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Darum klagen die Bauern
Düngeverordnung: Rote Gebiete bedrohen Landwirtschaft
Karte Nitratgebiete
Die Karte der Nitratgebiete zeigt die Belastung an. In Zukunft könnten noch mehr rote Gebiete dazukommen. // Franziska Schäfer
Signet des Fränkischen Tags von Andreas Wolfger
Lonnerstadt – Teile von fünf Landkreisen und der Stadt Bamberg gehören zum selben Grundwasserkörper. Insgesamt gibt es in dem Gebiet aber nur 17 Messstellen. Zu wenig, findet der Lonnerstadter Thomas Pfeiffer.

Bereits 1991 hat die EU – damals noch unter dem Namen Europäische Wirtschaftsgemeinschaft bekannt – ihre Nitratrichtlinie zum Schutz des Grundwassers erlassen. Gegen die aktuelle Umsetzung dieser Richtlinie in Bayern klagen zahlreiche Bauern vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof. Einer der ersten Prozesse, der bereits seit Ende Januar verhandelt wird, ist der von Teebauer Thomas Pfeiffer aus Lonnerstadt.

Gebiet spannt über fünf Landkreise

„Wir sind nicht gegen Umweltschutz oder dagegen, dass Landwirte dazu auch ihren Betrag leisten müssen“, erklärt er. Trotzdem kämpft er bereits seit Jahren gegen unterschiedliche Versionen der Verordnung. Denn laut ihm sind die Messungen anhand der Flächen für Nitrat-belastet und somit zu roten Gebieten erklärt werden für einen Großteil der jeweiligen Gebiete nicht aussagekräftig. Warum erklärt er anhand des Sandsteinkeuper Höchstadt an der Aisch – dem Grundwasserkörper, zu dem auch sein Land gehört.

Auf Karten glaubt manch einer in dem Grundwasserkörper eine schrumpelige kleine Hexe zu erkennen. Sein Areal spannt sich von Oberaurach (Landkreis Haßberge) über Burgebrach (Landkreis Bamberg), Teile der Stadt Bamberg, Willersdorf (Landkreis Forchheim) und Höchstadt bis nach Neustadt an der Aisch (Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim). „Der Grund hierfür sind geologische Beschaffenheiten im Untergrund“, erklärt Hans Joachim Rost, Sprecher des Wasserwirtschaftsamtes Kronach, welches den Grundwasserkörper betreut.

Messstelle bis zu 10 Kilometer entfernt

Obwohl sich das Gebiet über insgesamt fünf Landkreise sowie eine kreisfreie Stadt erstreckt, gibt es hier nur insgesamt 17 Messstellen für die Bestimmung der Nitratwerte. Diese liegen mitunter direkt nebeneinander. Die Areale, die zu den Messstellen gehören, sind anhand mathematischer Formeln und in Bezug auf die Distanz zu benachbarten Messstellen festgelegt.

Dies führt etwa dazu, dass drei dicht nebeneinander liegende Messstellen nördlich von Burgebrach einen schmalen Korridor bilden. Andernorts sind Messstellen für Flächen maßgeblich, die rund 10 Kilometer entfernt liegen. Eine ähnliche Situation gebe es auch bei Höchstadt. „Eine belastbare Aussage ist in so einer Situation kaum möglich“, erklärt Pfeiffer. Werde ein Gebiet so fälschlicherweise als belastet markiert, habe das im Zweifelsfall folgen. So könnten Feldfrüchte mitunter nicht mehr angebaut werden. Alternativ könne eine falsche Bewirtschaftung langfristig auch negative Auswirkungen auf die Qualität des Bodens haben.

Europäische Union kritisiert Netzwerk ebenfalls

Tatsächlich mahne die EU schon seit Jahren, dass das deutsche Messnetz zu dünn sei. Wie aus einem Mahnschreiben der EU von 2019 hervorgeht, habe ganz Deutschland zwischen 2012 und 2015 lediglich über 697 Messstellen für sein Nitratmessnetzwerk verfügt. Damit gebe es pro 1000 km² lediglich 1,9 Stellen. Etwa ein Viertel des europäischen Durchschnitts.

„Dabei gibt es ja aber zahlreiche Messstellen – etwa jene, die im Rahmen der Wasserversorgung genutzt werden“, betont Pfeiffer. Und tatsächlich habe man bei einer ersten Kartierung im Zuge der Bayerischen Düngeverordnung für den Sandsteinkeuper Höchstadt an der Aisch anhand von insgesamt 59 Messstellen die Gebiete festgelegt. Bei der Neuauflage 2022 sei der Großteil dieser Stellen jedoch wieder aus dem Netz entfernt worden.

Nur Oberflächenwasser darf untersucht werden

„Tatsächlich haben wir anfangs jede Messstelle gemeldet, auf die wir Zugriff haben“, erklärt Rost. Im Nachgang habe eine Prüfung jedoch ergeben, dass der Großteil der Messstellen nicht geeignet gewesen sei. „Für das Nitratnetz der EU soll Oberflächenwasser gemessen werden“, berichtet der Mann vom Wasserwirtschaftsamt. Im Zuge der Wasserversorgung setze Deutschland jedoch auf Messstellen für Tiefenwasser. Auch Quellen, an denen eine Mischfiltrierung vorliege – also Wasser aus unterschiedlichen Gesteinsschichten vorkomme – könne man im Sinne der EU-Regelung nicht verwenden.

Zusammen mit Mitarbeitern des Wasserwirtschaftsamtes Kronach, haben im vergangenen Sommer auch Bauern aus der Region Höchstadt nach geeigneten Orten für Messstellen gesucht.
Zusammen mit Mitarbeitern des Wasserwirtschaftsamtes Kronach, haben im vergangenen Sommer auch Bauern aus der Region Höchstadt nach geeigneten Orten für Messstellen gesucht. // Thomas Pfeiffer

„Das Bayerische Umweltministerium bemüht sich aber, das Messstellen-Netz deutlich zu verdichten“, betont Rost. Dies sei jedoch nicht einfach. Schließlich müssten Standorte eine ganze Reihe an Bedingungen erfüllen. Unter anderem müssten sie gut zugänglich sein und es dürfe keine Mischfiltration vorliegen. Auf der anderen Seite müssten Eigentümer davon überzeugt werden, Teile ihrer Flächen für den Bau der Messstelle an das Wasserwirtschaftsamt zu verkaufen. Um dies zu ermöglichen, seien Landwirte bereits seit einiger Zeit dazu aufgerufen, Standorte für mögliche Messstellen an die zuständigen Wasserwirtschaftsämter zu melden.

Weitere rote Gebiete könnten dazukommen

„Der Austausch zwischen uns und den Landwirten ist diesbezüglich rege“, betont Rost. Wenn es mehr Messstellen gebe, heiße dies aber nicht automatisch, dass die Zahl der roten Flächen geringer werde. „Es ist dann davon auszugehen, dass mancherorts, wo jetzt noch ein grünes Gebiet ist, neue rote Gebiete auf der Karte auftauchen“, berichtet er. Dies könne manch einen Landwirt unerwartet treffen. Das sei jedoch das Risiko eines genaueren Messnetzes.

Warum es so lange gedauert habe, bis an einer Umsetzung der Kritik aus der EU gearbeitet würde, könne er nicht genau sagen. Eine Herausforderung sei aber das Zusammenspiel von Land und Bund sowie der unterschiedlichen Behörden. So übertrage das Landesamt für Umwelt die Messung der Wasserwerte. Verantwortlich für die Nitratrichtlinie sei jedoch das Bundeslandwirtschaftsministerium.

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