef Jonathan Wedler ist das kein akzeptabler Zustand.
Der 2014 beschaffte GKW des THW in Baiersdorf auf MAN-Basis steht seit fast zehn Jahren draußen in Wind und Wetter, weil die Halle für das Fahrzeug zu klein ist. Für THW-Chef Jonathan Wedler ist das kein akzeptabler Zustand. // Martin Regner
Baiersdorf – Zu wenig Platz, veraltete Infrastruktur, reparaturanfällige Fahrzeuge, bürokratische Hürden: Die Helfer des THW in Baiersdorf beklagen, dass sie von Jahr zu Jahr weniger Geld erhalten.

Hochwasser, Zugunglücke, Stürme: Wenn es brenzlig wird, ist das Technische Hilfswerk (THW) gefragt. Doch die ehrenamtlichen Helfer des THW in Baiersdorf haben ein Problem: Der Platz in der bereits deutlich sichtbar in die Jahre gekommenen Unterkunft an der Königsberger Straße reicht schon lange nicht mehr.

Und auch die Geldmittel für Reparaturen von alten oder für die Anschaffung von neuen Fahrzeugen sind knapp, wie der Baiersdorfer THW-Chef Jonathan Wedler beklagt. Eines seiner Sorgenkinder ist der GKW aus dem Baujahr 2000, der seit Wochen nicht auf seinem Stellplatz in Baiersdorf steht, sondern in der Werkstatt.

Der Iveco-Magirus vom Typ Eurocargo „ist gezeichnet durch unzählige regionale und überregionale Einsätze“, erklärt Wedler. An dem 23 Jahre alten Fahrzeug würden sich die Defekte häufen und in der Folge die Kosten für Ersatzteile und Reparaturen steigen.

Wenn die Teile überhaupt erhältlich sind: Manche Komponenten für den Iveco-Magirus seien schon nicht mehr lieferbar und dann „müssen aufwendige Recherchen durchgeführt werden, ob Teile aus alten Fahrzeugen aufgetrieben und eingesetzt werden können.“

Weniger Budget als in den Vorjahren

Allein für 2023 rechnet Wedler damit, dass die fortlaufenden Reparaturen am alten GKW in Summe rund 10.000 Euro verschlingen werden. Dazu muss man wissen, dass der Ortsverband Baiersdorf von der Bundesanstalt THW ein Jahresbudget von rund 73.000 Euro zugewiesen bekommen hat.

Der GKW und seine Reparaturen verschlingen davon also allein schon einmal rund 14 Prozent. Und obwohl die Zahl und die Schwere der Einsätze durch die Auswirkungen der Klimakrise in Zukunft wohl eher noch zunehmen werden, wird das vor Ort verfügbare Geld immer weniger: Die sogenannten Selbstbewirtschaftungsmittel des Ortsverbands Baiersdorf sind laut Wedler bereits im Jahr 2023 „erheblich geringer ausgefallen als in den Vorjahren“ und „auch im nächsten Jahr erwarten wir eine Reduzierung der zur Verfügung stehenden Mittel“.

Das Ergebnis: Für die Aus- und Fortbildung der ehrenamtlichen Helfer sei oft kein Geld mehr übrig und Instandsetzungsmaßnahmen an Gerätschaften und Fahrzeugen müssten verschoben werden. Eine ungünstige Konstellation, die durch die hohe Inflation noch verschärft werde, wie Wedler im Gespräch mit der Redaktion erläutert.

Währenddessen kann Wedler dem zweiten GKW im Fuhrpark seines Ortsverbands, der von MAN hergestellt und 2014 angeschafft worden ist, beim beschleunigten Verfall zuschauen. Denn das teure Spezialfahrzeug ist zu hoch für die Halle und passt nicht durch die Tore.

Enormer Investitionsstau

Deswegen steht es seit fast zehn Jahren draußen. Wind, Regen und die UV-Einstrahlung durch die Sonne haben bereits deutlich sichtbare Schäden an dem Fahrzeug hinterlassen. Dazu kommt, dass der GKW bei Einsatz- und Übungsfahrten im Winter erst von Eis und Schnee befreit werden muss, bevor es losgehen kann.

