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Gymnasium Höchstadt
Abschied: Für Roland Deinzer ist Schule ein kleiner Kosmos
Roland Deinzer blickt auf seine vierjährige Zeit als Direktor des Gymnasiums Höchstadt zurück.
Roland Deinzer blickt auf seine vierjährige Zeit als Direktor des Gymnasiums Höchstadt zurück. // Johanna Blum
Signet des Fränkischen Tags von Johanna Blum
Höchstadt a. d. Aisch – Der Schulleiter des Gymnasiums Höchstadt geht in den Ruhestand. Er war stets ein Pädagoge mit Herzblut und mit einem lachenden, aber auch mit einem weinenden Auge.

Der Schulleiter des Gymnasiums Höchstadt, Roland Deinzer, geht in den Ruhestand. „Ich bin in meinem Leben beschenkt worden, weil ich beruflich viele interessante Tätigkeiten ausüben durfte“, sagt der scheidende Schulleiter. „,Alles hat seine Zeit’, heißt es in der Bibel. Da gehört auch die Zeit zum Gehen dazu“, fügt er an. Nach vier Jahren als Schulleiter in Höchstadt verlässt der Oberstudiendirektor am 17. Februar das Gymnasium mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Im Gespräch erzählt er, warum er Lehrer werden wollte, wie er seinen Beruf heute sieht und welche Pläne er für die Zukunft hat.

Warum haben Sie den Lehrerberuf gewählt?

Roland Deinzer: Ich habe bewusst evangelische Theologie studiert, weil es dabei auf eine umfassende Weise um das Leben und um die Menschen geht. Bildungsfragen waren und sind für mich einfach wichtig. Im Laufe meines Arbeitslebens spezialisierte ich mich nach meiner Zeit als Gemeindepfarrer in Wirsberg, während der ich in Kulmbach am Gymnasium unterrichtete, auf den Schulbereich. Als hauptamtlicher Religionslehrer und Religionspädagoge wurde später mein Dienstherr das Kultusministerium.

Roland Deinzer wollte Zeit für die Menschen haben und Gesprächspartner sein.
Roland Deinzer wollte Zeit für die Menschen haben und Gesprächspartner sein. // Johanna Blum

Was zog Sie ans Gymnasium Höchstadt?

Das war Zufall oder Fügung. Als ich davon erfuhr, dass Ulrich Günther in den Ruhestand trat, sah ich das als eine Chance, meine bisherigen Erfahrungen in den unterschiedlichsten schulischen Arbeitsbereichen zusammenzuführen, zu bündeln, und bewarb mich 2016 auf die Stelle als stellvertretender Schulleiter. Den Schritt habe ich nie bereut.

Was gefällt Ihnen an dieser Schule, was könnte vielleicht besser sein?

Wenn es mir nicht gefallen hätte, hätte ich mich nicht auf die Stelle des Schulleiters beworben. Hier in Höchstadt hat mir das hervorragende Kollegium gefallen – rund 120 Lehrer und Lehrerinnen. Der Zusammenhalt war und ist perfekt und wir sind auf einer Wellenlänge. Hier sehen die Pädagogen die Schüler als Menschen. Auch die Schülerinnen und Schüler identifizieren sich mit unserer Schule und fühlen sich wohl. Wir bemühen uns, sie nicht von ihren Noten her zu sehen, sondern als einmalige Menschen. Außerdem haben wir hier eine gute technische Ausstattung und nicht zu vergessen das gute Verhältnis zum Landratsamt als Schulaufwandsträger.

Roland Deinzer: „Ich war ein Lehrer und  Schulleiter mit Herzblut“.
Roland Deinzer: „Ich war ein Lehrer und Schulleiter mit Herzblut“. // Johanna Blum

Was waren Ihre Lieblingsprojekte?

Ich kann mit keiner klassischen Erfolgsstory aufwarten, denn die Corona-Pandemie hat leider vieles verhindert und das Management dieser Krise war unsere vorrangige Aufgabe. Schade ist auch, dass die Einrichtung eines musischen Zweiges nicht klappte. Aber dafür gibt es viele schöne Projekte wie unsere Seminare, die zum Teil sehr erfolgreich sind und denen immer wieder Preise verliehen werden. Auf unseren „Makeathon“ mit Achim Engelhardt ist sogar der Bayerische Rundfunk aufmerksam geworden. Und „Schule ohne Rassismus“ sehe ich als ein ganz wichtiges Aufgabengebiet an. Als Schulleiter kann ich natürlich diese Projekte nicht persönlich ausführen, aber ich habe sie immer gefördert und bin stolz auf die eifrigen Kolleginnen und Kollegen „meiner“ Schule.

Wie fanden Sie die Arbeit als Schulleiter?

Die Arbeit empfand ich schon als recht anstrengend, und deswegen hatte ich mir schon im Vorfeld viele Gedanken gemacht, ob ich mich bewerbe. Es steckt nämlich auch eine enorme Gestaltungsarbeit dahinter. Für mich ist Schule ein kleiner Kosmos mit Menschen, die ihr Leid und ihre Freude mit sich herumtragen. Ich wollte Zeit für die Menschen haben, wollte Gesprächspartner sein. Ich habe immer die Türe offengehalten. Das war für mich selbstverständlich, und ich hoffe, den Kolleginnen, Kollegen und auch den Schülerinnen und Schülern möglichst gerecht geworden zu sein.

Wie steht es heute mit dem Unterrichten?

Das Unterrichten ist heute wichtig und nötiger denn je. Querdenker und „Fake News“ erschweren vernunftorientierte Gespräche, die eigentlich helfen sollen, die Welt ein Stück weit zu verstehen. Unsere postmoderne Welt ist an vielen Stellen unübersichtlich geworden, deshalb ist Wertebildung in der Schule notwendig. Wir dürfen den Blick auf die Schüler und was sie umtreibt, nicht aus den Augen verlieren. Die Corona-Pandemie hat das Unterrichten zusätzlich erschwert, und auch die Tatsache, dass wir an vielen Stellen zu wenig Lehrkräfte haben, erleichtert den Umgang mit diesen Aufgaben nicht unbedingt.

Wie geht es nun weiter?

Mein Nachfolger ist Alois Selder. Er war bislang stellvertretender Schulleiter hier. Ich scheide tatsächlich mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Denn ich war mit Herzblut Lehrer und Schulleiter, und sicher wird mir manches fehlen wie der Kontakt zur Jugend. Aber ich freue mich auch darauf, mehr Zeit für meine Familie und meine Enkelkinder zu haben. Daneben werde ich meine Hobbys pflegen, die in den letzten Jahren zu kurz gekommen sind. Auch will ich wieder mehr reisen. Langweilig wird mir also nicht werden.

Lebenslauf Roland Deinzer

Geburt 1956 in Nürnberg

Ausbildung
1976 Abitur in Regensburg
1976 bis 1983 Studium der evangelischen Theologie in Erlangen

Berufsleben
1983 bis 1985 Vikar in Baiersdorf
1985 bis 1986 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni Bamberg
1986 bis 1990 Pfarrer in Wirsberg im Dekanat Kulmbach und nebenamtlicher Religionslehrer am dortigen Caspar-Vischer-Gymnasium
seit 1990 als hauptamtlicher Religionslehrer im gymnasialen Schuldienst, zunächst in Erlangen am Ohm-Gymnasium, dann am Herder-Gymnasium in Forchheim und an der Wilhelm-Löhe-Schule in Nürnberg
seit 2016 am Gymnasium Höchstadt (stellvertretender Schulleiter bis 2019, danach Schulleiter)

Tätigkeiten neben dem Schuldienst:
1999 bis 2005 Referent für evangelische Religionslehre am Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung ISB in München
2005 bis 2007 Schultheologe an der Wilhelm-Löhe-Schule in Nürnberg
2004 bis 2016 Fachreferent für evangelische Religionslehre beim Ministerialbeauftragten in Oberfranken
2007 bis 2016 Leiter der gymnasialpädagogischen Materialstelle in Erlangen

 

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