Das verzögert nicht nur die Anfahrt zum Einsatzort, bei der es ja eigentlich so schnell wie möglich gehen soll, sondern bindet auch die Kraft und die Zeit der ehrenamtlichen Helfer, die dann für andere Tätigkeiten fehlen.

Der Ortsbeauftragte Wedler ist mit dieser Situation unglücklich und fordert, „den enormen Investitionsstau schnellstmöglich zu beheben“. Denn auch der Gesamtzustand der in den Jahren 1979 und 1980 errichteten THW-Gebäude an der Königsberger Straße zeigt deutlich Alterung und Abnutzung.

Wedler spricht davon, dass die Liegenschaften des THW in Baiersdorf zum Teil in einem „desolaten Zustand“ sind. Die Fahrzeuge, die in die Halle passen, stehen dicht an dicht.

Lackner fordert solide Finanzierung

Weitere Geräte und Materialien müssen zwischen und hinter den Einsatzfahrzeugen gelagert werden, einfach weil es sonst keinen anderen Platz dafür gibt. Die beschriebenen Probleme mit der Ausstattung sind nach Einschätzung des Baiersdorfer Ortsbeauftragten aber kein lokales Problem, sondern haben einen bundesweiten Zusammenhang: „Das THW war viele Jahrzehnte einer Mangelverwaltung ausgesetzt.“

Die Hilfsorganisation leidet außerdem unter bürokratischen Hürden, die die Arbeit der ehrenamtlichen Helfer weiter erschweren: „Wir sind gezwungen, unser Jahresbudget an Selbstbewirtschaftungsmitteln bis spätestens Ende November ausgegeben zu haben, sonst werden diese eingezogen“, erklärt Wedler.

„Ein Übertrag in das nächste Jahr ist nicht möglich.“ Die Konsequenz: Für kostspielige Beschaffungen oder Reparaturen könnten keine Rücklagen gebildet werden. Da die den THW-Ortsverbänden zugewiesenen Geldmittel außerdem an bestimmte Verwendungszwecke gebunden seien und man nicht einfach Gelder zwischen diesen sogenannten Titeln umbuchen dürfe, könne es passieren, dass ein Ortsverband zwar Geld für eine dringende Beschaffung hätte, diese aber trotzdem nicht durchführen könne, weil die Kosten den in diesem Jahr für Beschaffungen vorgesehen Titel in den Haushaltsmitteln übersteigen würden.

Zumindest steht Jonathan Wedler mit seinen Problemen nicht allein da: Die THW-Präsidentin Sabine Lackner forderte bereits eine solide Finanzierung vom Bundesinnenministerium.

Schwarz lobt Bundeshilfe für THW

In einem Interview mit der taz hatte Lackner gewarnt, das THW komme noch durch das Jahr 2024, „aber danach wird es richtig eng“. Weiter forderte sie eine „auskömmliche, solide Finanzierung“, in Zahlen mindestens 590 Millionen Euro. Tatsächlich sind für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe für 2024 lediglich rund 550 Millionen Euro veranschlagt.

Nachfrage bei einem, der an den Berliner Hebeln sitzt: Andreas Schwarz, SPD, Bundestagsabgeordneter aus dem benachbarten Wahlkreis Forchheim und Mitglied im Haushaltsausschuss des Bundestags. „In den vergangenen Jahren investierten wir massiv im Rahmen der Corona-Konjunkturpakete in THW und das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK)“, schreibt Schwarz auf Anfrage.

Laut Schwarz würden die THW-Ortsverbände – und damit auch der Schutz der Menschen vor Ort – mit dem neuen Bundeshaushalt gestärkt. So dürften die Verbände jetzt einschränkungsfrei bis zu 5000 Euro ohne Ausschreibung ausgeben; bisher seien es nur 1000 Euro gewesen.

Auch seien die Mittel für die Ortsverbände sowie die Gelder für Aus- und Weiterbildung aufgestockt worden, hebt der Abgeordnete hervor.

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